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"Licht schafft auch Sicherheit": Frauen warten an einer U-Bahnhaltestelle.

FR-Umfrage

Frankfurter fühlen sich sicher

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Entspannte Fahrgäste bei FR-Umfrage

Die Sonne sinkt hinter den Taunus, es ist 21.35 Uhr. Zwielicht legt sich über Frankfurt. Im Bus Linie 34 Richtung Rödelheim sitzen viele Pendler auf dem Weg nach Hause. Unter ihnen Megan Monroe, 26, sie steht mit ihrem Fahrrad in der Busmitte. „Im 34er fühle ich mich abends sicher“, sagt sie. Sicherheitspersonal im Bus brauche man nicht. Eine Kamera sei im Bus installiert, „die zeichnet alles auf“.
Wachpersonal im Bus hält auch Stefanie Behnecke, 29, für eine schlechte Idee: „Ich bin gegen mehr Überwachung.“ „Die Sicherheitskräfte geben mir auch nicht das Gefühl von Sicherheit, denn die gucken auch öfter mal weg.“ Besser sei es, Stationen ordentlich auszuleuchten. „Licht schafft auch Sicherheit.“

Mike, 45, ist auf dem Weg zum Rödelheimer Bahnhof. Er ist braungebrannt und drahtig, ein „Kampfsportler“, wie er sagt, und hat im Nahverkehr noch nie Probleme mit der Sicherheit gehabt. Wenn kleine Kinder zu wenig Platz im Bus hätten und eingedrückt würden, dann sage er was, da passe er auf. Wachpersonal, Kameras? „Ich brauch’s net.“

Als Barbara Laun, 62, einmal am Industriehof auf den Bus wartete, bekam sie mit, dass Mädchen belästigt wurden. Sie ging dazwischen, rief die Polizei, den Mädchen passierte nichts. Was sie heute auf dem Heimweg aufregt, sind die vielen Telefonate. „Das ging schon vor 20 Minuten an der Bushaltestelle los, jetzt quatschen die immer noch über belangloses Zeug.“ Das sei echte Belästigung, weil man das Telefonieren nicht abwehren könne. In Rödelheim steigt sie aus und stellt den jungen Mann mit dem Smartphone zur Rede.

21.59 Uhr. Luca, 27, wartet am Hauptbahnhof auf die U 4. Ein weißes T-Shirt spannt sich über tätowierte Arme. Er wohnt seit acht Monaten in Frankfurt und hat „noch nie etwas Außergewöhnliches in der U-Bahn erlebt“. Aber Wachpersonal in der U-Bahn „braucht man schon“. Nicht wegen ihm, aber es gebe auch viele weibliche Fahrgäste, die sich dadurch sicherer fühlten. Den Hauptbahnhof empfindet er nicht als besonders stressig, auch wenn er hier Drogenkonsumenten oder Obdachlose antreffe.

"Hier passiert nichts"

Pendler mit Koffern fahren in U 4 Richtung Bockenheim, jemand hat eine Sporttasche vor sich stehen, ein anderer die Gitarre auf den Rücken geschnallt.

Zwei Sicherheitsmänner der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) stehen in der U 7 Richtung Hausen, seit 21 Uhr kontrollieren sie die U-Bahnen, am Kirchplatz wechseln sie die Bahn in die Gegenrichtung. Studenten steigen am Industriehof aus, in der Nähe sind zwei Wohnheime. Ein Mädchen mit zerschnittenen Leggings „fühlt sich sicher in der Bahn“, muss aber an der Großen Nelkenstraße schnell raus. Auch Emilie, die am Hausener Weg aussteigt, findet Frankfurter U-Bahnen sicher.

22.25 Uhr. Endstation Hausener Weg. Vier Fahrkartenkontrolleure nehmen die Daten eines Schwarzfahrers auf. Der U-Bahn-Schaffner läuft ans andere Ende der Bahn. Er und zwei Fahrgäste haben 20 Minuten Aufenthalt.
Iris Borchhardt ist freischaffende Künstlerin und lehrt an der Universität Frankfurt – jetzt zündet sie sich eine Zigarette an. Ob sie sich an der Endstation unsicher fühle? „Hier ist es so langweilig, hier passiert nichts“, sagt sie. In Frankfurt sei Verkehrssicherheit gegeben – im Vergleich zu anderen Großstädten wie Berlin. „Dort hätte ich eher Bedenken, nachts in die S-Bahn einzusteigen“, sagt die gebürtige Berlinerin.

Auch komme es auf die Gegend an: Die S-Bahn in Offenbach habe ein anderes Gefahrenpotenzial als die U-Bahn am Hausener Weg. Frankfurt sei auch etwas provinziell im Vergleich zu Hamburg, Berlin oder München. Gewalt in Bussen und Bahnen habe sie hier nie erlebt. Unsicher fühle sie sich im Frankfurter Nahverkehr nicht, wenn dann nur „an dunklen Bahnsteigen, die weniger frequentiert sind“. Wie früher nachts am Ostbahnhof. Nach dem Umbau der Station sei es dort aber nicht mehr so düster.

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