Behr macht kurzen Prozess

Schlechte Familienangelegenheiten

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Es geht in diesem Fall um erb- und arbeitsrechtliche Querelen. Vermutlich auch um sehr viel Geld. Und deshalb hat eine Schwester ein Schlägertruppe bestellt, um ihren Bruder zu vermöbeln. Von Stefan Behr

Das Wort "Familienbande" hat einen Beigeschmack von Wahrheit. Diese Erkenntnis von Karl Kraus hat bis heute nichts an Wahrheitsgehalt eingebüßt. Und manchmal muss dann das Frankfurter Amtsgericht die Familienangelegenheiten klären.

Wie im Falle von Bernhard O. Der hat Streit mit seiner Schwester Chaja C. Es geht um erb- und arbeitsrechtliche Querelen, worum genau, das weiß man nicht und es ist wohl auch Familiensache. Aber vermutlich geht es um sehr viel Geld. Erstes Indiz: O. ist nicht nur ein äußerst erfolgreicher Immobilienmakler, er kommt auch aus gutem Westend-Haus, sein Vater betrieb einen Verlag. Zweites Indiz: Chaja C. versprach Itzhak G. 25.000 Euro, wenn er ihrem Bruder hübsch ordentlich ein paar aufs Maul haue. Es folgte ein Anruf beim Bruder: Geld her, oder ihm und seiner Familie passiere etwas.

Und genau zu diesem Zweck holte sich Itzhak G. drei Gestalten, die sich mit so was von Berufs wegen beschäftigen, weil sie Kampfsporttrainer sind. Im November 2008 lauerte das Quartett Bernhard O. nahe seinem Frankfurter Büro auf. Während drei in einem Café warteten, wurde einer der drei gedungenen Kampfsportler in die Tiefgarage geschickt, um sich dort seines Opfers anzunehmen. Aber der (Un)Geschickte wollte nur reden. Er sei hier, sagte er dem Geschäftsmann, um ihn ordentlich zusammenzudreschen, verspüre aber wenig Lust dazu. Stattdessen riet er O., einen Arzt aufzusuchen und sich einen gut sichtbaren Verband anzulegen. Der Schwester werde man erzählen, man habe O. einen anständigen Leberhaken verpasst und vermutlich ein paar Rippen gebrochen. So wären dann am Ende alle zufrieden.

Dass am Ende eigentlich keiner zufrieden ist, liegt auch an Bernhard O., der nicht zum Arzt ging, sondern zur Polizei. Das Ende vom Lied: die drei Kampfsportler aus Stuttgart wurden zu Geldstrafen verurteilt - für einen Schwaben ein äußerst empfindliches Mittel. Itzhak G. wurde zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, was ihn freilich im fernen Israel, wo er sich mittlerweile aufhält, nur marginal jucken dürfte.

Und Chaja S.? Erschien nicht vor dem Frankfurter Amtsgericht. Sie leidet, so ließ sie von ihrem Anwalt verlautbaren, unter einer schweren Depression und einer Angststörung. In Abwesenheit ergeht gegen sie ein Strafbefehl: Wegen eines minderschweren Falls von versuchter Erpressung erhält sie eine viermonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Zurück bleibt Richard O., ein freundlicher, gutgewandeter Herr, der sich nicht weiter äußern will zu der "Familienangelegenheit". Aber dazu hat Karl Kraus ja schon alles gesagt.

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