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Ein Junge mit Gebetsteppichen (Symbolfoto).

Fastende Kinder

Ramadan: CDU-Ministerin droht Eltern mit rechtlichen Konsequenzen – Linke entsetzt

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Hessens Justizministerin Kühne-Hörmann sagt: Wer Kinder fasten lässt, kann strafrechtlich verfolgt werden. Die Linke kommentiert beißend, demnächst kämen von ihr wohl Drohungen an Eltern zu Weihnachten.

  • Hessische Justizministerin Kühne-Hörmann (CDU) droht Eltern im Ramadan mit rechtlichen Konsequenzen
  • Partei „Die Linke“ zeigt sich entsetzt
  • Fastende Kinder: Debatte über gesundheitliche Probleme

Rhein-Main – Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) stößt mit einer Ermahnung aus Anlass des Ramadans auf Unverständnis. Die Ministerin hatte den Muslimen nicht etwa eine gesegnete Fastenzeit trotz der schwierigen Corona-Bedingungen gewünscht, wie das andere Politiker in diesen Tagen tun.

Ramadan in Hessen: CDU-Ministerin droht muslimischen Eltern mit strafrechtlichen KOnsequenzen

Vielmehr drohte sie muslimischen Eltern in einem kurzen Instagram-Video damit, dass sie „strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden“ könnten, wenn sie ihre kleinen Kinder zum Fasten animierten. Denn das könne deren Gesundheit gefährden.

Ramadan

Der heilige Fastenmonat der Muslime fällt in diesem Jahr mitten in die Corona-Krise. Er begann am Abend des 23. April und endet am 23. Mai.

Das Fastenbrechen bei Einbruch der Dunkelheit gehört normalerweise zu den familiären und geselligen Höhepunkten der Fastenzeit. In diesem Jahr fällt vieles wegen der Hygiene- und Abstandsregeln aus. 

Die Linke im Landtag zeigte sich entsetzt. „Wir freuen uns daher auch zukünftig auf die Erziehungstipps von Kühne-Hörmann, zum Beispiel, wenn sie an Weihnachten mit der Prügelstrafe droht, falls Kinder mit fettigem Essen und allzu viel Süßigkeiten vollgestopft werden, da auch das der Gesundheit massiv schadet“, ätzte der Linken-Justizpolitiker Ulrich Wilken. Er fügte ironisch hinzu, es gehe bei Kühne-Hörmann selbstverständlich nicht um antimuslimische Ressentiments: „Es in Wahrheit eine aufrechte Sorge um das Kindeswohl gepaart mit Erziehungsvorstellungen der Kaiserzeit.“

Ramadan: CDU-Ministerin droht muslimischen Eltern – Ist das Fasten ein Problem für Kinder?

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob das Fasten von Kindern und Jugendlichen ein Problem darstellt. Abdullah Wagishauser, der Vorsitzende der Ahmadiyya in Deutschland, versicherte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, Kinder und Jugendliche sollten nicht fasten. Die sunnitische Organisation Ditib hatte dagegen vor einigen Jahren um Verständnis gebeten und „den jungen Menschen den Willen zum Fasten nicht zu verwehren“.

In Hessen hatte sich der SPD-Abgeordnete Turgut Yüksel mehrmals bei Kultusminister Alexander Lorz (CDU) nach dem Fasten von Kindern und Jugendlichen im Ramadan erkundigt. Der Minister berichtete bereits vor einigen Jahren, es seien „Einzelfälle zu gesundheitlich relevanten oder anderen Vorfällen in hessischen Schulen bekannt, die auf die Fastenpraxis zurückzuführen sind“. Dabei gehe es meistens um „eingeschränkte Leistungsfähigkeit, übermäßige Müdigkeit und geringe Konzentrationsfähigkeit“.

Ramadan: CDU-Ministerin droht beim Fasten mit rechtlichen Konsequenzen – Vorschlag „Kinderfasten“

Yüksel sagte der FR, die Landesregierung solle an Eltern und Kinder appellieren, dass sie darauf verzichteten. Es sei aber „Unsinn“, wenn Kühne-Hörmann das mit einer Strafe durchsetzen wolle. „Es geht darum, im Dialog einen Weg zu finden.“ So könne es eine Möglichkeit sein, wenn manche Muslime ihren Kindern ein „Kinderfasten“ von einigen Stunden erlaubten, damit sie an dieser religiösen Praxis der Erwachsenen teilhaben könnten. Ähnlich sieht das Enis Gülegen, der Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte.

Auch er betont die Fürsorgepflicht der Eltern. Doch Gülegen fügt hinzu, Kühne-Hörmann schieße mit Kanonen auf Spatzen. „Das verstärkt nur Vorurteile und den Rechtspopulismus“, befürchtet Gülegen.

Die Corona-Krise verändert auch den Ramadan. Der Frankfurter Islamwissenschaftler Bekim Agai berichtet im Interview, was Ramadan in Corona-Zeiten für Muslime bedeutet und welche Parallelen es zu anderen Religionen gibt.

Analyse: Christen, Muslime und Juden sind sich ihrer Verantwortung in der Corona-Krise bewusst. Sie sollten nicht länger warten müssen, bis sie wieder - wenn auch eingeschränkt - zusammenkommen dürfen.

Von Pitt von Bebenburg

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