Am Dienstag begann die Polizei damit, Barrikaden und Baumhäuser abzureißen und den Dannenröder Forst zu räumen.
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Am Dienstag begann die Polizei damit, Barrikaden und Baumhäuser abzureißen und den Dannenröder Forst zu räumen.

Autobahn

Polizei räumt Dannenröder Forst

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Ein Aktivist wurde am Kopf verletzt, erste Baumhäuser sind abgerissen. An dem Großeinsatz der Polizei gegen die Autobahn-Gegner:innen gibt es scharfe Kritik.

Im Dannenröder Forst haben sich am Dienstag die Ereignisse überschlagen. Die Polizei hat offenbar damit begonnen, den Wald zu räumen. Bei den Auseinandersetzungen wurde mindestens ein Aktivist verletzt.

Am frühen Morgen hatten Sicherheitskräfte damit begonnen, Hindernisse beiseite zu räumen. Gegner:innen des Ausbaus der Autobahn 49 hatten Wege mit Baumstämmen, Ästen, Draht und Gräben verbarrikadiert. Zur Räumung wurde offenbar teils schweres Gerät genutzt. Die Rede ist von rund 400 Barrikaden auf den Zufahrts- und Rettungswegen.

Beim Versuch mehrerer Aktivisten, eine Baumaschine zu besetzen, stürzte nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Beobachtern ein junger Mann. Er verletzte sich dabei am Kopf. Nähere Angaben zu seinem Gesundheitszustand lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Der Hessische Rundfunk meldet, es handele sich nur um eine leichte Verletzung.

Die Umweltaktivisten haben im Dannenröder Forst vor etwa einem Jahr Baumhäuser gebaut, um die Rodung des Waldes zu behindern. Sie protestieren damit gegen den Bau der A49 zwischen Kassel und Gießen.

Die Autobahn

Der Ausbau der A49 soll Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Es geht um ein rund 42 Kilometer langes Teilstück. Dafür muss großflächig Wald gerodet werden. Umwelt- und Klimaschützer halten das Projekt für verfehlt, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in den Dörfern der Region und eine bessere Verkehrsanbindung für Pendler und Unternehmen. pgh

Bei der Auseinandersetzung mit den Waldbesetzer:innen setzte die Polizei auch Schlagstöcke ein. Nach Angaben der Polizei seien Einsatzkräfte vereinzelt mit Steinen und Pyrotechnik beworfen worden. Sie twitterte ein Bild einer Barrikade, in die angeblich eine volle Gaskartusche eingebaut worden sei.

Bis in den späten Dienstagnachmittag hinein seien die ersten der etwa 100 Baumhäuser und andere Bauten abgerissen und aus dem Wald gebracht worden, meldete die Polizei. Die Aktivisten kündigten an, den Wald weiter „verteidigen“ zu wollen.

Die Ende Oktober in Bad Vilbel gegründete Wählervereinigung Klimaliste Hessen warf der schwarz-grünen Landesregierung vor, den „friedlichen Protest der Baumhausbewohner brutal beendet“ zu haben. Der Landesverband des BUND Hessen forderte, die Räumung zurückzustellen, bis die Zahl von Infektionen mit Corona abnehme. BUND-Vorsitzender Jörg Nitsch warf der Landesregierung vor, beim Einsatz Tausender Menschen die Unterschreitung des Mindestabstands in Kauf zu nehmen.

Auch die globalisierungskritische Organisation Attac kritisierte die Räumung in Corona-Zeiten. Neben Aktivisten würden auch Polizisten gefährdet, teilte das Netzwerk mit.

Die Polizei hatte am Montag angekündigt, im Wald zunächst „logistische Arbeiten“ der für den Weiterbau der A49 zuständigen Baufirma vornehmen lassen zu wollen. Später solle dann gerodet werden.

Der Bau der Autobahn soll nach Angaben aus dem Landkreis Vogelsberg im September 2021 beginnen. Dafür sollen bis Februar zunächst 27 Hektar Wald gerodet werden. Die Proteste laufen bereits seit mehr als einem Jahr und hatten zuletzt noch mal deutlich zugenommen. (mit dpa)

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