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Was sollen Jugendliche fürs Leben lernen? Im Fach Politik und Wirtschaft gibt es Antworten.

Schulpolitik

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Das Schulfach Politik und Wirtschaft kann nicht mehr abgewählt werden – der Streit über die Inhalte aber geht weiter.

Über das, was im Fach Politik und Wirtschaft gelernt werden soll, wird so lange gestritten, wie es das Fach gibt. Die einen sehen den Schwerpunkt im Bereich Politik, die anderen fordern mehr Anteile für die Vermittlung von Wirtschaftswissen.

Nun haben die Koalitionäre von CDU und Grünen vereinbart, das Fach aufzuwerten. Es soll – ebenso wie Geschichte – nicht mehr abgewählt werden können. Dieser Entschluss trifft auf breite Zustimmung. Den Streit um die Inhalte aber könnte das sogar verschärfen, schließlich heißt es im Koalitionsvertrag, Ziel sei es, „einen durchgängigen Politikunterricht auf allen weiterführenden Schulen“ sicherzustellen. Von Wirtschaft ist dort nicht die Rede.

Kritik übt vor allem die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Grundlegende Kenntnis des politischen Systems sei elementar wichtig, heißt es dort. Ebenso relevant aber sei, eine Vorstellung des Wirtschaftssystems zu vermitteln. Schülerinnen und Schüler sollten die sozialen Marktwirtschaft verstehen lernen, von alternativen Systemen gehört haben und Marktmechanismen erkennen können.

Zudem seien praktische Aspekte für die eigene Lebensgestaltung wichtig – etwa zu wissen, wozu man ein Girokonto braucht, wie Rentensystem und die Krankenversicherung funktionieren und weshalb Steuern wichtig sind. Die ökonomische Kompetenz von Lehrkräften müsse daher schon in der Ausbildung gestärkt werden.

Maike Wiedwald, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, sagt, Schülerinnen und Schüler müssten Demokratie als Lebensform erfahren können. Es sei gut, dass Politik und Wirtschaft in der Oberstufe nicht länger abgewählt werden könne. Die Rahmenbedingungen allerdings seien alles andere als ideal, etwa wegen eines zu geringen Gewichts von Politik und Wirtschaft beziehungsweise Gesellschaftslehre in der Stundentafel. Zudem werde ein großer Anteil des Unterrichts fachfremd erteilt.

Der Hessische Handwerkstag befürchtet, der Schwerpunkt könne auch künftig zu sehr auf „Politik“ liegen. Mit der Stärkung des Fachs müsse einhergehen, dass in vergleichbarem Umfang volks- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt würden, sagte dessen Sprecher, Dirk Kornau. Dazu zählten das Kennenlernen unterschiedlicher Wirtschaftssysteme sowie Grundlagen zu Organisation, Personalwesen, Finanzwirtschaft, Warenströmen und Marketing. Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), sieht vor allem ein Zeitproblem. Dass die Unterrichtsstunden nicht nur für theoretische Inhalte, sondern auch für den Besuch des Landtags oder einer europäischen Institution genutzt werden sollten, sei zwar gut. Allerdings verbleibe schon heute oft zu wenig Zeit für Bildung.

Der Hessische Philologenverband sieht die Gefahr, dass das Fach „überfrachtet“ werden könne. So gehöre heute auch der kritische Umgang mit neuen Medien und möglichen Gefahren des Internets zu den Unterrichtsinhalten. Im Vordergrund stehen müsse aber die politische Bildung. Wesentliche Aspekte seien, die Jugendlichen zur Partizipation beispielsweise durch Wahlen oder in Vereinen zu motivieren. Der Verband begrüßt auch die Absicht, europäische Institutionen im Rahmen des Unterrichts zu besuchen und damit kennenzulernen. Dafür müssten allerdings zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zudem sei es mit zwei Stunden pro Woche Unterricht nicht immer möglich, die Veränderungen in der Gesellschaft sowie den digitalen Fortschritt angemessen zu behandeln.

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