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Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hessen sinkt weiter. (Symbolbild)

Polizeiliche Kriminalstatistik

Weniger Straftaten und bessere Aufklärungsquote in Hessen

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Die Zahl der Straftaten in Hessen geht weiter zurück, vor allem bei Wohnungseinbrüchen und Straßenkriminalität gibt es einen positiven Trend.

Sie sollen von Frankfurt aus einen riesigen Reibach mit falschen Internetläden gemacht haben. Auf elf Millionen Euro bezifferte die Chefin des Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, den Schaden in dem aktuellen Großverfahren. Mindestens 30 000 Käufer sollen auf die drei dubiosen Geschäftsleute aus Frankfurt hereingefallen sein, die „sehr clever“ vorgegangen seien. Sie hätten Umsätze in einer Größenordnung generiert, die hinter Amazon auf dem zweiten Platz lägen.

In keinem anderen Deliktfeld ist die Dynamik so ausgeprägt wie bei der Internetkriminalität. Das machte Thurau am Donnerstag in Wiesbaden bei der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik 2018 für Hessen deutlich. Um rund 71 Prozent stieg in diesem Bereich die Zahl der Ermittlungsverfahren innerhalb eines Jahres. Dreiviertel davon waren Vermögensdelikte.

Auch Hackerangriffe auf Firmennetze haben zugenommen, und nicht immer erfahre die Polizei davon, sagte die LKA-Präsidentin. Ein öffentlich bekanntes Datenleck ist schließlich ein Imageschaden, das heißt schlecht fürs Geschäft. Garniert mit viel Lob für die Arbeit der hessischen Polizei präsentierte Innenminister Peter Beuth (CDU) eine Statistik der Superlative: die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 40 Jahren, zwei von drei Straftaten werden aufgeklärt, weniger Wohnungseinbrüche, weniger Straßenkriminalität, die Zahl der politisch motivierten Kriminalität ging um zehn Prozent zurück. Das war seine Botschaft.

Die jüngst bekanntgewordenen rechtextremistischen Vorfälle von Polizisten seien Einzelfälle und würden „mit Hochdruck“ aufgeklärt. Die anderen rund 14 000 Beamten machten einen guten Job, „zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger“. Das hoben auch SPD und FDP in ihren Stellungnahmen hervor.

Beispiel Straßenkriminalität: Einzig die Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen stiegen. Hingegen gingen die Fälle von Taschendiebstahl, Autoaufbrüchen oder Fahrradklau zurück. Zurückzuführen sei dies auf mehr Kontrollen, mehr Videoüberwachung aber auch auf die Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung, sagte Beuth. Das Minus von 13 Prozentpunkten bei der Jugendkriminalität sei auch ein Verdienst der „Häuser des Jugendrechts“, in denen mehrere staatliche Stellen gemeinsam Fälle von Jugendkriminalität bearbeiten. Beuth will deren Zahl auf neun erhöhen,

Gute Erfahrung machen die Ermittler auch mit der Software, mittels derer sie Serien-Wohnungseinbrechern auf die Spur kommen können, sagte Landespolizeipräsident Udo Münch. Auf das Konto professioneller Banden gingen allerdings nur die Hälfte der 4081 vollendeten Einbrüche im vorigen Jahr (2017 waren es 4169). Die anderen Täter handelten nach dem Motto: Gelegenheit macht Diebe.

Handlungsbedarf sieht Beuth weiter bei der Sanktionierung von Gewalt gegen Polizisten. Die Fallzahlen stiegen um 13 Prozent auf 398. Rettungskräfte wurden mit 115-mal rund doppelt so oft angegriffen wie im Jahr zuvor. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung werden häufiger angezeigt. Darüber sei sie froh, sagte Thurau, denn oft handele es sich um Wiederholungstäter. Politisch motivierte Taten gingen um zehn Prozent zurück. 600 gingen auf das Konto Rechter, 227 auf das Linker.

Die Zahl der Straftaten mit einem Zuwanderer als Tatverdächtigem stieg um 3,5 Prozent auf rund 19 300 geklärte Fälle (ohne aufenthaltsrechtliche Verstöße). Es gebe allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass Ausländer krimineller seien als Deutsche, sagte Münch. Bei den Straftaten gegen das Aufenthaltsgesetz führen 1800 Chinesen die Hitliste an. Ein Phänomen, das die Experten ratlos zurück ließ.

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