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Statistik

Reiche Hessen

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In Frankfurt und dem Hochtaunuskreis leben viele Einkommensmillionäre.

In Hessen leben 1665 Einkommensmillionäre. Dabei fallen die regionalen Unterschiede deutlich ins Auge.

Rund jeder vierte hessische Einkommensmillionär wohnt in Frankfurt, fast genauso viele im Hochtaunuskreis. Das geht aus Antworten von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Jan Schalauske hervor. Die aktuellsten Daten stammen demnach von 2016.

Die Statistik bezieht sich auch fast zwei Jahrzehnte nach Einführung des Euro noch auf D-Mark-Millionäre. Erfasst werden daher Personen, die Einkünfte von mehr als 500 000 Euro versteuern. Die Finanzverwaltung nennt sie „bE“-Fälle, die Abkürzung steht für „bedeutende Einkünfte“.

Im Durchschnitt betreffen die „bE“-Fälle aber auch Euro-Millionäre. Im Mittel gaben sie 2016 Überschusseinkünfte von 1,2 Millionen Euro an.

Die Einkünfte können sich beispielsweise aus Gehalt, Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen zusammensetzen, wobei steuerliche Abzüge bereits berücksichtigt sind. Es geht daher um „positive Überschusseinkünfte“ von mindestens 500 000 Euro pro Jahr.

Anstieg durch Abfindungen

Besonders viele Höchstverdiener wurden 2010 registriert. Als Grund nennt Finanzminister Schäfer, dass in jenem Jahr viele Arbeitnehmer ihre Firma mit hohen Abfindungen verlassen hätten. Bundesweit sei daraufhin die Statistik verändert worden. Nun gelten nur noch jene Fälle als „bedeutende Einkünfte“, bei denen die 500 000-Euro-Schwelle in mehreren Jahren überschritten wurde – mindestens in zwei von drei Jahren. Die Finanzämter widmen den Reichen nach Schäfers Angaben besondere Aufmerksamkeit. Die Einkommensmillionäre würden im Schnitt alle sieben Jahre einer Prüfung unterzogen, heißt es in seiner Auskunft. Im bundesdeutschen Schnitt geschehe das nur alle zehn Jahre. Hessen liege damit bei der Prüfungsdichte an der Spitze.

Diese Prüfungen lohnen sich für den Fiskus. In manchen Jahren gab es bei den „bE-Fällen“ Nachforderungen in Höhe von 58 oder sogar 76 Millionen Euro. Im Jahr 2018 fielen die zusätzlichen Steuereinnahmen allerdings geringer aus als in allen vorangegangenen Jahren. Die Finanzbehörden erzielten ein Mehrergebnis von 6,7 Millionen Euro.

Minister Schäfer geht in seiner Antwort davon aus, dass Einkommensmillionäre in der Regel den höchsten Steuersatz von 45 Prozent bezahlen. Fragesteller Schalauske forderte, der Spitzensteuersatz müsse erhöht werden – auf 53 Prozent, „wie zu Helmut Kohls Zeiten“. Außerdem müsse dringend eine Vermögensteuer eingeführt werden.

„Geld gibt es in Hessen genug, es ist nur sehr ungleich verteilt“, urteilte der Linken-Politiker. Er beklagte, dass sich Menschen mit geringem Einkommen „regelmäßig dem Misstrauen von Ämtern und Behörden ausgesetzt“ sähen, während die Gruppe der besonders Wohlhabenden meist aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinde.

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