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Die Unfallaufnahme erfolgt künftig mit dem Smartphone.

Datensicherheit

Scanner identifiziert Polizisten bei Abfrage

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Hessens Innenminister Peter Beuth eröffnet ein IT-Zentrum. Neue Technik soll den unberechtigten Datenabruf verhindern. Auch eine App zur Unfallaufnahme ist im Test.

Der Name macht schon mal was her. „Innovation Hub 110“ heißt das neue IT-Zentrum der hessischen Polizei in Frankfurt, das Innenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag offiziell eröffnet hat. Aber der Hub-Raum kann sich auch sehen lassen. 900 Quadratmeter beste Bürolage in der Stichlingstraße mit unverbaubarem Blick auf den Westhafen bieten derzeit 25, demnächst 35 Mitarbeitern eine gut klimatisierte Arbeitsatmosphäre mit allem erdenklichen technischen Schnickschnack. Der Frage der Journalisten nach den Kosten weicht Beuth elegant aus. Immerhin schafft es Landespolizeipräsident Roland Ullmann, prägnant zusammenzufassen, worum es im Hub geht, nämlich um die „Digitalisierung polizeilicher Kernaufgaben“.

In dieser Hinsicht ist der Hub schon vor seiner offiziellen Eröffnung aktiv geworden. Dank ihm werden Verkehrsunfälle künftig per App aufgenommen. Zwei Polizisten präsentieren die Zukunft des Verkehrsunfalls, die demnächst als Pilotprojekt im 13. Revier getestet werden soll. Per Gesichtserkennung wird die App auf dem Smartphone geöffnet, der Unfallort per GPS lokalisiert, ein Kollege kann sich via QR-Code einklinken. Die App scannt Führerschein, Personalausweis und Fahrzeugpapiere; wenn der Unfallverursacher eine falsche Telefonnummer angibt, aktiviert sie den Lügenalarm. Zurück auf dem Revier, entfällt das lästige Übertragen der handschriftlichen Unfalldaten in den Polizeicomputer, sie werden einfach vom Smartphone übertragen.

Schon vorher aktiv

Apropos Polizeicomputer: Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, dass künftig weniger Informationen von Polizeicomputern missbraucht würden, um Drohfaxe zu versenden, verrät Beuth. Hintergrund ist die Serie rechtsextremer Drohschreiben „NSU 2.0“. Bei der Polizei in Frankfurt und Wiesbaden waren persönliche Daten dreier Frauen abgerufen worden, die anschließend Drohmails erhielten.

Ullmann fasst zusammen, was bislang geschehen ist. Die Bildschirmsperre am Polizeicomputer schaltet sich jetzt früher an, nämlich schon nach drei Minuten. Das Passwort ändert sich alle drei Wochen, ebenso wie die individuellen Zugangsberechtigungen. Jeder Polizist muss sich beim Verlassen des Raumes von seinem Computer abmelden. Wurde bislang nur bei jeder 200. Abfrage deren Notwendigkeit stichprobenartig überprüft, geschieht das nun bei jeder 50. Und in der Rüsselsheimer Polizeistation wird derzeit getestet, ob der Einsatz von Handvenenscannern beim Computereinschalten dafür Sorge tragen kann, dass weniger Schindluder mit den Abfragen betrieben wird. Auch einen Fingerabdruckszugang könnte sich Beuth vorstellen, aber Handvene hin, Fingerabdruck her: „Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nicht geben“, sinniert der Innenminister.

Dafür arbeitet der Hub daran, die bereits von mehr als 700 000 Usern genutzte HessenWarn-App, die bislang über Unbilden wie Polizeieinsätze oder Starkregen informiert, auch auf Extremismus auszuweiten. Sollte etwa ein User „ein Hakenkreuz auf dem Spielplatz“ entdecken, verspricht Beuth, könne er das künftig per App melden, „damit das bereinigt werden kann“.

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