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Khaled Ezzedine und eines seiner schmucken Schätzchen ? ein Mercedes Benz 190SL, Baujahr 1959.

Wiesbaden

Mercedes-Museum öffnet im Juni

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Der Geschäftsmann Khaled Ezzedine eröffnet im Juni in Wiesbaden ein Mercedes-Museum. Ezzedine hat eine Leidenschaft für alte Mercedes, vor allem, wenn es Cabriolets sind.

Zugegeben, ein Mercedes-Museum wird Otto Normal nicht unbedingt im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel vermuten. Und doch soll dort, an der Ludwig-Wolker-Straße / Ecke Boelckestraße, am 23. Juni ein Stern aufgehen: „Startimer“ wird das Museum heißen, das für jedermann öffentlich zugänglich sein wird.

Verantwortlich für das Projekt zeichnet Geschäftsmann Khaled Ezzedine. Weshalb der Wiesbadener so begeistert von alten Mercedes und insbesondere von Cabriolets ist, weiß er nicht. Seine Leidenschaft für die Fahrzeuge aus der Stuttgarter Schmiede begann, als Ezzedine noch ein Kind war. „Vermutlich lag es an der schönen Form der Karosserie.“

Die Begeisterung schwingt in Ezzedines Stimme mit, wenn er von seinem Projekt erzählt. Auf 2000 Quadratmetern will der 46-Jährige das Museum errichten. In dem Gebäude sollen seine 59 Sammelstücke ausgestellt werden. Zusätzlich bietet es Platz für weitere 20 Fahrzeuge, „wenn jemand sein Auto gerne zeigen möchte“. Darüber hinaus wird in den Räumen auch das „Café Silberpfeil“ untergebracht sein.

Zwar war der Wiesbadener bereits als Jugendlicher mit dem Mercedes-Virus infiziert – seinen ersten Benz kaufte Ezzedine mit 21 Jahren. Doch erst vor etwa fünf Jahren, als der ausgebildete Pilot nach langen Jahren in den USA und anderen Ländern nach Deutschland zurückkehrte, fing er an, Sammlerstücke zu erwerben. In Mainz ist er Geschäftsführer der Firma Objektentwicklungsgesellschaft OEG, die auch die alten Gefährte restauriert. Darüber hinaus vermietet er Immobilien und ist Inhaber des Restaurants Pappelhaus. Und eben Mercedes-Sammler.

Vor allem in den USA wird Ezzedine fündig und ersteigert die Boliden, öfter auch mal übers Internet. Manchmal führt ihn aber auch ein Zufall zu einer neuen Errungenschaft. So war er eines Tages eigentlich auf der Suche nach einem Porsche Traktor, den er vor einem Haus entdeckte. Er sei mit dem Besitzer ins Gespräch bekommen und habe ihn gefragt, ob er denn noch andere Automobile besitze. „Er hat mir einen 380SL aus der Baureihe W107 gezeigt“, sagt Ezzedine. Ein Cabrio, was der Mann jedoch nicht gewusst habe. „Ich habe ihm erklärt, dass sich das Dach öffnen lässt.“ Der Mann sei völlig perplex gewesen.

So kurios die Geschichten sind, die Ezzedine beim Kauf der Klassiker erlebt, so wertvoll sind auch seine Schätzchen. Eines der wertvollsten ist ein 600er Pullman, eine Limousine, die gerne von Staatsmännern wie Bundeskanzler Konrad Adenauer gefahren wurde. „Ich habe eine aus dem Jahr 1970, die mit acht Metern der längste Pullman weltweit aus dieser Zeit ist.“ Auch einen Mercedes 190SL aus dem Jahr 1963 nennt Ezzedine sein eigen. Mit einem Wagen dieses Modells ging die Frankfurter Edel-Prostituierte Rosemarie Nitribitt auf Kundenfang – weshalb die Produktion des Fahrzeugs schließlich gestoppt wurde.

Weder die Nitribitt noch ein Kanzler oder Präsident haben in Ezzedines Wagen gesessen. Doch so manches seiner Schmuckstücke habe prominente Vorbesitzer gehabt, verrät er. Mehr jedoch nicht.

Und auch die Summe, die Autos und Museum verschlingen, will er nicht preisgeben. Aber allein für den 600er Pullman könnte man sich ein Einfamilienhaus leisten. Die Autos hat Ezzedine in Garagen in Mainz und Wiesbaden untergebracht. Jetzt sei es an der Zeit, sie an einem zentralen Ort aufzubewahren und auszustellen, sagt er.

Derzeit fährt ein Angestellter in regelmäßigen Abständen die diversen Standorte ab, schaut nach den Boliden und startet sie. Lange Standzeiten sind Gift für die Oldtimertechnik.

Ezzedine will mit seiner Begeisterung für die Autos mit dem Stern auch andere anstecken, deswegen soll das Museum öffentlich zugänglich sein – kostenfrei. „Ich möchte den Leuten denkmalgeschützte Objekte auf vier Rädern nahebringen. Es wäre schön, wenn viele Leute kämen.“
 

Infos unter www.startimer.de

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