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Preissteigerung setzt Opel-Zoo zu

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Das Giraffenhaus im Kronberger Opel-Zoo wird im Winter auf 18 Grad geheizt. Boris Schöppner
Das Giraffenhaus im Kronberger Opel-Zoo wird im Winter auf 18 Grad geheizt. Boris Schöppner © Boris Schöppner

Energiekosten werden sich verdoppeln / Wenig Einsparpotenzial

KRONBERG - Kalt lässt die Steigerung der Energiekosten Zoodirektor Dr. Thomas Kauffels nicht. Allerdings sieht er im Opel-Zoo nur geringe Möglichkeiten, Energie zu sparen. „Wenn ich Energie sparen kann, heißt das ja, dass ich sie vorher verschwendet habe.“ Und das sei im Opel-Zoo nicht der Fall gewesen.

Anders als der Zoo Frankfurt hat der Tiergarten in Kronberg einen großen Vorteil: Es gibt nur zwei Tierhäuser: das für die Elefanten und das für die Giraffen. Dort wird innen auf 18 Grad geheizt. Die Eingangstüren für die Besucher fallen jetzt schneller zu, damit dort keine Wärme entweicht. Für das kommende Jahr rechnet Kauffels mit einer annähernden Verdoppelung der Energiekosten. Die aktuellen und günstigeren Verträge laufen zum Ende 2022 aus. Bisher fielen für Gas, Strom, Öl, Wasser und Abwasser 450 000 Euro pro Jahr an. Künftig dürften es zwischen 800 000 und 900 000 Euro sein.

Biogasanlage wäre nicht rentabel

Aber wäre nicht der Einsatz einer Biogasanlage im Zoo eine Option? Mist produzieren die Tiere doch täglich. Man habe den Bau einer Biogasanlage geprüft, die Idee dann aber verworfen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb reichten die organischen Abfälle der Zoos schlicht nicht aus. „Das geht alles nach Wicker“, erklärt der Zoodirektor. Auch das Herstellen von Pellets wäre kein sinnvoller Einsatz. Zum Trocknen des Materials müsste mehr Energie eingesetzt werden, als später beim Verbrennen wieder freigesetzt wird.

Seit 2006 hat der Zoo große Bereiche von Öl auf Gas umgestellt. Man habe an die Gasleitung angedockt, Verwaltung, Haupteingang, Lodge und Giraffenhaus angeschlossen. Mittlerweile führt die Gasleitung bis zur geplanten Nashornanlage. Der Erdölverbrauch konnte laut Nachhaltigkeitsbericht des Opel-Zoos von etwa 60 000 Liter auf weniger als 10 Liter pro Tag gesenkt werden.

Die Einrichtungen werden durch eine Zentralheizung versorgt, die mit Holzpellets betrieben wird und in der auch Holzscheite verfeuert werden können. Nachwachsende Brennstoffe also, wie der Nachhaltigkeitsbericht betont. Demnach werden dort im Schnitt jährlich 8,7 Tonnen Holzpellets verbraucht. Neben der Zooschule werden auch das Aquarium, die Toiletten und die Werkstatt geheizt. Eingebaut wurde die Heizung 2005 beim Neubau der Toiletten. Bei der Stromerzeugung kommen auf dem Zoogelände auch Photovoltaik-Anlagen zum Einsatz. Doch die Leistung macht laut Kauffels weniger als 1 Prozent des gesamten Strombedarfs aus. Die Anlage auf dem Gebäudekomplex am Haupteingang wurde 2006 errichtet. Beim Bau der Madagaskar-Voliere sind auf das begrünte Dach Photovoltaik-Panels montiert worden. Viel mehr geeignete Flächen habe der Opel-Zoo kaum, so das Resultat einer aktuellen Untersuchung eines Energieberaters. Der Grund: Weite Teile des Geländes sind bewaldet und liegen im Schatten. Mögliche Standorte seien lediglich auf dem Zebrastall und dem Verwaltungsparkplatz zu finden.

Der Plan, Besuchern E-Ladestationen für ihre Autos anzubieten, ist nach Auskunft des Zoodirektors um ein Jahr verschoben worden. Der Grund dafür: Für das Einrichten der Stationen seien Tiefbauarbeiten (Kabel) und der Bau eines Trafo erforderlich.

Außerdem stellen die Steuerung und Überwachung der Nutzung für den Zoo größere Herausforderungen dar. „In der Theorie hört sich das immer gut an, doch im Detail wird es schwierig“, so Kauffels. Im Endeffekt gelte es, zwischen den Kosten für E-Ladestationen und dem Nutzen, der für den Zoo vor allem im Marketing liege, abzuwägen. Hinzu kommt: „Wir haben keine Nachfrage für Elektroladestationen“, so der Zoochef weiter.

Auch andere Faktoren belasten die Bilanz des Opel-Zoos. So wurden im vergangenen Jahren drei Mal die Löhne erhöht, weil der Mindestlohn stieg, und Kauffels den Abstand an seine Mitarbeiter weitergab. Insgesamt seien die Lohnkosten im Jahr 2022 um 250 000 Euro gestiegen.

Ferner wird das Baumaterial für die hauseigene Handwerkertruppe teurer, und die Lieferanten in allen Bereichen hätten ihre Preise um 10, 15 und manchmal auch um 20 Prozent gesteigert. Die Anhebung des Eintrittpreises in diesem August von 15,50 auf 17 Euro für die Eintrittskarte für Erwachsene und von 8,50 auf 9,50 Euro für Kinder reiche nicht, um die Kostensteigerungen auszugleichen. Gut möglich also, dass in Zukunft bei den Eintrittspreisen noch einmal nachgesteuert wird.

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