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Nachts entfalten die ausgestellten Objekte einen besonderen Reiz für die Besucher.

Darmstadt

Rätseln zwischen Exponaten

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Rund 1000 Besucher kommen bei der Museumsnacht zur Ausstellung „Stages“ im Hessischen Landesmuseum.

In rotes Licht ist die Fassade getaucht, auch in der Eingangshalle dominieren rote Strahler. Am Samstag hatte das Hessische Landesmuseum zur langen Museumsnacht eingeladen, im Mittelpunkt stand die aktuelle Schau „Stages - Episoden des Lebens“. Passend zur Thematik wurde die Ausstellung zur Bühne für Tanz und Musik.

„Wir haben erstmals Künstler des Staatsballetts für einen Auftritt gewinnen können“, sagt Lutz Fichtner, Organisator der Museumsnacht. Bis Mitternacht wird Programm angeboten, es gibt Musik, im Ausstellungsraum darf getanzt werden und die Kuratoren und Wissenschaftler des Museums stehen den Besuchern als „Speaker“ Rede und Antwort.

So auch „Stages“-Kurator Oliver Sandrock. „Ich werde oft gefragt, weshalb einige der Schädel schwarz sind“, sagt er und weist auf eine Wand mit 300 Schimpansenschädeln aus Liberia. Die Schädel, die der Sammlung Senckenberg entstammen, werden erstmals gezeigt. „Die Schimpansen wurden von den lokalen Stämmen gejagt und gegessen“, sagt Sandrock, „und beim Kochen wurde einige Schädel durch das Feuer eben geschwärzt.“

In der Abteilung Erdgeschichte beantwortet Sabine Hahn alle Fragen rund um Fossilien und das Messeler Urpferdchen. „Sind Fossilien selten?“, will ein Junge wissen. „Die sind Millionen Jahre alt – ja, die zu finden, ist selten“, sagt sie. Das Interesse an den Fossilien gerade aus der Grube Messel sei groß.

Zur vollen Stunde hallt Marco Schikatis’ Stimme durch die Eingangshalle. Der lädt zum Miträtseln per Smartphone ein, 25 Fragen gilt es zu beantworten. „Die Fragen werden alle 30 Sekunden gestellt, so reicht die Zeit nicht, dass die Antwort gegoogelt wird“, sagt er. Viele Besucher haben ihre Smartphones gezückt und rätseln mit. Etwa, welcher Forscher wesentlich zum Evolutionsgedanken beigetragen habe. Die Antwort „Charles Darwin“ fällt leicht. Kniffeliger wird es, als Schikatis fragt, welches Tier am längsten lebe. Wer aber aufmerksam durch die Ausstellung gelaufen ist, weiß, dass Glasschwämme fast zehntausend Jahre alt werden können.

„Die Besucher erwarten inzwischen ein großes Rahmenprogramm zu Ausstellungen“, sagt Fichtner. Die Museumsnacht sei dabei ein besonderer Höhepunkt. „Aber auch wenn wir oft gefragt werden, sie mehrfach anzubieten: Die Museumsnacht gibt es nur einmal im Jahr“, sagt er. Sonst bestünde auch die Gefahr, dass sich das Konzept abnutze.

Für manche Besucher ist es die erste Begegnung mit dem Landesmuseum. „Ich verlaufe mich dauernd, da ich zum ersten Mal hier bin“, sagt etwa eine Frau. Das Thema der Ausstellung habe sie neugierig gemacht, nun möchte sie aber noch die Gemäldegalerie und die römische Sammlung besichtigen. Andere Besucher kommen regelmäßig, etwa der zehnjährige Max und seine Eltern. „Nachts durch die Ausstellungen zu gehen, ist schon was besonderes“, sagt seine Mutter. Die Fossilien haben es Max angetan, aber auch Tier-Dioramen.

„Mit der Museumsnacht möchten wir die Hemmschwelle zum Museumsbesuch abbauen“, sagt Fichtner. Für das kommende Jahr laufe die Planung bereits. „Wir überlegen, ob wir die Ausstellung über Modeschmuck der 20er und 30er Jahre dann zum Thema nehmen“, sagt er.

Die Ausstellung „Stages - Episoden des Lebens“ ist noch bis 27. Januar im Hessischen Landesmuseum, Friedensplatz 1, zu sehen, weitere Infos unter www.hlmd.de.

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