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Nach dem Flugunfall 2018 steht das Sportflugzeug auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Ein BFU-Mitarbeiter untersucht die Maschine.
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Nach dem Flugunfall 2018 steht das Sportflugzeug auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Ein BFU-Mitarbeiter untersucht die Maschine.

Justiz

Prozess gegen Piloten begonnen

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Das Landgericht Fulda untersucht den tragischen Unfall auf der Wasserkuppe in der Rhön, bei dem eine Mutter und ihre beiden Kinder starben.

Das war ein emotionaler Prozessauftakt am gestrigen Dienstag vor dem Landgericht Fulda. Der heute 58 Jahre alte Angeklagte aus Ludwigshafen beteuert mehrfach, wie sehr ihm das Geschehen im Oktober 2018 leidtue. „Es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht zutiefst bedauere, und ich wünsche mir nichts mehr, als diesen Flug ungeschehen zu machen.“ Dem schmächtigen Mann auf der Anklagebank kommen die Tränen während seiner Ausführungen, und das sind sicher keine Krokodilstränen. Seine Stimme stockt immer wieder.

Drei Menschen sind gestorben, eine damals 39 Jahre alte Mutter sowie deren Tochter (12) und Sohn (11). Eine Frau konnte sich nur durch einen beherzten Sprung zur Seite retten. Die Mutter und ihre Kinder aus einem kleinen Ort im östlichen Main-Kinzig-Kreis, nur gut 40 Kilometer von der Wasserkuppe entfernt, wurden von dem Flugzeug erfasst, das der Angeklagte steuerte, als er nach einem missglückten Landeversuch durch-starten wollte. Deshalb ist er nun, mehr als zwei Jahre nach dem Unfall am 14. Oktober 2018, angeklagt, den Tod der drei Menschen verursacht zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft Fulda soll er den Flug angetreten haben, „obgleich die zulässige Höchstabflugmasse der Maschine überschritten gewesen sei“. Beim Landeanflug habe er dann den als fliegerisch anspruchsvoll geltenden Anflug auf den hoch gelegenen „Sonderlandeplatz Wasserkuppe“ verkürzt, flugtechnische Fehler begangen, sei schließlich mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf die Landebahn aufgesetzt und dann „sorgfaltswidrig“ nicht sofort, sondern deutlich verspätet durchgestartet.

In der Folge sei die Maschine hinter der Landepiste mit dem Hauptfahrwerk auf den Boden geprallt, kam nicht zum Stillstand, sondern schoss über eine quer zur Piste verlaufende Straße hinaus und traf mit laufendem Propeller auf einem Gehweg die drei Opfer. Die Familie starb noch an der Unfallstelle. Vor Gericht muss er sich nun wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Luftverkehrs verantworten.

Klingt die Zusammenfassung des Geschehens schon kompliziert, so erst recht die ausführliche Version, in der es um getankten Kraftstoff, das Gewicht der vier Passagiere und ihres Gepäcks und weitere technische Fragen geht. Auch in einer von seinen beiden Verteidigern verlesenen Erklärung des Angeklagten spielen solche technischen Details eine große Rolle, und das wird während der noch bevorstehenden sieben Verhandlungstage mit mehr als 30 geladenen Zeugen auch so bleiben.

Denn die entscheidende Frage des Prozesses lautet: Wie viel Schuld am Geschehen trägt der Angeklagte, welchen Anteil machen andere Umstände aus. Der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) listet einige Umstände auf, die eine Rolle gespielt haben dürften. Der Pilot selbst darf mit fast 700 dokumentierten Flugstunden auf Motorflugzeugen wohl als erfahren gelten, auch auf der Wasserkuppe war er zuvor mehrfach gelandet. An der 1979 gebauten Cessna konnte die BFU zwar erhöhten Verschleiß an Motorenteilen feststellen, die aber ohne Einfluss auf die Triebwerksleistung gewesen seien. Das Wetter zum Unglückszeitpunkt war unproblematisch.

Möglicherweise eine Rolle gespielt hat hingegen, dass die Maschine beim Abflug in Mannheim um vermutlich 62 Kilo überladen gewesen war und zum Zeitpunkt des missglückten Durchstartens noch immer rund 30 Kilo zu viel gewogen haben dürfte. Diese laut Bericht „geringe Überladung“ dürfte das Durchstarten auf der ansteigenden Piste erschwert haben.

Dass der Pilot damit zu spät begonnen hat, wurde möglicherweise dadurch begünstigt, dass eine Markierung, die die Mitte der Landebahnlänge anzeigt, nur rechts und nicht auch links der Bahn aufgestellt und somit für den Piloten nicht zu sehen war. Schließlich, so der BFU-Bericht, hätten die Opfer das sich nähernde Flugzeug wohl auch deswegen nicht oder zu spät wahrnehmen können, weil die Straße zugeparkt gewesen sei, obwohl Parken dort nicht erlaubt ist.

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