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Gegnerinnen und Gegner des A49-Ausbaus haben am Donnerstag vor dem VW-Werk in Baunatal bei Kassel demonstriert.

Hessen

Protest gegen A 49-Ausbau: Heftiger Streit nach Abseilaktion

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die CDU wirft den A 49-Gegnerinnen und -Gegnern vor, bei ihrem Protest „bewusst Opfer in Kauf genommen“ zu haben. Aktivisten-Szene spricht hingegen von „Heuchelei“.

Ein Autobahnunfall an einem Stauende, bei dem am Dienstag ein Mensch verletzt worden war, zieht weiter heftige Schuldzuweisungen und politische Debatten nach sich. Ursache für den Stau zwischen Idstein und Bad Camberg war eine Polizeisperrung, die nötig geworden war, weil sich Umweltaktivistinnen und -aktivisten von einer Autobahnbrücke abseilten. Sie protestierten gegen den Ausbau der Autobahn 49 und die dafür notwendige Rodung von Wald.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU im Hessischen Landtag, Holger Bellino, sagte am Donnerstag, ihn mache der Unfall „sehr zornig“. Nach seiner Auffassung nehmen die Aktivist:innen „bewusst unschuldige Opfer in Kauf“. Damit sei „durch die Waldbesetzer eine rote Linie überschritten worden“. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes würden Straftaten begangen.

Bellino sprach nicht nur die Abseilaktion von der Autobahnbrücke an, sondern auch Drähte, die auf Kopfhöhe gespannt würden, um Polizeireiterinnen und -reitern „nach dem Leben zu trachten“. Eine Waldbesetzerin, die unter dem Namen Charlie Linde auftritt, hatte im FR-Interview erklärt, die Seile seien keine Falle, sondern „mit rotem Flatterband abgeklebt“, um sie sichtbar zu machen.

Nach Angaben der Polizei waren nach der Aktion an der Autobahnbrücke sieben Menschen festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittele.

„Mörderisches System Auto“

Die Aktivistenszene reagierte nach eigenen Angaben mit einer Strafanzeige, die sich gegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und seinen hessischen Kollegen Tarek Al-Wazir (Grüne) richtet. „Die bauen mit der A49 eine weitere Straße, obwohl sie wissen, dass es dort zu Unfällen und Verletzten kommen wird“, hieß es in einer Mitteilung aus der Projektwerkstatt in Reiskirchen. Der Zusammenhang sei „viel direkter als der zwischen einer Protestaktion gegen den mörderischen Autoverkehr und einem Unfall in einem Stau, der von der Polizei herbeigeführt wurde, um die Kritik am mörderischen System Auto zu beenden“.

Wer keine Verletzten und Toten im Straßenverkehr mehr wolle, solle „mit uns für eine Verkehrswende, für autofreie Städte und Gemeinden, für mehr und besseren ÖPNV, Fahrradstraßen und Barrierefreiheit kämpfen“, appellierten die Aktivistinnen und Aktivisten. Kritik bezeichneten sie als „mörderische Heuchelei“, da ein Unfall missbraucht werde, „um über 7000 Unfälle pro Tag zu verschleiern“. Am Donnerstagmorgen demonstrierten rund 20 Gegnerinnen und Gegner des A49-Ausbaus am Volkswagen-Werk in Baunatal bei Kassel. Das wurde von der Polizei bestätigt. Die Blockadeaktion sei freiwillig beendet worden, berichtete eine Polizeisprecherin. Inwieweit VW-Beschäftigte von der Aktion betroffen waren, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Das Werk in Baunatal ist laut Volkswagen das zweitgrößte Werk des Konzerns in Deutschland.

Die A49 soll Gießen und Kassel miteinander verbinden. Die Autobahn ist zu großen Teilen fertig, doch für das verbleibende Teilstück sollen mehrere Hektar Wald fallen, vor allem im Herrenwald bei Stadtallendorf sowie im Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm). Anfang Oktober hatten die Rodungsarbeiten begonnen. mit dpa

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