Verkehr

Regionalverband soll Radrouten bauen

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Dem Main-Taunus-Kreis und Kommunen fehlen die Fachleute. Die Landesbehörde Hessen Mobil hat keine Kapazitäten.

Seit 30 Jahren planen die Städte Flörsheim, Hochheim und Hofheim einen Radweg entlang der Landesstraße 3017 von Wicker nach Wallau. Auch die Stadt Wiesbaden ist betroffen, weil die knapp drei Kilometer lange Radroute über ihre Gemarkung führen würde. Vorangekommen sind die Kommunen mit dem Projekt bislang nicht. Längst gehe es nicht mehr ums Geld, sagte Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) gestern vor Journalisten. Fördermittel stünden aus dem ehemaligen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zur Verfügung. 

60 Prozent der Baukosten würde das Land übernehmen. „Das Problem ist, dass keiner da ist, der den Radweg planen und bauen kann. Hessen Mobil habe bereits abgewunken. Die Landesbehörde habe nach eigenen Angaben keine Kapazitäten, berichtete Westedt. Den Kommunen fehlten jedoch schlichtweg die Fachleute für ein solches Projekt. Weil nicht alle Grundstücke auf Wiesbadener Gemarkung in städtischem Besitz seien, müsse ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. „Das schaffen wir nicht im Alleingang.“

Das Radwegenetz im regionalen Flächennutzungsplan ist insgesamt 2418 Kilometer lang. Es weist allerdings vielerorts Lücken auf. 20 Prozent der Radrouten sind aktuell noch in Planung.

Die Verbandskammer entscheidet am 19. Juni, ob der Regionalverband künftig Planung und Bau von Radwegen übernimmt und die Realisierung damit beschleunigt.

Für den Verkehrsdezernenten de Main-Taunus-Kreises, Johannes Baron (FDP) drohen die „guten Idee und schönen Pläne“, die der Landkreis in einem Radverkehrskonzept ausführlich niedergelegt hat, zu scheitern. Nicht allzu viel habe in den letzten zwei Jahren umgesetzt werden können, bedauerte Baron und nannte als weiteres Beispiel für eine Planung, die nicht vorankommt, den Radweg zwischen der Hofheimer Kernstadt und dem Stadtteil Lorsbach, über den auch schon weit über zehn Jahre diskutiert wird. Im Ostkreis gebe es ebenfalls Lücken im Radwegenetz. Häufig seien dabei mehrere Kommunen betroffen, teilweise auch der benachbarte Hochtaunuskreis. Mit der Behörde Hessen Mobil habe man keine guten Erfahrungen gemacht, stelle Baron fest. „Die Zusammenarbeit ist nicht befriedigend.“

Baron und Westedt setzen jetzt ihre Hoffnung in den Regionalverband, der sich angeboten hat, künftig nicht nur die Vorarbeit für den Ausbau des Radwegenetzes in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zu leisten sondern, sondern auch Radschnellwege in der Region zu bauen und Lücken im überörtlichen Fahrradwegenetz zu schließen. Der Masterplan Mobilität, für den zum 1. Januar diesen Jahres eine Planstelle geschaffen wurde, solle kein „Papiertiger“ bleiben, sagte der Erste Beigeordnete und Mobilitätsdezernent des Regionalverbandes Rouven Kötter (SPD). Einen konkreten Beschluss dazu soll die Verbandskammer am 19. Juni fällen. „Dann können wir sofort mit der Arbeit beginnen, alle Beteiligten an einen Tisch holen, Fördermittel akquirieren, gegebenenfalls Planfeststellungsverfahren in Auftrag geben und die Bauphase begleiten.“

Bis Jahresende 2019 sollen die ersten Projekte, die der Regionalverband in Angriff nimmt, feststehen. Der Radweg von Wicker nach Wallau könnte dazugehören. Dass die Stadt Flörsheim knapp bei Kasse ist, müsse kein Hindernis sein, sagte Baron. „Im Kreisinvestitionsfonds stehen pro Jahr 1,5 Millionen Euro für solche Projekte bereit.“

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