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Dieser vermeintliche Anhänger hat es in sich: mobile Anlage, die Raser erwischt.

Verkehr in Hessen

Mit neuer Technik gegen Raser

Die Polizei in Hessen verschärft die Jagd auf Raser. Dabei setzt sie auf sogenannte Enforcement Trailer ? mobile Blitzer, die wie Anhänger aussehen. Fünf neue Geräte sind geplant.

Vorsicht Blitzer: Die Polizei sagt Rasern in Hessen noch stärker den Kampf an. In diesem Jahr sollen fünf weitere sogenannte Enforcement Trailer angeschafft werden, wie die Zentrale Bußgeldstelle (ZBS) in Kassel verriet. Die Geräte ähneln abgestellten Fahrzeuganhängern am Straßenrand. Unter der gepanzerten Außenhülle befindet sich die Technik zur Tempoüberwachung. Die mobilen Blitzer können ohne viel Aufwand ihren Standort wechseln, so können Autofahrer sich nicht darauf einstellen – anders als bei Starenkästen und Blitzersäulen.

Zwei solcher Trailer hat die Polizei in Hessen schon in Betrieb. Sie standen bereits unter anderem auf der Autobahn 66 (Frankfurt-Fulda) und auch schon auf der A7 und A4. Die Blitzer sind sehr effektiv und liefern im Durchschnitt 7000 Treffer pro Woche, wie die Bußgeldstelle mitteilte. Die beiden Trailer zählen damit zu den produktivsten Blitzern in Hessen. Übertroffen werden sie nur von den stationären Anlagen am Elzer Berg auf der A3 bei Limburg.

Ein weiterer Vorteil: Die Blitzer können ohne Personal arbeiten, bis zu einer Woche lang. Wo die neuen Blitzer platziert werden – darüber entscheidet das Landespolizeipräsidium. Es wird auch noch etwas dauern, bis die Trailer aufgestellt werden. Denn der Auftrag muss erst europaweit ausgeschrieben werden. Wenn die Blitzer in Betrieb gehen, muss der Bußgeldstelle zufolge mehr Personal eingestellt werden. Pro Trailer werde mit einem Zuwachs von einem Dutzend Mitarbeitern gerechnet, sagte Behördenleiter Peter Koch.

Die Polizei wolle mit den neuen Super-Blitzern aber nicht Autofahrern das Geld aus der Tasche ziehen und nicht mehr Einnahmen erzielen. „Wir wollen mit den Anlagen für mehr Verkehrssicherheit sorgen“, betont Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Denn Temposünder sorgen in Hessen für die meisten Knöllchen. Rund 60 Prozent der Verstöße gehen auf ihr Konto. Autos, die im Halte- oder Parkverbot stehen, machen 22,7 Prozent der Verstöße aus, wie die Bußgeldstelle bei ihrer Jahresbilanz erklärte.

Die Bußgeldstelle erzielte 2017 Einnahmen von 59,11 Millionen Euro, die in den Landeshaushalt fließen. Damit stieg der Ertrag im Vergleich zum Jahr 2016, als 57,57 Millionen Euro kassiert wurden. Den Zuwachs erklärte die ZBS damit, dass mehrere Blitzer-Anlagen nach einer zeitweiligen Auszeit wieder in Betrieb genommen wurden.

Seit 2013 stieg die Zahl der Anzeigen-Eingänge erstmals wieder. Sie lag 2017 bei rund 1,16 Millionen. Bei der Bußgeldstelle in Kassel werden alle Verkehrsverstöße in Hessen erfasst, mit Ausnahme von Frankfurt – Hessens größte Stadt hat eine eigene Bußgeldstelle. Die Polizei wies bei der Bußgeld-Bilanz auch auf die oft unterschätzte Gefahr des Handygebrauchs am Steuer hin. „Smartphones sind zwar für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags, aber bei der Fahrt sollte man die Finger davon lassen“, sagte Werner. Die Zahl der Autofahrer, die mit Handy am Steuer erwischt wurden, stieg weiter. 2017 waren es 17 808 Fälle.

Seit dem 19. Oktober 2017 sind 100 Euro (vorher: 60 Euro) fällig, und ein Punkt im Fahreignungsregister wird notiert, wenn man mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird. Fahrradfahrer müssen 55 Euro berappen. „Wir haben trotz stärkerer Sanktionen noch keine Verhaltensänderung festgestellt“, sagt Werner.

Der Hauptkommissar berichtete von einem abstrusen Fall: Zu Jahresbeginn stoppte die Polizei in Kassel einen Autofahrer, der während der Fahrt seinen Blick kaum vom Display wenden wollte. „Sein Handy lag vor dem Tacho, und der Mann hat während der Fahrt eine Serie geschaut.“ Wer mit Handy am Ohr geblitzt werde, versuche sich zuweilen herauszureden: Es sein kein Handy, sondern ein Rasierer zu sehen. Frauen fielen indes auf, weil sie sich während der Fahrt auch mal mit Blick in den Spiegel schminkten.

Mit der Rettungsgasse klappt es oft noch nicht

Ein großes Thema ist auch nach wie vor, dass die Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge nicht immer korrekt gebildet wird. „Wir stellen fest, dass mehr Verkehrsteilnehmer eine Rettungsgasse bilden wollen, aber wenige reichen aus, um sie wieder dichtzumachen“, sagt Werner. Der Korridor werde „selten vorschriftsmäßig gebildet“. Viele Fahrer reagierten aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit falsch, beobachtet die Polizei. Es gebe aber auch schamlose Egoisten, die dem Rettungswagen im freigemachten Korridor auf der Autobahn folgten, um schneller den Stau zu passieren, berichtete Werner. Derzeit sind laut Bußgeldstelle 24 Fälle wegen Rettungsgassen-Vergehen in Bearbeitung.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Alkohol- und Drogenverstöße blieb mit 3831 Fällen in etwa auf Vorjahres-Niveau. Vor allem junge Fahrer, für die die Null-Promille-Grenze gelte, seien vernünftiger geworden und ließen das Auto stehen, wenn sie feucht-fröhlich feiern wollten. (dpa)

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