Werner Catel

Regierung lässt tödliche Menschenversuche erforschen

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Ein Historiker soll die Menschenversuche des früheren Mammolshöhe-Chefarztes Werner Catel aufklären.

Die Tätigkeit des Euthanasie-Arztes Werner Catel und seine tödlichen Experimente mit Medikamenten in der Kinderheilstätte Mammolshöhe sollen von einer Historikerin oder einem Historiker im Auftrag des Landes aufgearbeitet werden. Das hat die Landesregierung beschlossen, wie ein Sprecher des Sozialministeriums am Freitag auf Anfrage der FR mitteilte.

Die Untersuchung solle gemeinsam mit dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen auf den Weg gebracht werden. Der LWV war zeitweise Träger der Anstalt in Königstein-Mammolshain gewesen. Die Gesundheitsabteilung des Innenministeriums hatte Catel, der an der Ermordung behinderter Kinder in der Nazizeit beteiligt war, 1947 als Leiter der Einrichtung berufen.

Rund 70 Jahre danach liegen der Landesregierung nach eigenen Angaben keine Akten mehr aus der damaligen Zeit vor. Aufgrund der FR-Anfrage hätten Innen-, Kultus-, Wissenschafts- und Sozialministerium ihre Aktenlage geprüft, sagte der Sprecher. In keinem dieser Häuser gebe es Akten zu dem Arzt oder den Vorfällen. „Rein formal ist es so, dass es eine behördliche Überwachung klinischer Prüfungen beziehungsweise eine Meldeverpflichtung bei deren Durchführung zum damaligen Zeitpunkt nicht gab“, fügte der Sprecher hinzu.

Bei den Versuchen an tuberkulosekranken Kindern waren mindestens vier Kinder getötet worden. Ein Arzt hatte deswegen Beschwerden bei der Ärztekammer und dem Ministerium eingelegt, die aber abschlägig beschieden wurden.

Die Landesärztekammer teilte auf Anfrage mit, bei den Versuchen handele es sich „aus heutiger Sicht“ um Verstöße gegen internationale Vereinbarungen zum ärztlichen Handeln, etwa gegen das 1948 verabschiedete „Genfer Gelöbnis“.

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