Movebis

Wo Radfahrer wirklich unterwegs sind

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Die TU Dresden will per Stadtradeln-App die Wege ermitteln, die Radfahrer nehmen. Verkehrsplaner nutzen die anonymen Daten für ihre Arbeit.

Radfahrer fahren nicht ausschließlich auf Radwegen - was nicht nur daran liegt, dass es nicht überall Radwege gibt. Manche fahren verbotenerweise auf dem Bürgersteig, andere auf dem Radweg, aber in falscher Richtung. Einige missachten die rote Ampel, andere flitzen quer über die Kreuzung.

Eine Datenbasis, wie Radfahrer wirklich fahren, gibt es nicht. Zumindest bislang, denn nun startet die TU Dresden ein neues Forschungsprogramm. Es nennt sich „Movebis“. Vier Städte - Gießen, Dresden, Langenfeld, Kaiserslautern - beteiligen sich zunächst, weitere Kommunen können später dazukommen.

„Wir wollen die Daten für die Kommunen bereitstellen“, sagt Udo Becker, der Verkehrsökologie an der TU Dresden lehrt.

Dabei will die TU Dresden auf das Stadtradeln des Klimabündnisses zurückgreifen. Die Daten der Radler sollen in den vier Städten über die Stadtradeln-App erfasst werden. Dafür will die TU Dresden eine Technik in die App einbauen.

Beim Stadtradeln schreiben Radfahrer drei Wochen die gefahrenen Kilometer auf, tun durch die Bewegung etwas für ihre Gesundheit und durch Autoverzicht etwas für die Umwelt. Das Städte-Netzwerk Klima-Bündnis organisiert die Kampagne, die in 620 Kommunen läuft, jeweils drei Wochen lang, im Zeitraum zwischen Mai und September.

1140 Radler in Frankfurt

Knapp eine Viertelmillion Radler macht dabei weltweit mit. In Frankfurt waren es in diesem Jahr 1140 Radler.

Die Wege erfasst die App per GPS. Durch Movebis lasse sich „genau visualisieren, wo die Radfahrer entlangfahren“, sagt Sven Lißner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Verkehrsökologie. Die Daten zeigten, wo Radler schnell oder wo sie langsam seien, wo sich ein „Flaschenhals“ an Ampeln bilde, wo Radfahrer einen Radweg vermeiden würden. Die Kommunen könnten ihr Radnetz entsprechend umplanen.

Die App stellt aber auch die Erschütterungen fest - etwa auf Kopfsteinpflaster, das bei Radler sehr unbeliebt ist. Die Daten der Radfahrer sollen anonym veröffentlicht werden. Die „ersten und letzten Hundert Meter“ würden nicht verwendet, damit nicht zu erkennen sei, wo die Radfahrer wohnten, sagt Lißner.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesverkehrsministerium. „Idealerweise lässt sich die Pilotanwendung auf andere Gebiete übertragen und wird flächendeckend anwendbar“, sagt Stefan Kaufhold aus dem zuständigen Referat.

Im nächsten Jahr soll das Projekt in den vier genannten Städten Fahrt aufnehmen. Ab 2019 können weitere Kommunen mitmachen.

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