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In der Fußgängerzone müssen sich Passanten nach Waffen durchsuchen lassen.

Wiesbaden

Polizei kontrolliert Waffenverbotszone

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Seit Jahresbeginn sind waffenähnliche, gefährliche Gegenstände in der Wiesbadener Innenstadt nachts verboten. Allein am ersten Wochenende stellt die Polizei mehrere Messer sicher.

Das erste verbotene Messer kassieren Polizisten am Freitagabend um 21.15 Uhr ein. Sie finden es bei einer Kontrolle an der Bushaltestelle am Platz der deutschen Einheit bei einem 18-jährigen Deutschen. Seit Jahresbeginn dürfen Bürger zwischen 21 Uhr und 5 Uhr keine waffenähnlichen, gefährlichen Gegenstände dabei haben, wenn sie in der neuen Waffenverbotszone in der Innenstadt unterwegs sind. Ein Verstoß kann bis zu 5000 Euro kosten.

Noch weisen keine Schilder auf die Waffenverbotszone hin. Sie sind noch nicht fertig, werden aber voraussichtlich Ende Januar aufgestellt. Streng genommen gilt das Verbot auch für die Nagelfeile in der Handtasche, da liegt es im Ermessen der Polizei- und Ordnungspolizeibeamten, wie sie im Einzelfall entscheiden. „Wir werden die Kontrollen mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl durchführen, im Wissen, dass die Waffenverbotszone für die Bürger neu ist“, sagt Karl-Heinz Brassert, Leiter der Polizeidirektion Wiesbaden. Zudem gibt es Ausnahmen für Sicherheits- und Rettungskräfte, Handwerker und Gewerbetreibende bei der Arbeit und die Gastronomie.

Auch in Wiesbaden bewaffnen sich insbesondere junge Männer zunehmend. Gab es 2016 im Gebiet der jetzigen Verbotszone 20 Straftaten, bei denen Waffen eingesetzt wurden, waren es 2017 bereits 40 – eine endete sogar tödlich. „Messer machen Mörder“, konstatiert Brassert. Bei Tötungsdelikten rangieren Messer an erster Stelle. Seit dem Wochenende laufen die Kontrollen in der Waffenverbotszone. 20 Landespolizisten und elf Stadtpolizisten sind am Freitagabend in mehreren gemischten Teams im Einsatz. Eine Streife geht den Michelsberg hoch. Ob jemand kontrolliert werde, hänge auch davon ab, ob er alkoholisiert sei, sagt ein Polizeikommissar, der namentlich nicht genannt werden möchte. Wenn Messer gezückt wurden, war bisher immer Alkohol im Spiel.

Aufgrund des Wetters ist auf den Straßen relativ wenig los. Umso mehr erstaunte, aber auch misstrauische Blicke zieht die Streife auf sich. „What the fuck is going on?“, fragt ein junger Mann, als er mit seinen Freunden an der Kreuzung Coulinstraße / Schwalbacher Straße an den Beamten vorbeigeht. Verdammt, was ist hier los, soll das wohl sagen. Er hält eine offene Bierflasche in der Hand, sie bemerken ihn nicht. Vor dem Lokal „Das Wohnzimmer“ stehen junge Leute auf der Straße, der Wachmann nickt den vorbeigehenden Polizisten zu.

Kurz nach 23.30 Uhr kommt die Meldung über Funk, dass eine Streifenwagenbesatzung kurz vor der Kreuzung Dotzheimer Straße sieben junge Männer angehalten hat. Auch außerhalb der Waffenverbotszone sind Kontrollen möglich. Zur eigenen Sicherheit müssen die Beamten bei Kontrollen immer in der Überzahl sein, deshalb eilt die Streife dorthin. Es handelt sich um junge Flüchtlinge, die einen Bus um 23.39 Uhr nehmen wollten. „Hände aus den Taschen“, lautet die Anweisung. Ein Polizist sammelt die Ausweise ein und überprüft sie über Funk. Ein anderer durchsucht die Männer der Reihe nach: Rucksäcke, Jacken- und Hosentaschen. Er tastet sie zudem am Körper ab und lässt sie die Hosenbeine hochziehen. Bei einem findet der Polizist lose Sonnenblumenkerne in der Jackentasche, Waffen haben sie keine. Nüchtern sind sie ebenfalls — und der Bus ist wieder einmal weg. Zwei der jungen Männer müssen mit zum Polizeirevier, um ihre Identität zu überprüfen. Sie haben keine Papiere dabei, wozu sie auch nicht verpflichtet sind.

Die Streife geht zurück in die Fußgängerzone. Dort erkundigen sich Pelin Sor und ihre Cousine nach dem Zweck der Aktion. Sie fühle sich durch die Polizeipräsenz sicherer, sagt die 29-Jährige hinterher. „Ich weiß aber nicht, wie ich es fände, wenn ich kontrolliert würde.“ Der 21-jährige Hassan Isan findet die Verbotszone gut. „Ich habe jüngere Geschwister, die sind abends auch manchmal in der Stadt unterwegs, da braucht man sich jetzt weniger Sorgen zu machen.“

Gerade durchsuchen Polizisten einen jungen Mann, der auffiel, weil er betrunken ist. Dessen Freunde sind wegen der Kontrolle etwas aufgebracht. Isan und seine Freunde schütteln den Kopf und gehen weiter. Insgesamt kontrollieren die Beamten am Wochenende 190 Personen. In der Nacht zum Sonntag stellen sie vier Messer sicher.

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