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Rassismus

Rechtsextremismus nach Hanau: Der Hass hört nicht auf

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Auf den Anschlag von Hanau folgt eine Welle von Drohschreiben. Die Adressaten sind Moscheen, aber auch Privatleute.

Auch einen Monat nach dem rassistischen Anschlag von Hanau hält die dadurch ausgelöste Welle von Drohbriefen, Hassmails und Internet-Hetze weiter an. Bei der Beratungsstelle Response, die sich um Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt kümmert, geht man davon aus, dass dies auch noch lange so weitergeht.

„Wir sind in einer aufgewühlten und angespannten Situation“, sagt Roman Jeltsch von Response in Frankfurt. Der Anschlag von Hanau, bei dem neun Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Mutter des Attentäters getötet wurden, bevor dieser sich selbst erschoss, sei eine typische „Botschaftstat“, erklärt Jeltsch.

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Beim Terroranschlag am 19. Februar wurden Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoglu aus rassistischen Motiven ermordet. 

Die Stadt Hanau plant für die Opfer  eine Gedenkstätte und will ihnen posthum die Ehrenplakette der Stadt in Gold verleihen. Zudem sollen Tafeln an den Tatorten an sie erinnern.

Wegen des Coronavirus hat die Stadt die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die sich mit dem Anschlag auseinandersetzen sollten, abgesagt. Zeichen sollen dennoch gesetzt werden, heißt es. Die Philippsruher Allee wurde mit den Fahnen der Wochen gegen Rassismus geschmückt, der Poetry Slam ist online zu sehen: www. facebook.com/hanauerpoetryslam. Darüber hinaus soll eine Pflanzaktion am „Frei(R)Baum“ am Hafentor Hoffnung machen. Die anderen geplanten Veranstaltungen sollen nachgeholt werden. gha

Die Einzelpersonen seien als Stellvertreter einer Gruppe angegriffen worden, als „die Muslime“ oder „die Ausländer“. „Die Botschaft des Täters lautet: Wir werden euch töten, ihr gehört hier nicht hin, ihr seid weniger wert“, sagt Jeltsch.

Und offenbar werde diese Botschaft auch gehört, sie wirke. Viele der Hass- und Drohschreiben nähmen direkten Bezug auf die Tat von Hanau, berichtet Jeltsch. Es sei davon die Rede, „Feinde mit Schüssen zu töten“, es werde betont, dass „weitere Anschläge folgen“ und immer wieder tauche „der Held von Hanau“ auf.

Mit mehr als 20 Betroffenen, zumeist Angehörigen der Opfer, ist Response bereits in Kontakt. Die Berater suchen die Menschen in Hanau auf, waren in den vergangenen Wochen fast täglich dort, wo noch immer um die Getöteten getrauert wird. Der Opferbeauftragte des Bundes, Edgar Franke, geht von 65 Betroffenen aus, die Polizei von noch mehr.

„Die Folgen werden noch Jahre nachwirken“, sagt Jeltsch. Bei vielen sei das Sicherheitsgefühl erschüttert, manche wollten gar nicht mehr vor die Tür gehen.

Rechte und rechtsextreme Tendenzen in Hanau sind nicht neu. Bei der Landtagswahl 2018 erreichte die AfD einen Stimmenanteil von 16,2 Prozent, im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten lag sie, wie in mehreren Bezirken, mit 21,4 Prozent vorne.

Die Ausländerbeiratsvorsitzende und SPD-Stadtverordnete Selma Yilmaz Ilkhan sieht eine Zunahme des Alltagsrassismus. Sie sei zuletzt selbst auf der Straße übel angepöbelt und bedroht worden. Drohbriefe und Internet-Hetze richteten sich gegen Privatleute ebenso wie gegen Moscheen, auch die Ditib-Moschee in Hanau habe eine Woche nach dem Anschlag ein Drohschreiben erhalten. Die Sprache dieser Schreiben sei oft roh und enthalte Bezüge zum Nationalsozialismus, berichtet Jeltsch. „Wir sehen darin eine sehr selbstbewusst agierende rechte Szene“, sagt er. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat derweil 84 Verfahren gegen Hetzer eingeleitet.

Aber nicht nur Schreiben und Worte bedrohen die Betroffenen. Am zweiten Ort des Anschlags gab es einen Fall von Vandalismus, der bei Politikern für Entsetzen sorgt.

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