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Radler nehmen Rücksicht

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Von: Agnes Schönberger

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Eine Fahrradfelge (Symbolfoto).
Eine Fahrradfelge (Symbolfoto). © Andrea Warnecke

Seit einem Jahr dürfen Radfahrer in der Fußgängerzone fahren. Die Bilanz des Pilotversuchs ist positiv.

Am 31. Mai 2016 startete der auf ein Jahr angelegte Pilotversuch, die Fußgängerzone in der Offenbacher Innenstadt für Radler freizugeben. Nach der wissenschaftlich begleiteten Testphase müssen nun Magistrat und Stadtverordnete über eine dauerhafte Regelung entscheiden. Bis dahin, so die Stadtverwaltung, dürfen Radler weiter durch die Fußgängerzone fahren. Stadtplanungsamtsleiter Markus Eichberger zog aus Sicht der Verkehrsplanung eine positive Bilanz des Versuchs. „Nach unserem Eindruck verlief die Freigabe unauffällig und ohne besondere Vorkommnisse“, sagte er. Es habe keinen nennenswerten Anstieg von Beschwerden über Radfahrer in der Fußgängerzone gegeben. Eichberger betonte allerdings, dass er von Eindrücken und nicht von objektiven Zahlen spreche.

Diese soll die Fachhochschule (FH) Erfurt liefern, die im Zuge eines bundesweiten Forschungsprojektes Kunden, Passanten, Radler und Geschäftsleute entlang der Fußgängerzone vor und während des Feldversuchs befragt hatte. Eine weitere Befragung steht im Juni an. Danach wird die FH einen Evaluationsbericht vorlegen, der den Kommunalpolitikern als Grundlage für ihre Entscheidung dienen soll. Wann diese fällt, ist offen.

Denn in Offenbach wird am 10. September ein neuer Oberbürgermeister gewählt, der Wahlkampf ist in vollem Gange. „Aufgrund der schon immer sehr kontroversen Diskussion zu diesem Thema“, so der Amtsleiter, sei es kaum einschätzbar, wie sich die Stadtverordneten entscheiden würden. Kritik an dem Projekt hatte in der Vergangenheit insbesondere die FDP geübt, die prophezeit hatte, die Neuregelung werde in der Geschäftszeit „Konflikte zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern“ provozieren.

In der Vergangenheit durften Radler nur in den Abend- und Nachtstunden durch die Fußgängerzone fahren. Nach Angaben Eichbergers gibt es zwar nach wie vor rücksichtslose Radler. Positiv merkt er jedoch an, das Legalisieren scheine einen Anstieg bei den rücksichtsvollen Radlern bewirkt zu haben. Er bedauerte, dass der Einzelhandel die Freigabe nach wie vor sehr skeptisch sehe und eine dauerhafte Freigabe ablehne. „Der Radfahrer als Kunde wird als vernachlässigbar angesehen.“

Nach seinen Worten sehen auch Ältere oder Menschen mit Behinderung die Radler in der Fußgängerzone kritisch. Es habe einen Unfall mit einem Kind gegeben, das von einem jugendlichen Radfahrer angefahren worden sei, der danach Fahrerflucht begangen habe. Nach Ansicht aller Beteiligten habe es sich bei diesem Fall allerdings um einen unbelehrbaren Radler gehandelt, „der sich durch keinerlei Beschilderung beeinflussen lasse“, so Eichberger.

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