Rhein-Main

Razzia „Lackschuh“ in Frankfurt und Rhein-Main

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Über 500 Einsatzkräften gelingt ein Schlag gegen organisierte Schwarzarbeit. Ermittler beschlagnahmen Beweismaterial - darunter gefälschte Dokumente und eine Machete.

Mit einer groß angelegten Razzia haben Ermittler ein illegales Netzwerk von Reinigungs- und Scheinfirmen im Rhein-Main-Gebiet zerschlagen. Seit den frühen Morgenstunden durchsuchten mehr als 500 Einsatzkräfte von Zoll, Polizei und Steuerfahndung am Dienstag 39 Objekte in Frankfurt und weiteren Orten wie Erlensee, Maintal und Friedrichsdorf. Den insgesamt zwölf Beschuldigten wird vorgeworfen, über Jahre hinweg keine Steuern und Sozialabgaben gezahlt oder dies begünstigt zu haben. Der Schaden für Fiskus und Sozialkasse werde auf mindestens fünf Millionen Euro geschätzt, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Hauptzollamts Gießen.

Dem Einsatz, der am Dienstag unter dem Decknamen „Lackschuh“ lief, waren jahrelange Ermittlungen vorausgegangen, die 2015 nach einer ebenfalls groß angelegten Razzia gegen die Betreiber von Scheinfirmen im Baugewerbe ihren Anfang nahmen. Bei der Sichtung der Scheinrechnungen, mit denen Betrüger ihre Schwarzarbeit tarnen, war eine Reinigungsfirma mit Sitz in Frankfurt ins Visier der Ermittler geraten.

Machete im Schlafzimmer

Das Unternehmen, das überwiegend Firmengebäude und Liegenschaften der öffentlichen Hand in Hessen reinigt, soll seine Arbeitskräfte über Jahre hinweg bar entlohnt haben, ohne die gezahlten Löhne den zuständigen Behörden zu melden. Sogenannte Servicefirmen im Frankfurter Umland halfen, den Tatbestand zu verschleiern.

Durchsucht wurden am Mittwoch überwiegend Privatwohnungen, aber auch Geschäftsräume, Arbeiterunterkünfte und Kanzleien von Steuerberatern. Da einer der Tatverdächtigen wegen Gewaltdelikten mehrfach vorbestraft ist, rückte zur Festnahme in Mannheim ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus. Einer der Tatverdächtigen hatte „im Schlafzimmer griffbereit eine Machete stehen“, verriet ein Sprecher des Hauptzollamts Gießen.

Neben der Machete fanden die Beamten umfangreiches Beweismaterial, Computer, Mobiltelefone, eine Vielzahl von gefälschten Dokumenten und Bargeld, das zunächst ebenso beschlagnahmt wurde wie 21 Fahrzeuge aus den Fuhrparks der Unternehmen. Auch Konten wurden eingefroren. Den Beamten geht es darum, Vermögenswerte in Höhe der hinterzogenen fünf Millionen Euro zurückzugewinnen.

Sieben der Tatverdächtigen im Alter zwischen 24 und 54 Jahren wurden mit Haftbefehlen festgenommen, die das Amtsgericht Frankfurt erlassen hatte. Eine Vielzahl von Arbeitskräften, die bei der Razzia angetroffen wurden, sollen in den kommenden Tagen vernommen werden. Spezialkräfte für IT-Forensik des Zolls werten derweil die sichergestellten Computer und Mobiltelefone aus. „Wir werden sicherlich noch andere Firmen finden, die ebenfalls in den Scheinrechnungen auftauchen“, so der Sprecher des Hauptzollamts.

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