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Kämpften für das Frauen-Wahlrecht: Suffragetten im Jahr 1910 in Großbritannien.

Frankfurt

Regie statt Nebenrolle

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100 Jahre Frauenwahlrecht und 50 Jahre feministische Filmarbeit feiern wir in diesem Jahr. Passend dazu gehen die ersten „Frankfurter Frauen Film Tage“ an den Start

Die Vermutung liegt nahe, die Sache könne etwas mit „Me Too“ zu tun haben. Tatsächlich aber habe die Realisierung des Projektes bereits 2014 begonnen, „also bevor die Schwierigkeiten der Frauen in der Filmindustrie in den Fokus der Medien geraten sind“, sagt Karola Gramann, künstlerische Leiterin der Kinothek Asta Nielsen. Nun ist das Projekt fertig, das Festival „Remake. Frankfurter Frauen Film Tage“ steht kurz vor der Premiere, in der Panorama-Bar des Schauspiels Frankfurt stellen die Macherinnen das Programm vor.

Vom 2. bis 11. November dreht es sich an verschiedenen Festivalorten in Frankfurt und der Region um die Filmarbeit von Frauen. Gramann und ihre Mitkuratorinnen Gaby Babic und Heide Schlüpmann von der verantwortlichen Kinothek Asta Nielsen haben ein umfangreiches Programm konzipiert und so wahre wie rare Preziosen ausgegraben, die zum Teil erst restauriert und digitalisiert werden mussten, um sie überhaupt vorführen zu können. „Nach Möglichkeit zeigen wir die Filme im Originalformat“, sagt Gramann.

„Filme existieren nur in der Aufführung“, heißt es in einem Text, das Zeigen selbst sei eine Form des Filme-Machens. Daher der Titel „Remake“. Begleitend zu den etwa 50 Filmbeiträgen erscheint die Publikation „Zu Wort kommen“, die aktuelle und historische Texte zu den Schwerpunkten des Festivals versammelt.

Drei Schwerpunkte hat die erste Ausgabe. Die Vorbereitungen für die zweite Ausgabe, die 2019 folgen soll, sind schon angelaufen. Zum einen stellt das Festival die Arbeit von Recha Jungmann in den Fokus. Drei ihrer Langfilme werden gezeigt, darunter „Etwas tut weh“ (1979), eine autobiografisch inspirierte Geschichte über ihr Heimatdorf in der Rhön. Dabei gehe es auch um „die Sicherung des filmischen Erbes“ der in Frankfurt lebenden Regisseurin, sagt Frauke Haß vom Deutschen Filminstitut. Außerdem widmen sich Beiträge dem „Edinburgh International Filmfestival“ von 1972, das als erstes feministisches Filmfestival gilt. Thematisch aber beschäftigt sich „Remake“ vor allem mit den Jubiläen „100 Jahre Frauenwahlrecht“ und „50 Jahre feministische Filmarbeit“, ein historisch aufgebautes Programm spannt den Bogen von der Suffragettenbewegung bis heute.

Damit fügt sich „Remake“ trefflich ein in die aktuelle Debatte um die Rolle von Frauen – nicht nur im Film, sondern überhaupt in der Gesellschaft. „Die Errungenschaften der Frauenbewegung in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stellen, ist wichtiger denn je“, sagt die Frankfurter Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Zu oft müsse sie sich anhören, dass sich Frauen doch gefälligst mal mit dem begnügen könnten, was sie erreicht hätten, irgendwann sei es ja wohl mal genug mit der Gleichberechtigung. „Das ist für mich unerträglich.“ Umso wichtiger sei der „zentrale Auftrag“ der 1999 in Frankfurt gegründeten Kinothek Asta Nielsen, „ein feministisches Gedächtnis zu schaffen“, sagt Elena Lindenzweig von der Filmförderung „Hessenfilm und Medien“. Mit „Remake“ hat der Verein jedenfalls das erste Frauen-Film-Festival Hessens geschaffen, in Deutschland gibt es nur ein weiteres vergleichbares.

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