Blogger Andreas Arnold

Nur einen halben gelben Sack im Jahr

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Blogger Andreas Arnold hält in seinem Plastiktagebuch fest, wie er fast müllfrei lebt. Sein Deo macht er selbst - und seine einzigen Sünden sind Schokolade und Sonnencreme.

Wenn es um Plastikvermeidung im Alltag geht, kenne ich keinen Stolz. Ich bringe sogar meinen eigenen Teller zum Imbiss mit, statt dort Pappteller zu benutzen“, sagt Andreas Arnold und lacht. Der 42-jährige Friedberger hat vor fünf Jahren seinen Blog „Plastic Diary“, also das Plastik-Tagebuch begonnen.

Mit Humor und ohne moralischen Zeigefinger berichtet er darüber, wie er Plastikmüll vermeidet: Statt Deo zu kaufen und die Verpackung jedes Mal später wegwerfen zu müssen, stellt er lieber zu Hause seine eigene Deocreme her. „Das dauert fünf Minuten.“ Und statt Haferflocken in kleinen Päckchen zu kaufen, erwirbt er sie in einem 10-Kilo-Papiersack und teilt diesen unter Freunden auf. „Die Säcke nutze ich dann für den Kompost.“

Seinen Plastikmüll hat er auf einen halben gelben Sack im Jahr reduziert. „Und den meisten Müll bekomme ich geschenkt.“ In Form von Schokoladenverpackung. „Ich liebe Schokolade. Ich kaufe mir sie selbst nicht, weil ich nicht so viel davon essen möchte, wie ich gerne würde. Und weil es eben Müll produziert“, erzählt Arnold in einem Café in Frankfurt, kurz bevor zu seinem Hauptjob muss. Eigentlich ist er Kriminalstatistiker bei der Polizei Frankfurt. Auch hier versucht er Plastik zu vermeiden: „Im Büro hatten wir viel zu viele Kulis in den Schränken, die haben wir dann gesammelt und für das Projekt „Stifte stiften“ an afrikanische Schulkinder gespendet.“

Ende 2013 habe sein Umdenkungsprozess angefangen, nachdem er Werner Bootes Dokumentation „Plastic Planet“ gesehen hatte. „Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Als ich diese massiven maritimen Verschmutzungen sah, und dass der Auslöser Plastikmüllstrudel sind, die halb so groß sind wie Europa“, erzählt er. „Ich wusste, ich muss was in meinem Leben verändern“.

Aber auch Arnold musste lernen, dass das Weltretten nur stückchenweise Sinn ergibt. Zunächst sei er in blinden Aktionismus verfallen: „Hilfe wo habe ich überall Plastik in meiner Küche?“ Und dann habe er diesen riesigen Berg im gelben Sack gehabt und sich dann doch am Ende gebremst. „Moment mal, du willst doch Plastikmüll reduzieren – wenn das jeder Haushalt macht, dann ist ja der Teufel mit dem Beelzebub austrieben.“

Und dann stellte er sich die Frage: Wie kann man sinnvoll Verzicht üben? Einmal im Monat fing er an, etwas zu verändern. „Dinge, in denen ich keine Lebensmittel aufbewahren wollte, wie Tupperdosen, habe ich zur Aufbewahrung von Büroutensilien benutzt.“ Mittlerweile habe er sie verschenkt. Sein Motto: „Besitze das, was notwendig ist. Alles darüber hinaus hinterfrage mal. Das heißt nicht, dass ich meinen Toaster nicht stehenlasse – weil ich das Gerät liebe.“ Alles, was er zum schönen Leben brauche, sei abgedeckt.

Auch seinen Kühlschrank nutzt der Veganer nicht mehr. „Vor meiner Haustür habe ich den Markt“, sagt er. Einmal die Woche kauft er dort das unverpackte Gemüse und Salat ein. In den Tonkrug, der mit Sand gefüllt ist und abgedeckt wird, kommt das Wurzelgemüse. „Das kann man zwei Wochen darin lagern, ohne dass es Flüssigkeit verlieren oder schimmeln würde.“ Salat werde in feuchte Tücher eingeschlagen, der Rest eben rechtzeitig gegessen. Ansonsten trinkt er zu Hause nur Leitungswasser, Tee oder Kaffee aus der French-Press-Maschine. Seine Sojamilch macht er sich selbst. Im Blog erklärt er auch, wie man Joghurt herstellt, wenn man kein Veganer ist.

Essen schmeißt er nicht weg. „Am Samstag habe einen großen Topf Weißkohl mit Soja und Cashewcreme gemacht. Das waren acht Portionen, Freunde kamen mit zwei Schüsseln vorbei.“ Mit seinen sieben Freunden, mit denen er sich Essen teile, reduziere er nicht nur Müll. „Sondern es hat ja auch eine soziale Komponente, weil man sich häufiger sieht.“

Seit 2013 schreibt Arnold sein „Plastic Diary“

Arnold sagt: „Ich esse auch nicht mehr täglich Brotaufstriche, weil es mir irgendwann auf die Nerven gegangen ist, dass ich so viel Glasmüll produziert habe.“ So gibt es bei ihm werktags Haferflocken mit Nüssen und Zitronensaft. Auch seinen Kleiderschrank hat er ausgemistet und vieles verschenkt oder gespendet. „Ich bin immer noch am Ausmisten. Als ich 2013 mit Plastic Diary angefangen habe, hatte ich, weil ich auch Theater spiele, sieben Kleiderschrankhälften nur mit meinen Klamotten voll.“ Inzwischen sei er auf drei runter.

„Ohne dich hätte ich gar nicht so viele Dinge bei mir zu Hause umgesetzt“ – das sei das schönste Kompliment von Leuten, die seinem Blog folgen. Arnold betont dann immer, sie sollten nicht alles eins zu eins zu kopieren versuchen. „Von heute auf morgen überfordert das jeden. Sondern pickt euch einzelne Dinge raus wie aus einem Baukasten und versucht es damit.“ Auch Workshops an Schulen und Vorträge halte er mittlerweile. Im Bad findet man bei Arnold keine Plastikverpackung. Ausnahme: die Sonnencremetube. „Da gibt es noch keine vernünftige Alternative, die den UV-Schutz bietet.“ Ansonsten nutzt er Olivenöl zum Eincremen.

Sein Zahnsalz macht er selbst, die Zahnbürste ist aus Holz, die Borsten aus Bambus. Und dann hat er noch zwei unterschiedliche Seifen: eine Haarwaschseife und eine Körperseife. „Freunde von mir waschen sich mit Roggenmehl die Haare. Das ist aber nicht mein Ding“, sagt er und lacht.

Blog unter: www.andreas-arnold.net.

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