Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Polizei stellt Kinderpornos sicher

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

39 Durchsuchungen in ganz Hessen durchgeführt. Die Tatverdächtige sind häufig Jugendliche.

Am vergangenen Donnerstag haben 173 Beamtinnen und Beamte der hessischen Polizei insgesamt 39 Wohnungen in Hessen durchsucht. Einsatzorte waren unter anderem Frankfurt, Gießen, Rüsselsheim, Wiesbaden sowie Kassel, Fulda und Offenbach. Die Polizei stellte 132 Speichermedien sicher und führte vier Vernehmungen durch, wie das Landeskriminalamt (LKA) am Montag mitteilte. Die Durchsuchungen sind der jüngste Erfolg der Ermittlungsarbeit der BAO Fokus.

BAO Fokus steht für „Besondere Aufbauorganisation für fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch von Kindern“. Seit Oktober 2010 bündelt sie hessenweit die polizeilichen Maßnahmen im Bereich der Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen. Sie ist im Hessischen Landeskriminalamt angesiedelt. In jedem der sieben hessischen Polizeipräsidien wurden Regionalabschnitte eingerichtet.

Bei den aktuellen Ereignissen wird gegen 46 Beschuldigte ermittelt. In 45 Fällen geht es laut Pressemitteilung des Hessischen Landeskriminalamtes um Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinder- oder Jugendpornografie, in einem Fall um sexuelle Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche. Die 40 Männer und sechs Frauen stehen nach jetzigem Kenntnisstand untereinander nicht in Kontakt. Sie sind zwischen zwölf und 62 Jahre alt.

Dass die Tatverdächtigen selbst noch jünger als 21 Jahre und meistens sogar jugendlich sind, sei keine Seltenheit, heißt es. 2020 waren in den Deliktsbereichen Verbreitung, Besitz und Herstellung von Kinder- und Jugendpornografie rund 54 Prozent der Verdächtigen jünger als 21 Jahre.

„Vielen, aber längst nicht allen Jugendlichen ist die Tragweite ihres Handelns bewusst“, sagt Johannes Bittner, Cybercrime-Berater des Polizeipräsidiums Osthessen. Immer wieder seien Unbedachtheit, Leichtsinn, die Gewohnheit, alles mittels Smartphone unreflektiert weiterzuleiten oder schlicht Unkenntnis Gründe für die Straftaten. „Es ist wichtig zu wissen, dass bereits der Besitz eines einzigen kinderpornografischen Bildes verboten ist und strafrechtlich verfolgt wird. Dabei ist es erst einmal egal, ob ein solches Bild oder Video gewollt oder ungewollt in den eigenen Besitz gelangt ist“, so Bittner.

Als Beispiel nennt die Polizei einen der jüngsten Fälle. Zwei Jugendliche aus dem Main-Taunus-Kreis (14 und 16 Jahre alt) hatten ein Video, auf dem eine ihnen bekannte Jugendliche beim Masturbieren zu sehen ist, an andere Personen mittels Messenger weitergeleitet. Die Beamt:innen stellten die Handys der beiden sicher, weil sie somit Kinderpornografie beinhalteten.

Auch wenn man beispielsweise ein Nacktbild der eigenen minderjährigen Freundin oder des Freundes auf dem Smartphone hat, erfülle das schon den Straftatbestand des Besitzes von Kinder- oder Jugendpornografie, stellt ein Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau klar. Die Frage nach der Strafbarkeit sei freilich eine ganz andere und werde von der Staatsanwaltschaft geklärt.

Wie man sich korrekt verhält, wenn man solches Material von jemandem zugeschickt bekommt, verrät Johannes Bittner auch. „Am besten ist es, man distanziert sich sofort von den Inhalten und informiert unverzüglich die Polizei. Wegsehen ist keine Option, hinter den Aufnahmen stehen echte Kinder, echte Opfer. Auf keinen Fall darf man solche Bilder oder Videos weiterleiten, auch nicht an Eltern, Lehrer oder andere Vertrauenspersonen. Wirklich an niemanden.“

Ein weiterer Straftatbestand stelle zudem das Schicken von Pornos an Freunde oder Mitschüler unter 18 Jahren dar. „Das kann als sexueller Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen geahndet werden“, sagt Bittner. Er würde sich wünschen, dass Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer offen mit den Kindern und Jugendlichen über das Thema sprechen, es enttabuisieren, aufklären und Grenzen deutlich machen würden. Wichtig sei, Kinder bei den ersten digitalen Gehversuchen und darüber hinaus aktiv zu begleiten.

Weitere Informationen gibt es unter digitalnative-hessen.de im Internet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare