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Eine Trauerfeier gegen den Militärputsch in Myanmar an der Frankfurter Hauptwache. Foto: Michael Schick
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Eine Trauerfeier gegen den Militärputsch in Myanmar an der Frankfurter Hauptwache.

Demonstration

Protest in Frankfurt gegen Militärdiktatur in Myanmar

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Zu Beginn des buddhistischen Neujahrsfest ist vielen in Hessen lebenden Menschen aus Myanmar die Lust aufs Feiern vergangen - stattdessen protestieren sie mit Blumen und Bildern

Von den Dutzenden Aufnahmen in Schwarz-Weiß, die am Samstagnachmittag an der Hauptwache eilig auf den Betonboden geklebt wurden, blicken zahlreiche sehr junge Gesichter. Rund um die Fotos stehen Blumen in improvisierten Vasen aus abgeschnittenen Plastikflaschen und Grablichter. Etwa 150 Menschen sind gekommen, um der Opfer des Widerstands gegen den Militärputsch in Myanmar zu gedenken. Sie demonstrieren auch gegen die Militärjunta, die nach den Parlamentswahlen im Februar gewaltsam die Macht in dem südostasiatischen Land ergriffen hat und für viele Tote verantwortlich ist. Mehr als 700 Menschen sollen bei den Protesten im ehemaligen Birma getötet worden sein. Tausende waren inhaftiert worden.

Yadana Sein Kyauk ist mit ihrer Mutter aus Wiesbaden nach Frankfurt gekommen. Zu Beginn des buddhistischen Neujahrsfestes ist ihr nicht nach Feiern zumute. Das sonst über fünf Tage andauernde „Wasserfest“ falle wegen der prekären Lage ohnehin, wie im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie, aus.

„Das ist kein Neujahr mehr“, sagt die 24-jährige Informatikstudentin. Statt „vorwärts“ taumele das Land „zurück in die Diktatur“. Mit ihrer Schwester, die in der größten Stadt Yangon lebt, versuche die Mutter täglich zu telefonieren, berichtet Sein Kyauk. „Sie bereiten sich darauf vor, jeden Moment zu fliehen“, sagt die Wiesbadenerin. Die junge Frau ist dankbar für die Solidarität in Deutschland: „Ich finde es toll, dass es bundesweit Mahnwachen gibt.“

Neben Reden auf Burmesisch und Deutsch skandieren die Protestierenden an der Hauptwache: „We want Democracy“ und fordern die Freilassung der faktischen Regierungschefin Aung San Suu Kyi, die die Parlamentswahl im November klar gewonnen hatte. Sprecher Edgar Weyermann kritisiert in seiner Rede Russland und China als „Coup-Supporters“, die das Regime stützten, und die Menge stimmt ein, mit „Shame on you“. Weyermann berichtet, dass bei Protesten in Myanmar „unbewaffnete Demonstranten abgeschlachtet und oftmals durch Kopfschuss umgebracht“ worden seien.

Charlotte Rickert ist mit ihren Eltern zur Hauptwache gekommen. Mit ihnen hat die 17-Jährige mehrere Jahre in Myanmar gelebt, weil die Mutter für Brot für die Welt gearbeitet habe, erzählt die Frankfurterin. „Dort sind die nettesten Menschen, deswegen ist es besonders hart, dass es sie so trifft“, sagt Rickert und zeigt auf Demoteilnehmende, die kostenlos Pudding und Wasser verteilen. Auf Pappe hat die Schülerin ihre Forderung „Justice for Myanmar“ geschrieben und eine gelb-grün-rote Flagge des Landes sowie Deutschlands daneben gemalt. „Alle haben sehr viel Angst“, sagt Rickert, die noch Kontakt zu ehemaligen Mitschüler:innen hat. Weil die Internetverbindung am Abend häufig gekappt werde, sei es teilweise jedoch schwer, Bekannte vor Ort zu erreichen.

Sandar, die ihren Nachnamen für sich behalten möchte, sagt: „Ich bin in Myanmar geboren und meine halbe Familie lebt dort“. Sie und ihr Partner halten Töpfe und Kochlöffel in den Händen, Symbole des Widerstands in Myanmar, mit denen gegen das Militärregime getrommelt wird. „Man fühlt mit“, sagt die 45-Jährige, deren Schwester in München und deren Bruder in Berlin ebenso auf die Straße gingen. Das Paar hofft, dass der Protest in Deutschland „einen Effekt“ hat. „Vom Westen“ gebe es derzeit kaum Druck oder Sanktionen für China und Russland.

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