1. Startseite
  2. Rhein-Main

Professor für Sternenstaub

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Frank Brenker untersucht im Auftrag der Goethe-Universität Frankfurt Sternenstaub.
Frank Brenker untersucht im Auftrag der Goethe-Universität Frankfurt Sternenstaub. © FR/Kraus

Frank Brenker ist Professor für Astromineralogie an der Goethe-Universität Frankfurt und untersucht für die Nasa winzige Kometenkörner. Von Astrid Ludwig

Von Astrid Ludwig

Das Universum kam per Post. Per Frachtflieger aus Houston/Texas, "eingepackt wie ein Weihnachtspaket". Und wie an Weihnachten hat sich Frank Brenker, Professor für Astromineralogie an der Goethe-Universität, an diesem Tag gefühlt. Entblättert hat er die Kiste wie eine Matroschka, diese bunte Holzfigur, die immer kleiner werdende Püppchen in ihrem Innern verbirgt. Der wertvolle Paketinhalt war winzig, kleiner als ein Stecknadelkopf. Ein fast mit der Lupe zu suchendes durchsichtiges Fitzelchen, dessen Partikel 4,6 Milliarden Jahre durch die Zeit gereist sind und Wissenschaftler weltweit in Aufregung versetzt haben. Der Laie ist enttäuscht: Sternenstaub stellt man sich irgendwie spektakulärer vor.

"Da sind mindestens 100.000 Partikel drin", sagt Brenker. Staub, den die "Stardust"-Sonde der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa 2006 von ihrer Reise zum Kometen Wild 2 zur Erde brachte. Winzige Körnchen aus dem Schweif des Himmelskörpers, die mit Hilfe eines Aerogels eingefangen wurden.

Seit 2006 befassen sich Forscher weltweit mit dieser Handvoll Kometenstaub, die die Geheimnisse über den Ursprung des Lebens enthüllen soll. Wie kam es, dass ein solches Gel-Fitzelchen auch in Frankfurt im Institut für Geowissenschaften landete? "Ich habe einfach eine E-Mail an die Nasa geschickt und unser Messverfahren beschrieben", sagt Brenker. Das war weitaus präziser als das der Amerikaner. Der Professor hat bereits Meteoriten erforscht und auch winzige Einschlüsse in Diamanten auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht.

Kometenstaub ist zur Hälfte organisch

Entwickelt hat er dafür ein Verfahren mit einer Genauigkeit bis zu 10.000tel Millimeter. "Auf ein menschliches Haar könnten wir tausend Messpunkte setzen und das dreidimensional", veranschaulicht Brenker die Größenordnung. In Grenoble, im Europäischen Forschungszentrum für Synchrotronstrahlung, werden die Partikel dann bestrahlt und "wir können mit unglaublicher Präzision sehen, was drin ist", sagt der 43-Jährige.

Beim Kometenstaub fand Brenkers Team heraus, dass die chemische Zusammensetzung fast identisch ist mit der Sonne. Seit einem Jahr untersuchen sie für die Nasa auch den interstellaren Staub, den die Stardust-Mission einfing - Teile des Partikelstroms, der sich von weit her durch unser Sonnensystem wälzt. Die Körner sind auf den Proben so schwer zu finden wie "hundert spezielle Grashalme in einem Fußballstadion". Brenker hat analysiert, dass "die Hälfte organisch ist, das heißt, es sind Grundbausteine für Leben". Um diese Frage dreht sich ohnehin alles: Wie entstehen bewohnbare Planeten?

Brenker befasst sich schon mit dem nächsten Projekt: Die Esa hat ihn als Experten zu ihrer Marco-Polo-Mission hinzugezogen. Die Europäische Weltraumagentur will einen Asteroiden anfliegen. Die Sonde soll auch Proben zur Erde zurückbringen.

Auch interessant

Kommentare