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Obdachlose lebten in dem einsturzgefährdeten Haus in Offenbach, das die Polizei im Dezember räumte.
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Obdachlose lebten in dem einsturzgefährdeten Haus in Offenbach, das die Polizei im Dezember räumte.

Offenbach

Räumung trotz Kälte

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die Gruppe „LOS! Offenbach Solidarisch“ kritisiert den Umgang mit Obdachlosen in der Stadt. Die Polizei widerspricht den Vorwürfen, sie habe kein Unterbringungsangebot gemacht.

Seit Monaten hängt eine mittlerweile bräunliche Plane vor dem Haus in der Waldstraße 18 in Offenbach. Ein Gerüst ist um das Gebäude aufgebaut, das vor über einem Jahr gebrannt hat. Im Dezember des vergangenen Jahres haben dort vier Personen Unterschlupf gefunden. Wie lange sie da waren, ist nicht bekannt. Klar ist nur, dass sie am 20. Dezember rausgeholt worden sind, wie die Gruppe „Los! Offenbach Solidarisch“ öffentlich gemacht hat. Die Personen seien gegen ihren Willen „dem Winter und der Nacht ausgesetzt worden“, heißt es. Der Gruppe lägen dazu mehrere Berichte von Augenzeug:innen vor.

Die Polizei Südosthessen und die Stadt bestätigten gegenüber der FR die Räumung, verwiesen aber auf den „desolaten hygienischen Zustand“ und die Einsturzgefahr des Gebäudes. In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember gegen 0 Uhr hatte eine Streife der Bundespolizei, die zusammen mit der Stadtpolizei die Einhaltung der damals geltenden Ausgangssperre kontrollierte, beobachtet, wie sich eine Person in dem Gerüst aufhielt und dann über das Dach floh. So schildert es die Landespolizei, die in dieser Nacht hinzugeholt wurde.

„Mit Hilfe der Drehleiter der Feuerwehr konnte die Person dann zwischenzeitlich vom Dach heruntergeholt und in Sicherheit gebracht werden“, teilte die Polizei mit. Bei der Durchsuchung des Gebäudes seien dann drei weitere Personen gefunden worden. Gegen 2 Uhr sei der Einsatz beendet worden. Die Gruppe „LOS! Offenbach Solidarisch“ kritisiert, dass den Personen kein „angemessenes Unterbringungsangebot gemacht wurde. Die Polizei hingegen berichtet, dass „ein Unterbringungsangebot seitens der Personen nicht in Anspruch genommen wurde“. Vielmehr hätten sie angegeben, sich zur Bahnhofsmission nach Frankfurt begeben zu wollen.

Kritik an fehlenden zusätzlichen Angeboten

Thomas Quiring kennt die Probleme der Obdachlosen. Er ist Leiter des Sozialdienstes Offenbach Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie, der auch Unterkünfte für wohnungslose Männer in der Gerberstraße anbietet. „Die Obdachlosen in Offenbach sind nicht so sichtbar wie in Frankfurt“, berichtet Quiring. Sie würden in Abbruchhäusern und Schrebergärten unterkommen oder sich in den Wald zurückziehen, weil sie Angst hätten, beklaut zu werden, und den Kontakt mit Behörden scheuen.

Die Gruppe „LOS! Offenbach Solidarisch“ kritisiert, dass im Winter keine zusätzlichen Angebote für Obdachlose in der Stadt geschaffen wurden. „Auch vor Corona war das Angebot für Wohnungslose in Offenbach mies. Weder existiert hier, anders als etwa in Frankfurt, ein Kältebus noch eine durchgängig besetzte Hotline der Stadt für soziale Notlagen“, schreiben die Aktivist:innen. Zumal die Coronavirus-Pandemie die Lage noch verschlimmert habe.

Davon kann auch Thomas Quiring berichten. „In die Teestube können wir stündlich nur noch sechs Leute reinlassen, vorher war das unbegrenzt“, sagt Quiring. Auch die Schlafplätze im Wohnheim mussten aufgrund der Hygienebestimmungen reduziert werden. Und wer sonst keinen Platz findet, sucht dann auch mal Zuflucht in Gebäuden wie dem in der Waldstraße.

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