+
Hilmar Grözinger, ehemals Polizist im Auslandseinsatz, verklagt das Land Hessen.

Mobbing-Klage

Polizist aus Hessen fühlt sich „diskriminiert, belogen, vorgeführt“

  • schließen

Der pensionierte Polizist Hilmar Grözinger klagt gegen das Land Hessen. Er fühlt sich gemobbt und blickt auf eine mehrjährige Leidensgeschichte zurück.

Es gibt nicht viele hessische Polizisten, die so viel Auslandserfahrung mitbringen wie Hilmar Grözinger. Er war der erste hessische Polizeibeamte, der nach Kabul kam, um beim Aufbau der afghanischen Polizei zu helfen. Dann stellte er von 2003 an gemeinsam mit fünf Kollegen aus ganz Europa das „EU Situation Centre“ in Brüssel mit auf, ein Lagezentrum, das als „Vorwarnsystem“ der Europäischen Union dient.

Elf Jahre verbrachte Grözinger in Brüssel, zunächst für drei Jahre als Beschäftigter des Landes, danach acht Jahre lang als Bediensteter der EU, der dafür in Hessen Sonderurlaub nahm. Doch was dann geschah, sieht Grözinger als Mobbing an.

„18 Monate lang wurde ich ungerechtfertigt im Krankenstand gehalten“, urteilt er. „Man hat versucht, mich über die MPU rauszukicken.“ MPU ist die Abkürzung für die medizinisch-psychologische Untersuchung. Der Polizist fühlt sich an die hessischen Steuerfahnder erinnert, die mit falschen medizinischen Gutachten aus dem Dienst entfernt worden waren.

Die Probleme begannen, als Grözinger 2014 nach Hessen zurückkam. Er sei im Polizeipräsidium Westhessen „in diskriminierender Art und Weise behandelt, belogen und vorgeführt“ worden, sagt der Polizist – „mit dem Ziel, mich in die Frühpensionierung abzuschieben“. Grözinger war nämlich psychisch geschafft nach den Jahren im Dauereinsatz. „16, 17 Jahre lang war ich über dem Limit gelaufen“, sagt er heute.

Ein Arzt hatte das festgestellt und Grözinger für den Schichtdienst krankgeschrieben. Der Polizist war allerdings sehr wohl in der Lage, tagsüber Dienst zu schieben, und wollte das auch tun. Es habe, wie Grözinger berichtet, dazu eine Absprache mit dem damaligen Polizeipräsidenten Robert Schäfer gegeben, der mittlerweile den Hessischen Verfassungsschutz leitet. Danach sollte Grözinger Englisch an der Hessischen Polizeihochschule unterrichten. Doch daraus wurde, außer einer Testphase, anderthalb Jahre lang nichts.

Ungewollter Krankenstand

Stattdessen blieb Grözinger im ungewollten Krankenstand, litt psychisch darunter, musste sich 2016 in einer Klinik für psychosomatische Störungen behandeln lassen. „Absprachen, die mit dem Polizeipräsidenten Schäfer getroffen worden waren, wurden nicht eingehalten, Anordnungen missachtet und sogar das Gutachten des Polizeiarztes Dr. Labus ignoriert“, schreibt Grözinger in seiner Strafanzeige.

Erst 2017 besserte sich die Lage, nachdem Grözinger nach eigenen Angaben den damaligen Ansprechpartner der Polizei für Konfliktfälle, Henning Möller, und den heutigen Innenminister Peter Beuth (CDU) eingeschaltet hatte. Jetzt durfte er Englisch unterrichten, was er auch nach seiner Pensionierung immer noch tut.

Doch die Vorgänge von damals möchte er nicht auf sich beruhen lassen. Das hat auch finanzielle Gründe, denn das Land Hessen berechnet die Pension des Polizeibeamten nach Grözingers Aussage viel zu niedrig. Für seine Jahre als EU-Beamter werde sie auf Basis des Tarifs A11 berechnet, den er in Hessen erhalten hatte – nicht aber auf der Basis seines Einkommens bei der EU, das um mehr als 1000 Euro im Monat höher gelegen habe.

Nun zieht Grözinger alle Register. Eine Petition an den Landtag läuft schon länger und eine Klage auf Schadenersatz vor dem Wiesbadener Verwaltungsgericht ebenfalls, die auch durch ein Mediationsverfahren nicht beigelegt werden konnte. Jetzt hat der pensionierte Polizist außerdem Strafanzeige gestellt wegen Körperverletzung im Amt, „weil man mich vorsätzlich im Krankenstand gehalten hat“, aber auch wegen Untreue. Denn das Land habe die höheren Einzahlungen für seine Pension aus Brüssel erhalten, zahle sie ihm aber nicht aus.

Das Innenministerium hält die Vorwürfe für unberechtigt, will aber wegen des laufenden Verfahrens nicht im Einzelnen Stellung nehmen. In der Polizei wundert man sich hinter vorgehaltener Hand über den „Mann, der um sich schlägt“.

Grözinger macht im Gespräch einen ganz gelassenen, wenn auch verärgerten Eindruck. „Ich habe wirklich alles probiert“, sagt er. Auch an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), den früheren Innenminister, habe er sich gewandt. Nun sei seine Geduld am Ende.

In dem Fall mahlen jetzt die Mühlen der Justiz. Anfang Mai hat Grözinger seine Strafanzeige eingereicht. Drei Monate später heißt es von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, die Anzeige liege vor. Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, sei noch nicht entschieden worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare