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Prominent gelegen gegenüber von Capitol und Synagoge: Das denkmalgeschützte Haus der Preisträger an der Ecke zur Kaiserstraße.

Offenbach

Privatleute bringen Villa in Schuss

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Das Ehepaar Luh erhält für die detailverliebte Sanierung eines Altbaus den Denkmalschutzpreis der Stadt Offenbach. Das Gebäude gehörte vorher der Baugesellschaft GBO.

Die alte Bausubstanz der Stadt Offenbach leidet: Zwar haben zumindest außerhalb der Alt- und Innenstadt recht viele alte Gebäude die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs und die Bauwut der 60er- und 70er-Jahre überstanden – doch vergeht derzeit kaum ein Monat, in dem nicht irgendein altes Fabrikgebäude oder ein nicht-denkmalgeschützter Altbau der Abrissbirne zum Opfer fällt. So geschehen etwa jüngst auf dem Gelände der ehemaligen Seifenfabrik Kappus im Westend, wo nun 310 neue Wohnungen entstehen. Da ist es durchaus eine Meldung wert, wenn Privatleute viel Zeit und Geld in die Hand nehmen, um einen Altbau mit Liebe zum Detail zu sanieren – so geschehen bei der neoklassizistischen Villa an der Ecke von Kaiser- und Goethestraße im Nordend, direkt gegenüber der Konzerthalle Capitol und der Synagoge.

Für ihre Arbeit an und in dem 1865 vom Bauunternehmer Casimir Hasenbach errichteten Haus haben die beiden Offenbacher Jacqueline und Peter Luh am Freitag den Denkmalschutzpreis der Stadtverordnetenversammlung erhalten. Ein wichtiges Kriterium des Denkmalbeirats bei seiner Entscheidung für die Preisvergabe zugunsten von Luhs Liegenschaft in der Kaiserstraße war laut Stadt das „weit über das übliche Maß hinausgehende private Engagement“.

„Weil wir das Gebäude so toll finden“, lautet Peter Luhs Antwort auf die Frage, warum er und seine Frau sich nach dem Kauf des Hauses 2015 nicht mit einer Standardsanierung zufrieden gegeben haben. Der Bau sei damals in einem „bedauernswerten Zustand“ gewesen, erzählt Luh, der offensichtlich ein Faible für Architektur und Handwerk hat. Darum hat er sich mit seiner Frau auch selbst an die Arbeit gemacht – und beispielsweise unter dem Teppichboden in den Wohnungen altes Parkett freigelegt. Von außen fallen vor allem die Fenster auf, die die Luhs denkmalgerecht in Anlehnung an die aus der Bauzeit bekannten Abbildungen ersetzt haben – ein eher seltener Anblick in der Stadt. Fachfirmen haben unter anderem die Elektrik und die sanitären Anlagen erneuert.

Trotz seiner guten Lage an der Kaiserstraße genau zwischen Stadtzentrum und Hafengebiet stand die Villa eine Zeit lang leer, bevor Jacqueline und Peter Luh den Bau als Sanierungsobjekt von der städtischen Baugesellschaft GBO kauften – die hatte in Absicht des späteren Verkaufs nach dem Auszug der Mieter keine neuen Mieter mehr ins Haus gelassen und die Villa leer an die Luhs übergeben.

GBO-Sprecherin Sigrid Aldehoff erklärt, warum die Gesellschaft den Altbau nicht im Bestand gehalten hat: Da die GBO keine eigenen Handwerkerinnen und Handwerker beschäftige und ausschließlich mit Fremdfirmen arbeite, hätte man nach der Sanierung „einen Mietpreis aufrufen müssen, der nicht in das Portfolio einer gemeinnützigen Baugesellschaft gepasst hätte“, so Aldehoff. Deshalb wurde der kubische Bau mit seinen drei Wohnungen und dem 1890 errichteten Anbau samt Freisitz zu einem nicht näher benannten Preis verkauft.

Anders gelagert ist die Sache im Fall der Kappus-Höfe, die bis 2021 auf besagtem Seifenfabrik-Areal zwischen Luisen- und Ludwigstraße entstehen: Hier hat die GBO nicht nur einen Neubau mit 32 geförderten Wohnungen vom Projektentwickler gekauft, sondern auch den einzigen nicht abgerissenen Altbau auf dem Areal: ein denkmalgeschütztes Wohnhaus im spätklassizistischen Stil aus dem Jahr 1881 mit fünf ehemaligen Werkswohnungen der Seifenfirma. Man wolle die Wohnungen in den Bestand aufnehmen und dort auch nur die notwendigsten Arbeiten durchführen, heißt es bei der GBO: „Für die Mieter ändert sich nichts.“

Die Baugesellschaft steht wegen der rapide steigenden Mieten in Offenbach stärker im öffentlichen Fokus als bisher. Die GBO verfolgt das von der Lokalpolitik ausgegebene – sehr zurückhaltende – Ziel, pro Jahr in Offenbach 30 neue Wohnungen zu bauen oder anzukaufen.

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