+
Autos fahren in Frankfurt in der Innenstadt durch eine große Pfütze, die sich nach starken Regenfällen gebildet hatte.

Wetter in Hessen

Sturmtief "Burglind" fegt über Hessen hinweg

Staus im Berufsverkehr, umgestürzte Bäume, unterbrochene Zugstrecken: Sturmtief "Burglind" macht sich vielerorts in Hessen und Rhein-Main bemerkbar.

Mit teils heftigen Böen fegt Sturmtief „Burglind“ am Mittwoch über Hessen hinweg. Vielerorts stürzten Bäume um und sorgten so für Verkehrsbehinderungen im morgendlichen Berufsverkehr.  Auch am Frankfurter Flughafen waren die Folgen zu spüren. Die Pegel der Flüsse steigen. Am stärksten wehte der Wind in Mittelhessen. Nun soll sich die Lage aber entspannen.

Die Frankfurter Polizei  mahnt  Menschen per Twitter, sich vorsichtig zu verhalten, wenn sie sich im Freien aufhalten. Es könne örtlich Blitzeinschläge geben.

#Frankfurt, bitte #uffbasse!

Es treten Gewitter auf. Dabei gibt es schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 100 km/h

Achtet besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände.

Quelle: DWD pic.twitter.com/nyUHMe1ruK

— Polizei Frankfurt (@Polizei_Ffm)

3. Januar 2018

Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und umgefallene Baustellen-Sicherungseinrichtungen beschäftigen die Feuerwehr in Frankfurt seit etwa 11 Uhr. Das Grünflächenamt  der Stadt warnt davor, heute Spaziergänge in Parks oder im Stadtwald zu machen. Auch Friedhofsbesuche sollten vermieden werden, so die Behörde weiter. Es müsse mit Astabbrüchen und umstürzenden Bäumen gerechnet werden.

Bei Limburg fiel schon am frühen Morgen ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Die Route war zwischen den Stadtteilen Eschhofen und Lindenholzhausen für rund fünf Stunden unterbrochen. Laut Bahnsprecher war das aber die einzige Beeinträchtigung in Hessen.

Das Polizeipräsidium Westhessen registrierte zahlreiche umgestürzte Bäume. In der Zeit zwischen 5.30 Uhr und 12.30 Uhr gingen etwa 70 Meldungen ein, vor allem für den Rheingau, Hochtaunus und Limburg, sagte ein Sprecher. Auf der Landesstraße 3063 fuhr ein unbesetzter Bus gegen einen umgestürzten Baum. Der Fahrer blieb unverletzt. Auf der B275 zwischen Riedelbach und Neuweilnau und auf der L3025 zwischen Schmitten und Dorfweil krachte jeweils ein Baum auf ein fahrendes Auto. Keiner der Insassen wurden verletzt. Die Polizei riet auch über den Kurznachrichtendienst Twitter, vorsichtig zu sein, gerade bei Fahrten durch Waldgebiete. Auch in Südhessen gab es entwurzelte Bäume.

Umgestürzte Bäume blockieren Straßen in Darmstadt

Sturmtief Burglind löste in Darmstadt innerhalb einer Stunde 14 Einsätze aus.   Erstmals kam dabei  die Warn-App Biwapp  zum Einsatz, um die Anwender  über die Verkehrsbehinderungen im Stadtgebiet zu informieren. „Es war eine geballte Ladung“, sagte Jens Rönnfeldt, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr der FR, da zufällig gleichzeitig auch ein Probealarm der Sirenen stattfand, der die Bürger verunsicherte.

Im morgendlichen Berufsverkehr  blockierten  laut Feuerwehr  umgestürzte Bäume drei wichtige Straßen: Eschollbrücker, Karlsruher  und die B449 in der Böllenfalltorkurve.  In der Hügelstraße, dem Donnersbergring und der Eschollbrückerstraße beseitigte die Feuerwehr nach Starkregen  Überflutungen. Wie die Polizei mitteilte, wurden fahrende und parkende Autos von herabfallenden Ästen beschädigt. Personen seien nicht verletzt worden.

Auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg brachte  der Sturm Bäume zu Fall.  Insgesamt zwölf  mal musste hier die Feuerwehr ausrücken. In Klein-Umstadt wurden zwei Dächer abgedeckt. Bis zum Mittag waren die Aufräumarbeiten beendet. Im Kreis Groß-Gerau stürzte ein Baum in Bauschheim auf die Fahrbahn.

Bahnreisende zwischen Gießen und Frankfurt brauchen Geduld

Auch am Frankfurter Flughafen kam es zu Verspätungen und Ausfällen. Nach Angaben eines Sprechers musste am Vormittag das Anflugsystem wegen des Sturms verlangsamt werden. Dadurch waren nur noch 40 statt der sonst etwa 60 Starts und Landungen pro Stunde möglich. Zusätzlich mussten wegen des Wetters 25 Flüge von oder nach Frankfurt wetterbedingt annulliert werden, wie eine Sprecherin am Mittag bilanzierte.

Geduld brauchten auch Bahnreisende zwischen Gießen und Frankfurt. Die Main-Weser-Bahn konnte kurzzeitig zwischen Langgöns und Kirch-Göns einem Bahnsprecher zufolge nur eingleisig fahren. Dadurch sei es zu Verspätungen gekommen.

90-Jährige unterkühlt in Waldstück gefunden

Auch in Nordhessen gab es Schäden und Verkehrsbehinderungen: Im Landkreis Kassel stürzten zwei Bäume auf Straßen. Außerdem sei bei Fritzlar ein Ast auf die Autobahn 49 gefallen, erklärte ein Polizeisprecher. Auf der A 44 bei Kassel wehte der Sturm Schilder um. Am härtesten im Norden Hessens traf es den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dort meldete die Polizei insgesamt zwölf Vorfälle, fast alle mit umgestürzten Bäumen. Dreimal kam es zu Unfällen, als Autos gegen die auf der Straße liegenden Bäume fuhren. Dabei wurde eine Frau leicht verletzt.

Mehr als 100 Rettungskräfte suchten am späten Dienstagabend im osthessischen Mücker bei starkem Regen und einsetzenden Windböen eine  demente 90-Jährige. Auch ein Polizeihubschrauber aus Egelsbach war im Einsatz. Feuerwehrleute fanden die 90-Jährige schließlich in einem Waldstücke. Sie lag stark unterkühlt in einem Graben.

Spitzenreiter bei den Windgeschwindigkeiten im Flachland war Ennerich, ein Stadtteil von Runkel im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Dort blies der Wind am Mittwoch mit 106 Stundenkilometern, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete. Das fällt unter „orkanartige Böen“. In Baden-Württenberg gab es richtige Orkanböen mit 133 Stundenkilometern.

Pegel der Flüsse in Hessen steigen an

Durch die Niederschlägen am Mittwochmorgen steigen auch die Pegel der Flüsse in Hessen. So wächst nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt derzeit etwa die Kinzig mit ihren Seitengewässern „steil“ an. Allerdings wird die Hochwasser-Prognose dadurch erschwert, dass der Starkregen örtlich begrenzt und schwer vorherzusehen ist.

Am Nachmittag sollte der Wind weiter kräftig über Hessen hinwegblasen. Der Deutsche Wetterdienst kündigte bis zum Abend weitere Sturmböen aus westlichen Richtungen an. In der Nacht zum Donnerstag soll sich der anfangs noch starke Westwind mit seinen stürmischen Böen dann aber deutlich abschwächen. (dpa/lad/cka)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare