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Gerichtsgebäude in Hanau. (Symbolbild)

Justiz

Prozess um versuchten Totschlag in Hanau

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Einem früheren Kommunalpolitiker und Vereinsvorstand werden 23 Straftaten vorgeworfen, auch Missbrauchsversuche. 

Weil die Staatsanwaltschaft Hanau ihm insgesamt 23 Straftaten zur Last legt, muss sich ein 47-Jähriger, der bis Herbst 2018 CDU-Vize-Fraktionschef in Langenselbold war, ab kommendem Donnerstag vor dem Landgericht Hanau verantworten. Neben versuchtem Totschlag und Missbrauch wird ihm auch Besitz von Kinderpornografie und falsche Verdächtigung vorgeworfen.

Die Frankfurter Rundschau hatte vor zwei Wochen als Erste über den Fall berichtet, jetzt hat das Gericht den Prozess angekündigt und weitere Einzelheiten bekanntgegeben. Der Mann, der Vize-Vorsitzender des örtlichen Turnvereins und Kinderleichtathletikbeauftragter beim Verband war, soll die Taten laut Anklage zwischen Januar 2009 und Februar 2018 begangen haben: Im Januar 2018 habe er seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau nachts in Seligenstadt aufgelauert und „mit voller Wucht“ auf ihren Kopf und Oberkörper eingeschlagen, um sie zu töten. Wegen ihrer lauten Schreie soll er schließlich aufgehört haben und geflüchtet sein. Die Frau erlitt unter anderem „multiple Platzwunden“.

Bereits im März 2017 habe der Angeklagte auf einem Parkplatz in Dietzenbach am Fahrzeug der Frau zwei Radbolzen entfernt und drei weitere gelockert, um einen Verkehrsunfall zu provozieren. Doch sie habe die Manipulation bemerkt und nach 20 Minuten die Fahrt angehalten.

Vor etwa zehn Jahren soll der Verdächtige der zum damaligen Zeitpunkt zwölfjährigen Nachbarstochter ein Schreiben geschickt haben, in dem er sie zu sexuellen Handlungen aufforderte. Im Juni 2014 soll der Angeklagte dies auch bei seiner eigenen Tochter versucht haben: Demnach warf er bei seiner früheren Frau einen Brief ein, der 45 Seiten mit etwa 1400 pornographischen Bildern enthielt. Als im Januar 2018 seine Wohnung durchsucht wurde, fanden die Ermittler den Angaben zufolge rund 300 Bilddateien mit sexuellen Inhalten, die teilweise Kinder und Jugendliche zeigten.

Außerdem soll der 47-Jährige, der früher für die Landesbehörde Hessen Mobil tätig war, an seinem Arbeitsplatz 25 zuvor ausgesonderte Computer, Laptops und Notebooks entwendet haben.

Darüber hinaus ist die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der Angeschuldigte zwischen August und Dezember 2017 zahlreiche Strafanzeigen gegen unbekannt gestellt habe, die nicht der Wahrheit entsprachen. Damit habe er das Ziel verfolgt, sich gegenüber den Ermittlungsbehörden als Opfer von Straftaten darzustellen und zu verhindern, dass er als Verdächtiger bei den Taten in Frage komme.

In dem komplizierten Fall hat die erste große Strafkammer die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen und zunächst neun Termine angesetzt. N. sitzt bereits seit September 2018 in Untersuchungshaft. Auch nach Ansicht des Haftrichters besteht ein dringender Tatverdacht. Kurz nach seiner Verhaftung trat N. von seinen Ämtern zurück.

Sein Verteidiger hatte die gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe gegenüber der FR „aufs Entschiedenste“ zurückgewiesen und darauf hingewiesen, dass weiter die Unschuldsvermutung gelte. Der Rechtsanwalt sieht gravierende Versäumnisse bei den Ermittlungen, die einseitig geführt worden seien.

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