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„Wir sind keine Monster, wir lieben dieses Land“, betonte ein Mühlheimer am Montagabend im Kreishaus.

Kreis Offenbach

Polizeischutz für Muslime im Kreis Offenbach nur eingeschränkt möglich

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Die Polizei fährt verstärkt Streife vor muslimischen Einrichtungen im Kreis Offenbach, kann aber nicht vor über 60 Objekten stehen, teilte das Polizeipräsidium Südosthessen bei einer Sitzung des Kreisausländerbeirats mit.

Migranten brauchen jetzt, nach dem Anschlag in Hanau, mehr Schutz – mit dieser Forderung sind am Montagabend die Führungskräfte des Polizeipräsidiums Südosthessen konfrontiert worden. Sie standen Vertretern von religiösen Gemeinden und Vereinen bei einer Sitzung des Kreisausländerbeirats des Kreises Offenbach Rede und Antwort. Polizeipräsident Roland Ullmann machte den vielen Interessierten aber klar, dass es für die Polizei nicht leistbar ist, vor die über 60 Moscheen, muslimischen Gebetshäuser und Räume der Kulturvereine im Kreis Offenbach einen Streifenwagen zu stellen.

Aktuell fahre die Polizei beispielsweise bei den Freitagsgebeten verstärkt Streife, sowohl in Uniform als auch in Zivil, erklärte Kriminaldirektorin Stefanie König, Leiterin des Abteilungsstabs. Auch beim Mittagsgebet in der Dietzenbacher Ditib-Moschee am Sonntag sei man mit einer Streife präsent gewesen, so Ullmann. Die Sicherheitslage werde täglich neu bewertet; danach würden sich die Schutzmaßnahmen richten.

Vorschlag für runden Tisch

„Und welche Tipps haben Sie für uns, um uns selbst zu schützen, wenn die Polizei nicht Streife fährt?“, wollte eine Frau aus einer Offenbacher Moscheegemeinde wissen. Eine direkte Antwort gab es nicht. Nur so viel: „Wenn Sie etwas Ungewöhnliches feststellen, melden Sie sich“, sagte Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs Prävention. Das habe nichts mit Denunziantentum zu tun.

Pölizeipräsident Ullmann schlug vor, aus den Moscheegemeinden heraus einen runden Tisch zu gründen und „Menschen zu benennen, die sich zum Thema Sicherheit mit uns an einen Tisch setzen“. Weiter verwies er auf die Möglichkeit, die Einrichtungen „durch technische Maßnahmen“ – also Kameras – zu schützen.

Ein Langener regte an, alle sechs Monate und nicht nur alle drei Jahre die persönliche Eignung von Waffenbesitzern zu überprüfen. Ein Dietzenbacher sprach sich dafür aus, mehr Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei einzustellen. Eine Dietzenbacherin sah die Politik in der Verantwortung, mit allen Bürgern in die Diskussion zu gehen, „und zwar nicht nur im Ausländerbeirat“.

Eine junge Rodgauerin war wütend: „Der Coronavirus hat eine Panik ausgelöst in Deutschland. Was in Hanau passiert ist, müsste doch eine viel größere Panik auslösen.“

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