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Ramadan-Zeitschrift: Ein kreativer und lehrreicher Begleiter

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Von: Timur Tinç

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Elif Taskinsoy mit ihrer Ramadan-Zeitschrift.
Elif Taskinsoy mit ihrer Ramadan-Zeitschrift. © Monika Müller

Die Neu-Isenburgerin Elif Taskinsoy hat eine Ramadan-Zeitschrift für muslimische Familien herausgebracht.

Die Wohnung von Elif Taskinsoy ist vor vier Wochen wieder zum Versandhaus geworden. Seit ihre Ramadan-Zeitschrift aus der Druckerei gekommen ist, packt sie abends zusammen mit ihrem Mann eine Versandtasche nach der anderen. „Ich wollte, dass meine Kinder etwas haben, was sie mit dem Monat Ramadan verbinden können“, sagt die 31-Jährige. Die Mutter von zwei Söhnen, drei und fünf Jahre alt, hat bereits im vergangenen Jahr eine Zeitschrift anlässlich des muslimischen Fastenmonats kreiert. Darin enthalten waren Bastelideen, kindgerechte Erklärungen zu religiösen Themen, kleine Aufgaben, Ausmalseiten und Rätsel, damit Kinder etwas lernen, aber auch Freude empfinden.

„Das ist so gut angekommen“, berichtet die Neu-Isenburgerin. Die ersten 500 Exemplare waren ruckzuck vergriffen. Auch die nachbestellten 500 gingen fast alle weg. Also hat sie sich bereits im vergangenen November an die Arbeit gemacht, eine zweite Zeitschrift zu entwerfen, diesmal für die ganze Familie. Der Ramadan beginnt an diesem Samstag. Sie hat bekannte muslimische Persönlichkeiten im deutschsprachigen Raum gewinnen können, Artikel zu schreiben. Für die Kinder gibt es wieder vieles, um kreativ zu werden - mit religiösem Bezug -, sowie ein Ramadan-Lied von Tarik Gürleyen, das per QR-Code online abgerufen werden kann. „Zu Weihnachten gibt es Lieder wie ,Kling, Glöckchen‘ oder ,In der Weihnachtsbäckerei‘. Ich wollte, dass muslimische Kinder auch einen Song haben, den sie im Ramadan rauf und runter singen“, sagt Taskinsoy, die Islamische Studien an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert hat und an einer Schule in Rödermark als Grundschullehrerin arbeitet. Ihr haben immer die Kerzen, die Lichter und Gerüche und die Art, wie Christen die Weihnachtszeit empfangen haben, gefallen. Sie hat mit ihren Söhnen schon immer viel gebastelt und ihre Basteltipps auf Instagram geteilt, wo sie mittlerweile rund 16 000 Follower hat.

Irgendwann kamen auch religiöse Elemente dazu, um Prophetengeschichten kennenzulernen oder spielerisch die arabischen Buchstaben zu lernen. Diese hat sie dann gebündelt und mit viel Fummelarbeit in einem Word-Dokument zusammengetragen. Für die Illustrationen hat sie Suzan Bayram Çoskun engagiert, die ihre Vorstellungen umgesetzt hat.

Die Zeitschrift

Die 80-seitige Ramadan-Zeitschrift von Elif Taskinsoy kostet 24,95 Euro. Es gibt sie auf der Webseite elifsmind.de zu kaufen. Weitere Informationen gibt es auf ihrem Instagramkanal @elifs_mind.

Zusammen mit ihr und Gürleyen hat sie schon das Kinderbuch Ibrahim, Ismail und Hadschar geschrieben und ein Hörspiel entwickelt. „Bei kleinen Kindern läuft alles visuell ab“, erklärt Taskinsoy. Dabei war es eine Herausforderung, Auszüge aus dem Leben des Propheten zu zeigen, ohne ihn bildlich darzustellen, da dies im Islam verboten ist. Also wurde mit Liebe zum Detail gezeigt, unter welchen Umständen Menschen im siebten Jahrhundert in Saudi-Arabien gelebt und wie sie sich gekleidet haben.

Ganz besonders am Herzen lag Taskinsoy auch, auf dem Cover die Vielfalt von Kindern darzustellen, mit allen Hautfarben, aber es gibt auch ein Mädchen, das im Rollstuhl sitzt und wie die anderen Kinder eine Schnur festhält, die zum Mond führt. „Die Mutter eines Mädchen im Rollstuhl hat mir geschrieben und erzählt, dass ihre Tochter gesagt hat: Das bin ich“, freut sich Taskinsoy. Repräsentanz und Identifizierung sei für Kinder ungeheuer wichtig.

Von der Zeitschrift hat sie in diesem Jahr 1500 Exemplare drucken lassen. Da das Papier aus recyceltem Material ist, kostet sie 24,95 Euro. „Es gab schon einige, die mir geschrieben haben, dass sie es zu teuer finden“, sagt Taskinsoy etwas enttäuscht. Ihr Anliegen sei es, etwas Werthaltiges über den Ramadan hinaus für Muslime in Deutschland zu schaffen. Es dreht sich auch nicht alles um den Fastenmonat, sondern auch um die Lebensgeschichten des Propheten Mohammed oder des Kalifen Umar, die seien zeitlos genauso wie kreative Elemente.

Eine bosnische Gemeinde in Österreich hat 100 Exemplare der Zeitschrift bestellt. In Deutschland sind die überwiegend fremdsprachigen Moscheegemeinden bislang eher skeptisch, weil es so etwas bislang auf Deutsch nicht gab. Elif Taskinsoy will kein Geld mit ihrem Produkt verdienen. Sie musste in Vorleistung treten, um das 80-seitige Werk herauszubringen und ist froh, wenn es Null auf Null ausgeht. „Ich möchte, dass die Muslime in Deutschland etwas Handfestes haben, das sie im Ramadan begleitet.“

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