AfD Hanau

Neue Hinweise zu Gewalt bei Demo

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Bei einem Protest gegen die AfD wird ein Gewerkschafter bewusstlos gewürgt. Die Staatsanwaltschaft schweigt. Doch ein Augenzeuge weiß einiges zu berichten.

Der Fall sorgte für Aufsehen: Bei einer Demo gegen eine AfD-Veranstaltung am 20. Juli wurde ein Gewerkschafter nach DGB-Angaben von AfD-Anhängern angegriffen und bewusstlos gewürgt. Er erlitt Prellungen und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Die Männer zeigten sich gegenseitig wegen Körperverletzung an. Die Polizei teilte zunächst mit, es habe nach ersten Erkenntnissen eine Auseinandersetzung zwischen zwei 74 und 71 Jahre alten Männern und einem 43-Jährigen gegeben, die mit „wechselseitigen Handgreiflichkeiten“ endete. Die Staatsanwaltschaft will die Sache aufklären, erteilt derzeit aber keine Auskunft, weil die Ermittlungen noch laufen.

Die FR hat mit einem weiteren Teilnehmer der Kundgebung gegen die AfD gesprochen, der Angaben zum Vorfall machen kann. Demnach versuchten die beiden Besucher der AfD-Veranstaltung, die Proteste zu stören, DGB-Geschäftsführerin Ulrike Eifler das Mikro abzunehmen und Protestierende aus der Nähe zu filmen. Ordner und Gewerkschafter Helmut W. habe sie schließlich aufgefordert, den Bereich der Gegendemonstranten zu verlassen und das Filmen einzustellen. Unvermittelt habe einer der beiden W. von der Seite attackiert und in den Schwitzkasten genommen.

Helmut W. habe sich nicht mehr geregt, sei offenbar bewusstlos, der AfD-Sympathisant habe ihn jedoch weiter gewürgt. „Ich hatte Angst um ihn, dachte und dachte: Er muss sofort befreit werden, sonst kommt er nicht mehr zu sich“, sagte der Anti-AfD-Demonstrant der FR. Er habe dann den „älteren, aber fitten“ Mann durch einen Tritt und Schläge dazu gebracht, loszulassen. Dabei sei dieser auch verletzt worden. „Aber ich sah keinen anderen Ausweg. Obwohl umstehende Leute schrien, ließ er nicht von W. ab.“ Der Demo-Teilnehmer bestätigt damit die Darstellung eines weiteren Beobachters.

AfD weist Vorwürfe zurück

Die AfD hatte Vorwürfe gegen sie bereits zurückgewiesen. Jetzt teilte Landessprecher Robert Lambrou mit, seine Partei habe nach „mühsamen Recherchen“ Kontakt zu den Beschuldigten aufnehmen können. Sie seien keine AfD-Mitglieder, sondern „politisch interessierte Bürger“. Auf ihren Wunsch sowie wegen des laufenden Verfahrens bewahre die AfD derzeit Stillschweigen über den Ablauf der Auseinandersetzung. Sie wisse nun aber, dass die gegenseitigen Anzeigen „sehr gut nachvollziehbar“ seien und die Darstellung des DGB „einseitig“ und „drastisch aufgeblasen“. Der Gewerkschaftsbund hetze gegen die AfD, die „eine demokratische Partei und nichts anderes“ sei.

Mit der Presse sprechen möchten die Männer nicht. Sie seien ungehalten über die „verzerrte“ Darstellung des DGB, hätten aber Angst, als Besucher einer AfD-Veranstaltung bekannt zu werden, obwohl sie auch zu anderen Parteien gegangen seien.

DGB-Sekretär Tobias Huth widerspricht. W. sei nachweislich schwer verletzt worden; die Einschätzung des DGB basiere auf mehreren Aussagen. Die Polizei habe beide Gruppen getrennt, die AfD-Sympathisanten hätten der Kundgebung eigentlich fernbleiben müssen. Und viele Positionen der AfD seien „auf keinen Fall demokratisch“.

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