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Eine Initiative wendet sich gegen den Buchschlager Bahnhof als RTW-Endhaltestelle. Er sei dafür nicht geeignet.

Dreieich

Protest gegen RTW-Endhaltestelle

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Eine Dreieicher Initiative will, dass die Regionaltangente West nicht nur bis Buchschlag, sondern bis Langen führt. Sie halten die Nachbarstadt für viel geeigneter als Endstation.

Im Dreieicher Stadtteil Buchschlag formiert sich Widerstand gegen die Planung der Regionaltangente West (RTW). Mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger sind dagegen, dass die RTW-Züge am Bahnhof Buchschlag enden. Sie erwarten dort Parkplatzprobleme und glauben, dass ein Wäldchen einem Bahnsteig zum Opfer fallen wird. Die Nachbarstadt Langen, die sich aktuell um eine Verlängerung der RTW-Strecke bemüht, eigne sich viel besser als Endhaltepunkt. Die RTW-Planer würden sich aber weigern, das laufende Planfeststellungsverfahren entsprechend abzuändern, monieren die Bürger. Horst Amann, Geschäftsführer der RTW-Gesellschaft, widerspricht.

Vier Familien, die an der Eleonorenanlage direkt am Bahnhof Buchschlag wohnen, finden es unverständlich, dass die RTW-Gesellschaft die Stadt Langen nicht schon jetzt in die Planungen integriert, sondern „unbeeindruckt am Bauabschnitt Süd festhält“. Damit schaffe man Fakten, die die spätere Anbindung von Langen verteuerten – oder im schlimmsten Fall sogar unmöglich machten. Die Familien haben einen offenen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir formuliert. Darin fordern sie, Zuschüsse nur dann zu gewähren, wenn die Stadt Langen als südliches Ende der RTW-Strecke in das Planfeststellungsverfahren einbezogen wird. Mehr als 60 Buchschlager haben unterschrieben.

„Der RTW-Abschnitt Süd wird einfach weitergeplant, obwohl schon lange bekannt ist, dass Langen als Gesellschafter der RTW-Planungsgesellschaft dazukommen will“, sagt Dominik Zintl, eine der Initiatorinnen des „Widerstands“. Für die Planung zur Verlängerung der RTW-Strecke habe die Stadt Langen gerade 250 000 Euro im Haushalt bereitgestellt. Auch der Kreis Offenbach unterstütze deren Bewerbung.

RTW

Die Regionaltangente West (RTW) ist eine Schienenverbindung, die von Bad Homburg kommend durch Eschborn über den Frankfurter Flughafen bis nach Neu-Isenburg führt.

Die 47 Kilometer lange Strecke führt an Frankfurt vorbei; der Hauptbahnhof und der S-Bahn-Tunnel sollen dadurch entlastet werden.

Die Kosten von 1,1 Milliarden Euro teilen sich zwölf Gesellschafter, die Inbetriebnahme ist fürs Jahr 2026 geplant.

Im offenen Brief an die Minister führen die vier Familien Gründe an, warum Langen als Endhaltepunkt geeigneter als Buchschlag ist. Dort lägen große Neubau- und auch Gewerbegebiete unmittelbar an der Strecke, Institutionen wie die Deutsche Flugsicherung oder das Paul-Ehrlich-Institut seien dort ansässig. Die RTW ermögliche die Verbindung dieser Behörden und Unternehmen mit dem Flughafen Frankfurt. Die großen Gewerbegebiete Dreieichs dagegen lägen vier Kilometer vom Bahnhof entfernt und zudem näher an der nördlich gelegenen Stadt Neu-Isenburg, die mit vier Haltestellen an die RTW angebunden wird.

Darüber hinaus sei geplant, die Straßenbahnlinie von Frankfurt durch Neu-Isenburg hindurch ins Zentrum von Dreieich zu verlängern. Wegen des signifikanten Zeitvorteils und auch einer schnelleren Taktung wegen werde sie in Dreieich einen Großteil des geplanten Passagieraufkommens absaugen, prognostizieren die vier Familien. Damit sei die RTW lange nicht mehr so wirtschaftlich.

Wenn Buchschlag Endstation werde, sei am dortigen Bahnhof darüber hinaus ein Stumpfgleis samt neuem Außenbahnsteig geplant, erklärt Dominik Zintl. Dafür müsse das Wäldchen weichen, das die Anwohner von den Gleisen trennt. „Wenn Langen angeschlossen wird, fahren die RTW-Züge dagegen einfach auf den bestehenden Gleisen der S3 und S4 weiter“, so Zintl. Außerdem habe Buchschlag bereits jetzt mit vielen parkenden Pendlern zu tun. „Bei einem Endhalt werden hier noch mehr Leute parken und mit der RTW zum Flughafen fahren, um Parkgebühren zu sparen“, sagt Zintl.

„Langen hat Potenzial“, gibt RTW-Geschäftsführer Amann zu, „aber das muss man sorgsam prüfen.“ Da dort auch Züge der Deutschen Bahn fahren, sei zu untersuchen, ob RTW-Züge dort enden und wenden könnten. „Alle drei Grobstudien, die man mal gemacht hat, senden positive Signale“, sagt er. Der Kreis Offenbach habe bei der RTW-Gesellschaft eine vertiefende Untersuchung beauftragt, die aber noch ein bis zwei Jahre dauern werde. Erst auf dieser Grundlage könne man dann die Entscheidung zur Endhaltestelle treffen. „Ich könnte, selbst wenn ich wollte, jetzt nicht entscheiden“, sagt Amann und erklärt: „Wir müssen ja nicht mit dem Bauwerk in Dreieich-Buchschlag beginnen.“ 2021 könnte der Bau des Planfeststellungsabschnitts Süd wohl starten, und bevor Buchschlag in fünf bis sechs Jahren an der Reihe sei, sei erst einmal der Tunnel in Neu-Isenburg fertigzustellen. Das gebe genug Zeit für eine mögliche Umplanung in Buchschlag. Die RTW-Gesellschaft achte selbst darauf, dass sie „keinen Unsinn“ baue.

Im übrigen sei der Außenbahnsteig in Buchschlag im Buschwerk geplant, „dafür fällt kein Baum“, verspricht Amann. Laut Prognose generiere sich der Nutzen der RTW aus denen, die zu Fuß oder per Rad zur Bahn kommen und das Auto daheim stehen lassen. Somit entstehe in Buchschlag wohl kein Park-and-ride-Effekt. Und es dauere noch Jahrzehnte, bis die Straßenbahn durch Dreieich fahre, die ganz andere Einzugsgebiete habe. „Das ist keine Kannibalisierung.“

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