Geraubt, restituiert und vom Museum Wiesbaden erworben: Hans von Marées, Die Labung.

Provenienz

Hessen gibt NS-Raubkunst zurück

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Bei Recherchen wurde eine belastete Herkunft von 35 Werken in Landesmuseen aufgespürt.

Das Gemälde „Die Labung“, 1879/80 von Hans von Marées gemalt, gehörte einst dem Breslauer Kunstsammler Max Silberberg. Die Nazis zwangen den jüdischen Kaufmann dazu, sich von seiner Sammlung zu trennen, deportierten ihn und ermordeten ihn im Konzentrationslager Auschwitz.

In den vergangenen Jahren hat das Land Hessen einiges unternommen, um NS-Raubgut in seinen Museen an die Nachfahren der ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Vor fünf Jahren wurde „Die Labung“ restituiert und zugleich vom Museum Wiesbaden erworben.

Das Gemälde ist eines von acht Werken im Museum Wiesbaden, die ihren Eigentümern nachweislich von den Nationalsozialisten geraubt worden waren. Sie wurden nach Angaben der Landesregierung allesamt in den vergangenen zwölf Jahren ihren rechtmäßigen Eigentümern übertragen. Sechs der Werke wurden dann vom Museum erworben, zwei zurückgegeben.

„Belastete Provenienz“ bei 35 Kunstwerken

Bei mehr als 700 Werken der Landesmuseen in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel wurde in den vergangenen 20 Jahren die Herkunft überprüft. Das berichtet Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) jetzt auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Stefan Naas. Eine „belastete Provenienz“ sei bei 35 Kunstwerken ermittelt worden: 25 in Kassel, acht in Wiesbaden und zwei in Darmstadt. Einige Werke waren den Museen vom Bund zur Verfügung gestellt worden. Hier übernahm die Bundesrepublik die Rückgabe an die Erben.

Bei den beiden Werken aus Darmstadt und den acht Werken aus Wiesbaden ist die Restituierung nach Angaben der Ministerin erfolgt. In Kassel sei das bisher in acht Fällen gelungen. Bei anderen Werken sei die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Etwa jedes zweite Bild mit einer belasteten Geschichte steht den Museen weiter zur Verfügung, nachdem es den rechtmäßigen Erben abgekauft wurde. Das betrifft nicht nur „Die Labung“ in Wiesbaden, sondern etwa auch ein Gemälde von Franz von Lenbach („Frau Roubaud und Marion Lenbach“) in Darmstadt oder von Johann Julius August von Embde („Porträt der Familie von Ditfurth“) in der Neuen Galerie Kassel.

Hessen hatte unter Dorns Vorgänger Boris Rhein (CDU) 2015 die Zentrale Stelle für Provenienzforschung eingerichtet. Sie geht der Herkunft von Werken der drei großen Kunstsammlungen im Landesbesitz nach, steht aber auch Museen in kommunaler, kirchlicher oder privater Trägerschaft zur Seite.

Es sei der Hessischen Landesregierung ein zentrales Anliegen, die Geschichte des Raubguts weiter zu erforschen und „gerechte und faire Lösungen mit den früheren Besitzern oder deren Nachfahren zu befördern“, schreibt Dorn. Das sei das Land „den von den Nationalsozialisten verfolgten, ihres Eigentums und ihrer Rechte beraubten und vielfach ermordeten Menschen schuldig“.

FDP-Politiker Naas sieht das ähnlich. „Das Unrecht darf nicht ungeklärt bleiben und somit darf es unseres Erachtens nach keine NS-Raubkunst in Landesbesitz geben“, urteilt er. „Dies sind wir den Opfern und deren Erben schuldig.“

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