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Das Hochhaus Eurotheum wird bereits teilweise mit der Abwärme des Rechenzentrums von Cloud & Heat beheizt, das darin zwei Stockwerk belegt und seine Server mit Wasser kühlt.
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Das Hochhaus Eurotheum wird bereits teilweise mit der Abwärme des Rechenzentrums von Cloud & Heat beheizt, das darin zwei Stockwerk belegt und seine Server mit Wasser kühlt.

Rhein-Main

Rechenzentren in Frankfurt: Viele Hürden für die Nutzung von Abwärme

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
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Die Idee, die Wärme von Rechenzentren zu nutzen, klingt plausibel. Doch es gibt viele Hürden.

Filmstreaming, Videokonferenzen und technische Datenanwendungen brauchen nicht nur enorm viel Strom. Sie produzieren in den Rechenzentren, in denen die Daten lagern und abgerufen werden, auch viel Wärme – ähnlich wie der eigene PC. Dass diese Wärme überwiegend einfach nach draußen geblasen wird, muss nicht so bleiben.

Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit geht davon aus, dass es in der Zukunft „eine Reihe von Projekten zur Nutzung von Abwärme“ geben wird. Rechnerisch wäre es ihm zufolge sogar möglich, mit der Abwärme von Frankfurts Rechenzentren bis zum Jahr 2030 den gesamten Wärmebedarf von Frankfurts Privathaushalten und Bürogebäuden zu decken.

Rechnerisch. Denn praktisch ist es bis dahin noch ein weiter Weg. „Bislang gibt es noch eine Vielzahl von ökonomischen, technischen und regulativen Herausforderungen, um eine solche Vision zu erreichen“, sagt Hintemann.

Nutzung lohnt sich nicht

Abwärmekataster

Seit 2018 werden in Frankfurt systematisch Quellen von Abwärme erfasst und auf einer Karte verzeichnet.

Darin verzeichnet sind laut Paul Fay vom Energiereferat die Abwasserkanäle der Stadt und Abwärmequellen.

Wichtige Abwärmequellen sind die Industrieparks und Rechenzentren. Im Kataster angegeben ist auch, wie viel Abwärme jeweils abgegeben wird.

Inzwischen erfasst die Stadt laut Fay zudem systematisch den Stromverbrauch der Datenfabriken und zieht daraus Rückschlüsse auf die Abwärme.

Abgefragt werden diese Informationen laut Fay zum Beispiel von Gebäudeplanern. Insgesamt nähmen die Anfragen immer mehr zu.

Auch für Wohnungsbaugesellschaften werde die Frage immer wichtiger, wie sie bestehende Wohnungen klimaneutral versorgen könnten. cir

Zwar gibt es auf der einen Seite Wärme, die ungenutzt in die Luft geblasen wird, und auf der anderen Seite Haushalte, die Wärme brauchen. Doch diese zusammenzubringen, gelingt bislang nur in Ausnahmefällen. Etwa dann, wenn ein neues Wohngebiet gerade neben einem bestehenden Rechenzentrum gebaut wird oder wenn das Rechenzentrum in ein Hochhaus integriert ist wie im Eurotheum. In der Regel aber, so Hintemann, sei die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren derzeit kaum wirtschaftlich umsetzbar.

Ein weiterer wichtiger Hinderungsgrund ist laut Hintemann, dass die Fernwärmenetze in Deutschland und auch in Frankfurt ein zu hohes Temperaturniveau hätten. Während die Luft, die nach der Kühlung von Rechenzentren zur Verfügung steht, um die 30 Grad Celsius hat, habe das Fernwärmenetz eine Temperatur von 90 Grad oder sogar höher.

Fernwärme optimieren

Doch schon heute gebe es die Technik, Fernwärmenetze mit geringerem Temperaturniveau zu betreiben. Damit wiederum könnte die Nutzung der Abwärme aus Rechenzentren wirtschaftlicher werden. Auch Paul Fay vom Energiereferat der Stadt Frankfurt treibt die Frage nach der Nutzung von Abwärmequellen und der richtigen Infrastruktur um. Er sagt: „Ich denke, dass wir ein zweites Netz für die Nutzung der Abwärme aus den Rechenzentren aufbauen müssen.“ Zudem müsse die Stadt zunehmend schauen, wo der Bau von Rechenzentren sinnvoll sei. An einer Strategie für die zukünftige Versorgung der Stadt mit Wärme werde derzeit gearbeitet.

Neben dem großen Temperaturunterschied sind auch die Jahreszeiten ein Problem. Denn: Die Wärme aus Rechenzentren wird vor allem im Sommer zur Verfügung gestellt, wenn die großen Datenfarmen mit Hilfe von Klimaanlagen auf gut 20 Grad heruntergekühlt werden. Doch wer braucht dann Wärme? Laut Hintemann gibt es Versuche, die Wärme unterirdisch zu speichern. Das aber müsse noch näher erforscht werden. Feinarbeit für Ingenieurinnen und Ingenieure.

Ein weiteres Forschungsfeld ist die Frage, wie die Wärme, die die Rechenzentren in Frankfurt in die Luft abgeben, das Mikroklima der Stadt beeinflusst. Auch hierzu gibt es laut Hintemann derzeit mehr Fragen als Antworten.

Kühlanlagen auf dem Dach eines Rechenzentrums von Interxion im Frankfurter Ostend.

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