Landgericht Kassel

Steuerinspektor soll in Kassel jahrelang Steuererklärungen manipuliert haben

Ein Mitarbeiter des Kasseler Finanzamts muss sich vor Gericht verantworten: Er soll jahrelang fremde Steuererklärungen manipuliert oder sogar selbst erstellt haben.

Wegen Steuerhinterziehung in 171 Fällen steht seit Dienstag in Kassel ein Mitarbeiter des Finanzamtes vor dem Landgericht. Der 50-Jährige soll jahrelang fremde Steuererklärungen mit falschen Angaben abgezeichnet, manipuliert oder sogar selbst erstellt haben. So mussten die Steuerpflichtigen weniger Abgaben zahlen. Sie sollen den Angeklagten dafür bezahlt oder anderweitig entlohnt haben. Vorgeworfen wird ihm daher auch Bestechlichkeit, Untreue und Urkundenfälschung. Dem Fiskus entstand laut Staatsanwaltschaft ein Schaden von insgesamt 352 000 Euro. Der Angeklagte kündigte zum Prozessauftakt an, sich äußern zu wollen.

Zunächst wurde aber mehrere Stunden lang die Anklage verlesen. Demnach soll der Steuerinspektor zwischen 2005 und 2013 zahlreiche falsche Steuererklärungen bearbeitet haben. Seine Partner bei dem illegalen Treiben waren den Angaben zufolge unter anderem Polizeibeamte, Sportler, Lehrer, Ingenieure und Handwerker. Ihre Steuerersparnis reichte von ein paar Hundert bis ein paar Tausend Euro. Gegen die Betroffenen wurden laut Staatsanwaltschaft gesonderte Strafverfahren geführt. Die hinterzogenen Steuern wurden nachgezahlt. Eine anonyme Anzeige habe die Manipulationen aufliegen lassen.

Das Landgericht Kassel hat elf weitere Verhandlungstermine bis Mai angesetzt. 70 Zeugen werden noch vernommen. (dpa)

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