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Castorbehälter stehen im Brennelementezwischenlager des Atomkraftwerks Biblis in Südhessen.

Hessen

Protest gegen Atomtransport nach Biblis

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Umweltorganisation BUND Hessen legt Widerspruch gegen Genehmigung von Atommüll-Transport ein. Das Bündnis „Castor stoppen“ bereitet sich vor.

Wenige Tage nach der Genehmigung von Castor-Transporten ins südhessische Biblis formiert sich Protest dagegen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) legte Widerspruch gegen die Transportgenehmigung ein, die das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) am Freitag erteilt hatte. Das Bündnis „Castor stoppen“ kündigte Demonstrationen an, etwa eine Mahnwache am Bahnhof Biblis.

Der BUND räumte zwar ein, dass es „geboten“ sei, „den Atommüll, der in Deutschland entstanden ist, aus dem Ausland zurückzuholen“. Allerdings müsse dabei auf „größtmögliche Sicherheit“ geachtet werden, schrieben Guido Carl und Werner Neumann vom BUND Hessen an den BASE-Präsidenten Wolfram König. Die ist aus ihrer Sicht nicht gewährleistet.

So bemängelt die Umweltorganisation, dass es keine „belastbare Lösung“ gebe, wenn Castor-Behälter undicht seien sollten. Falls der „Primärdeckel“ versage, also der innere der beiden Abdichtungen, dürfte der Behälter nicht mehr transportiert werden, sondern müsste in einer speziellen Reparatureinheit, einer „heißen Zelle“, ausgetauscht werden, schildert Neumann. Die Genehmigung verlange aber keine solche „heiße Zelle“ am Zwischenlager Biblis, „so dass weder eine Reparatur undichter Behälter möglich wäre noch ein Abtransport zu einer Reparatureinheit“.

Transport

Ab dem 1. Märzkönnen Castor-Transporte nach Biblis rollen. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hat den Transport in der vergangenen Woche genehmigt.

Sechs Transportbehälter mit radioaktivem Abfall sollen von der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield an den hessischen Zwischenlager-Standort kommen. Sie werden per Schiff und Bahn befördert. 

Der Widerspruch des BUND Hessen werde derzeit geprüft, teilte das Bundesamt auf Anfrage der FR mit. Allerdings seien im Genehmigungsverfahren „sämtliche Sicherheitsfragen einschließlich des Schutzes gegen terroristische Maßnahmen“ betrachtet worden. „Das beinhaltet auch die Sicherheit der Behälter“, sagte BASE-Sprecherin Lisa Ahlers. Der Widerspruch des BUND habe keine aufschiebende Wirkung. Der Transport kann also trotzdem stattfinden.

Das Atomkraftwerk Biblis war 2011 vom Netz gegangen. Nach dem Atomunfall in Fukushima und dem Atomausstieg in Deutschland wurde es nicht mehr hochgefahren. Die Brennstäbe aus den beiden Blöcken A und B wurden in Castorbehälter verpackt, die auf dem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände lagern.

Als die deutschen Atomkraftwerke liefen, wurde der Atommüll zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield (Großbritannien) und La Hague (Frankreich) transportiert. Von dort kommen nun Abfälle zurück. „Die Rücknahme der deutschen Abfälle ist völkerrechtlich verbindlich vorgegeben“, betont das Bundesamt.

Das Bündnis „Castor stoppen“ lehnt „diese sinnlosen Atommüll-Verschiebungen“ ab. Da es kein Endlager-Konzept gibt, würden die Standort-Zwischenlager „zu unsicheren Langzeitlagern, weit über die genehmigten 40 Jahre hinaus“. Das Bündnis ruft dazu auf, zum Protest an die Strecke zu kommen, wenn der Atommüll transportiert wird.

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