Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Am Kaiser-Friedrich-Ring setzt die Polizei, die mit 900 Kräften im Einsatz ist, Demonstrantinnen und Demonstranten fest.
+
Am Kaiser-Friedrich-Ring setzt die Polizei, die mit 900 Kräften im Einsatz ist, Demonstrantinnen und Demonstranten fest.

Demonstration

Polizei versperrt „Querdenken“ den Weg

  • vonJürgen Streicher
    schließen

Nach Verstößen gegen Auflagen hat die „Querdenken“-Bewegung eine Versammlung mit 1200 Menschen in Wiesbaden abgebrochen. Die Polizei spricht 100 Platzverweise aus.

Polizeisirenen waren über Stunden immer wieder zu hören, Einsatzwagen mit Blaulicht in Konvois. Ein Polizeihubschrauber kreiste bis zum späten Nachmittag über der Innenstadt. Rund 900 Beamte waren nach offiziellen Angaben der Polizei vor Ort, von Kontrollstellen an den Zufahrten von der A66 etwa über strategische Punkte in der City zwischen Warmen Damm und Rhein-Main Congress-Center (RMCC) bis zum zentralen Demonstrationsort in den Reisinger Anlagen. Massive Verstöße gegen Vorgaben der Ordnungsbehörden wie bei einer Demonstration im März sollten unbedingt verhindert werden.

Am Samstag sind laut Polizeibilanz rund 1200 Menschen in Wiesbaden auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung zu protestieren. Ein geplanter Zug durch die Stadt zum Landtag war verboten worden, erlaubt nur eine „stationäre Kundgebung“ auf der Grünanlage vor dem Hauptbahnhof. Etwa 400 Gegendemonstrant:innen, die meisten davon auf dem Bahnhofsvorplatz, standen den „Querdenkern“ gegenüber. „Verantwortungslose Gesellen“ nennt Irene Fromberger („Omas gegen rechts“) die „Querdenker“ angesichts von rund 80 000 Toten in Folge der Corona-Pandemie in Deutschland.

Maximal 1000 Menschen waren zur Kundgebung auf der Wiese in einem abgesperrten Bereich zugelassen. Die Polizei war in deren Umfeld deutlich in der Überzahl, viel Platz auf der Wiese. Das Areal von Uniformierten umstellt, berittene Polizist:innen drehten Runden, Hundeführer:innen waren zu sehen, zahlreiche Beamte mit Kameras zur Videodokumentation, im Hintergrund zwei Wasserwerfer. Diesmal sollte die Polizei unbedingt Herr der Lage bleiben. „Beängstigend“ nannte eine vom Bahnhof kommende Touristin das massive Polizeiaufgebot. Beim Zugang zum Gelände und mit wiederholten Lautsprecherdurchsagen wurden die Teilnehmer:innen auf die Maskenpflicht hingewiesen.

Die Stimmung bei den zunächst friedlichen Versammlungen von „Querdenkern“ und anderen Gruppierungen an mehreren Orten in der Innenstadt war weitgehend gelassen. An der Ecke Neugasse/Schulgasse hatte sich ein Dutzend Männer und Frauen zur „Mahnwache“ und zum Protest gegen die aktuellen Corona-Regeln formiert, fast alle ohne Maske. „Das ist ja Eins-zu-eins-Betreuung“, sagt ein Passant angesichts der Männer und Frauen in Uniform drum herum. Auch bei den etwa 70 Impf- und Maskengegner:innen am Luisenplatz ist es am Nachmittag ruhig, allenfalls der Lärm des Polizeihubschraubers übertönt die Redner:innen.

Versuch des Durchbruchs

Erst gegen 15.30 Uhr wird die Lage unübersichtlich. Vertreter:innen der Versammlungsbehörde hatten kurz zuvor wegen zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen mit der Auflösung in der Reisinger Anlage gedroht, der Veranstalter zog daraufhin selbst die Reißleine. Trotz Aufforderung der Polizei per Lautsprecher, nur in Richtung Bahnhof und Mainzer Straße abzuwandern, zogen die Corona-Gegner:innen in mehreren Gruppen Richtung Innenstadt, Polizist:innen mit Helm und Berittene formierten sich zu zahlreichen Sperren.

„Es wird keine Aufzüge in Richtung Innenstadt geben“, tönt es wiederholt durch Lautsprecher der Polizei. Am Kaiser-Friedrich-Ring werden etwa 300 Personen festgesetzt, bis auf kleinere Scharmützel zwischen „Querdenkern“ und Demonstrant:innen der Gegenseite am Warmen Damm, wo die Polizei Pfefferspray einsetzt, bleibt die Lage aus deren Sicht stressfrei.

Elisabeth Kula, Wiesbadener Abgeordnete der Fraktion Die Linke im hessischen Landtag, kritisierte: „Wieder einmal ging die Einsatztaktik der Polizei nicht auf.“ Zwar habe der angekündigte „Sturm auf den Landtag“ verhindert werden können, „trotzdem herrschte zeitweise Chaos in der Wiesbadener Innenstadt“. Am Ende meldet die Polizei 850 Kontrollen, rund 100 Ordnungswidrigkeiten, über 100 Platzverweise, zehn Strafanzeigen und elf vorübergehende Festnahmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare