Hessen

Polizeianwärter als Drogenkurier

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Angehender hessischer Kommissar in Stuttgart als Mitglied einer Dealerbande verhaftet.

Gegen einen hessischen Polizeianwärter wird wegen des Verdachts auf Drogenhandel ermittelt. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Das bestätigte die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart der Frankfurter Rundschau am Freitagvormittag. Festgenommen wurde der Kommissar in Ausbildung, der daraufhin fristlos entlassen wurde, bereits am 10. April. Genau wie vier weitere mutmaßliche Komplizen, die seither ebenfalls in U-Haft sind. Insgesamt stehen neun Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren sowie eine 26-jährige Frau im Verdacht, in den vergangenen Monaten in Stuttgart Marihuana verkauft zu haben.

Der mutmaßlichen Drogendealerbande war die Polizei in Baden-Württemberg wohl schon länger auf der Spur. Zum Zugriff kam es den Behörden zufolge bei einer gescheiterten Lieferung von 30 Kilogramm Marihuana aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Stuttgart. Wegen einer Panne musste der mutmaßliche Kurier einen Abschleppdienst rufen, um sein Ziel, ein Geschäft in Stuttgart-Feuerbach zu erreichen. Dort wartete bereits die Kriminalpolizei, die in einem Versteck im Wagen die Drogen fand.

In dem Geschäft, in dem wohl die Übergabe geplant war, seien 100 000 Euro in bar gefunden worden. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung eines Stuttgarters seien zudem ein Kilogramm Kokain und mehrere Tausend Euro Bargeld entdeckt worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei bereits Mitte April mit. Dass es sich bei einem der Beschuldigten um einen Polizeianwärter handelt, machten sie aber nicht öffentlich. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte auf Nachfrage nicht bestätigen, dass es der Fahrer des Wagens mit der Marihuana-Lieferung war.

Der 2017 eingestellte Polizeikommissaranwärter wird seine Ausbildung wahrscheinlich nicht abschließen können. „Durch die Polizeiakademie Hessen wurde dem Anwärter unmittelbar nach Bekanntwerden des Sachverhaltes die fristlose Entlassung aus dem Beamtenverhältnis eröffnet“, sagte eine Sprecherin der FR. Das Verfahren sei aber noch nicht rechtswirksam.

Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linken im hessischen Landtag, kritisierte am Freitag auf Twitter, dass Innenminister Peter Beuth (CDU) das Parlament nicht über den Fall informiert habe. Das hessische Innenministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In den vergangen Jahren hatte es in Hessen mehrere Fälle von straffällig gewordenen Polizeischülern gegeben. 2017 hatte das Innenministerium daraufhin das Einstellungsverfahren verschärft. Auslöser war ein tödlicher Messerangriff in der Wiesbadener Innenstadt, an dem auch ein Polizeianwärter beteiligt war. Der Mann wurde später als Mittäter verurteilt.

Für Kritik hatte damals gesorgt, dass er auch vor seiner Einstellung bereits polizeibekannt gewesen war – wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung.

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