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Die Spitzengruppe mit Casper Phillip Pedersen (vorne).

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Streckenparty beim Radrennen Eschborn-Frankfurt

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Beim Radrennen am 1. Mai zwischen Eschborn und Frankfurt treffen sich auf der Mammolshainer Höhe die Radsportfans zu einer Streckenparty.

In den Pausen zwischen den vier Hetzjagden den Mammolshainer Berg hinauf ist der Teufel am Wegesrand ein gefragter Mann. Selfie mit Teufel, Gruppenfoto mit Teufel, Siggi Weber mit Teufel. „Heute ist mein Traumtag“, schwärmt die begeisterte Hobby-Radlerin aus Steinbach im roten Dress. Fast so wie das von „Dege“, dem Local Hero John Degenkolb aus Oberursel, den sie hier alle so gerne siegen sehen wollen. Das Foto mit „El Diablo“, den jeder Radfreak und Fan der Tour de France als höllischen Antreiber mit Dreizack auf den steilsten Stücken der Frankreich-Rundfahrt kennt, ist der Höhepunkt für Siggi Weber.

Zu Tausenden sind sie am einstigen „Tag der Arbeit“ in den Taunus ausgeschwärmt, unterwegs zu den Hotspots rund um den Kurort Königstein. Frauen und Männer, viele im hautengen Radler-Outfit, das oft von persönlichen Erfolgen und Heldentaten der Träger erzählt. Ein bisschen fahren sie das Rennen alle mit. Zum Ruppertshainer Berg, zur Billtalhöhe und eben zur „Mammolshainer Hölle“, wo auf dem letzten Teilstück im Ort bis zu 23 Prozent Steigung bewältigt werden müssen.

Ein guter Platz für den teuflischen Antreiber, hier hört man nicht nur das Sirren der Räder, sondern auch das Schnaufen der Akteure, die sich hautnah an den Zuschauern vorbei durch ein enges Spalier kämpfen müssen. Hier fliegen die Schweißtropfen der Helden des Asphalts auf den Straßenbelag, den am höchsten Punkte ein riesiger Eintracht-Adler ziert. Dass „Didi the Devil“ den Klassiker durch den Taunus beehrt, zeugt vom Stellenwert des Rennens, durch die TV-Übertragung in unzählige Länder wird der Ortsname Mammolshain um die Welt getragen.

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Wenn die Hubschrauber kreisen, erhöht sich sofort die Spannung am Straßenrand. Auch ein paar Höhenmeter weiter oben Richtung Königsteiner Kreisel, wo die Edelfans, die es nicht so gedrängt mögen, in einer sonnigen Kurve die „Kings of Mountains“, so ein Spruchband, mit viel Enthusiasmus feiern. Conny Martin hat „Dege“ gesichtet, „er ist gut in Position“, ruft sie ihrem Gefährten zu, im ersten Verfolgerfeld treibt sich der Mitfavorit nach dem zweiten Mammolshainer Anstieg herum und sieht noch richtig frisch aus.

Conny Martin (51) und Stefan Sanftleben (47) aus Hadamar sind je nach Blickwinkel oder Interpretation „begeisterte Radsportfans“ (Martin) oder „Radverrückte“ (Sanftleben). Im positiven Sinn natürlich. Lüttich-Bastogne-Lüttich am Sonntag haben sie sich wegen der Kälte und des miesen Wetters geschenkt, sonst sind sie fast überall dabei, wo sich die direkte und indirekte Radsportszene trifft. Natürlich ein Höhepunkt das Treffen mit John Degenkolb im Fahrerlager kurz nach dessen Etappensieg bei der Tour de France. Da konnten Stefan und Conny die leidige Dopingfrage mal ausgiebig und zur beiderseitigen Zufriedenheit mit dem Rennfahrer aus Oberursel besprechen.

Ordentlich Kilometer haben die beiden auch gestern gemacht. Vom Hotel in Glashütten runter zum Start nach Eschborn, dann die Abkürzung hinauf nach Mammolshain. Ob sie das Finale in Frankfurt noch mitnehmen, entscheiden sie spontan. Der „Highway to Hell“ führt für die Profis erst noch zweimal in die andere Richtung. Die Partystimmung am Berg der Leiden steigt mit dem nächsten Stück von der „Mamma Lauda“, das sich Pascal Ackermann vom DJ für die Durchfahrt gewünscht hat. Zur Motivation. Da weiß hier noch keiner, wer eine Stunde später als Erster über die Ziellinie fliegt.

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