Das Städel in Frankfurt.
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Das Städel in Frankfurt.

Kultur

„Provokation ertragen“

Kulturdezernentin, CDU und Grüne wollen das umstrittene Gemälde „Ziegelneger“ im Frankfurter Städel nicht abhängen.

Über das Gemälde „Ziegelneger“ im Frankfurter Städel-Museum, das als rassistisch kritisiert wird, entbrennt eine Debatte. Das Team des Städels hatte die Forderung zurückgewiesen, das Werk, das in der Sammlung Gegenwartskunst gezeigt wird, ins Depot zu verbannen. Dafür erfährt das Museum jetzt Rückendeckung von Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sowie von CDU und Grünen.

Hartwig sagte der FR, eine Entfernung des Bildes würde „die notwendige Diskussion über das Kunstwerk und sein Motiv erschweren“. Im Übrigen sollte „zwischen dem Werk und seiner Kontextualisierung unterschieden werden“. Die Kulturdezernentin forderte dazu auf, „die problematischen Aspekte des Werks, von der Motivik bis zum Titel“, zu thematisieren und einzuordnen. Die Stadträtin nannte es „wichtig, mit den diversen Bezugsgruppen in einen Dialog zu treten“.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, erklärte im Gespräch mit der FR ebenfalls: „Es ist gut und wichtig, dass diese Debatte geführt wird.“ In einem Museum müsse man aber „lernen, Provokation und auch die Verletzung von Gefühlen zu ertragen“.

Das Gemälde des heute 72-jährigen Künstlers Georg Herold aus dem Jahr 1981 zeigt einen Schwarzen, der aus einem weißen Mob heraus mit einem Ziegelstein beworfen wird. Dass eine solche Darstellung schwarze Menschen verletze, verstehe er gut, sagte Dürbeck. Bilder genauso wie Texte könnten „ein Eigenleben“ entwickeln. Ein Kunstmuseum sei aber ein Ort, in dem „die Grenzen von Erfahrungen und Toleranz“ stets aufs Neue ausgelotet werden müssten. Gerade dort werde der gesellschaftliche Alltag reflektiert. Die Probleme des Alltagsrassismus löse man aber nicht, indem man das Gemälde aus der Öffentlichkeit verbanne.

Aufruf zur Diskussion

Bastian Bergerhoff, der Sprecher des Kreisverbands der Grünen, sprach sich ebenfalls dagegen aus, das Bild jetzt einfach abzuhängen. Er rief zu einer breiten öffentlichen Diskussion über das Werk auf. In dieser Debatte müssten natürlich auch schwarze Menschen zu Wort kommen. „Ein solches Bild gehört in einen Zusammenhang gestellt.“ Rassismus lasse sich immer nur durch persönliche Begegnungen bekämpfen. Es stehe dem Städel gut an, eine solche Diskussion zu organisieren und dabei schwarze Menschen „ihre Geschichten erzählen“ zu lassen. Die Grünen im Römer hatten in ihrer Fraktionssitzung am Mittwochabend eine breite Diskussion über den gegenwärtigen Rassismus geführt, in der auch Betroffene zu Wort kamen. Die frühere „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl, die heute als Korrespondentin der Deutschen Welle in Washington arbeitet, berichtete den Stadtverordneten außerdem über die Situation in den USA.

Der Maler und Bildhauer Georg Herold, von dem „Ziegelneger“ stammt, wurde vor wenigen Jahren als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf emeritiert. Er lebt und arbeitet heute in Köln. Auf die Bitte der FR, für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen, hat er bisher nicht reagiert. Eine Städel-Sprecherin sagte, man denke derzeit über Formate und Möglichkeiten nach, das Thema öffentlich aufzuarbeiten. 

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