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Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) erhält von Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen, und Lucia Puttrich, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund, beim Hessenfest einen Geschenkkorb.

Tradition

Politisches Plaudern beim Berliner Hessenfest

Beim politisch-gesellschaftlichen Stelldichein in Berlin wird gefeiert und es werden Netzwerke gespannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam nur auf eine halbe Stunde beim traditionellen Hessenfest in Berlin vorbei. Zwischen GroKo-Ärger, Industrie-Schelte und Auslandsreisen genoss die 64-Jährige aber sichtlich die kurze Stippvisite am Dienstagabend in der Landesvertretung bei Ahler Wurscht, Weißwein und sommerlichen Temperaturen - sehr zur Freude auch von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Die Kanzlerin sei ein besonders treuer Gast, der Hessen jedes Jahr die Ehre erweist. "Ich freue mich auch, dass ich selbst wieder dabei sein kann", bekannte Bouffier vor den rund 2000 Gästen aus der Landes- und Bundespolitik sowie der Wirtschaft und Gesellschaft, die dem von einer Krebserkrankung genesenen 67-Jährigen für die ehrlichen Worte spontan kräftig applaudierten.

Merkel war in rotem Blazer, weißem Oberteil und grauer Hose erschienen, plauderte am Tisch schmunzelnd mit Bouffier, Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg, probierte immer wieder hessische Spezialitäten und hatte auch bei ihrer kurzen Rede die Lacher auf ihrer Seite.

"Ich habe heute schon so viele Reden gehalten. Ich kann jetzt hier unmöglich noch eine lange halten", berichtete die Kanzlerin nach einem Marathontag mit Termin-Hopping. Sie sei aber gerne gekommen, "weil das immer ein wunderschönes Fest ist". Um dann auch eine kleine Spitze zu verteilen: "Ich denke an Hessen immer in den besten Tönen - außer wenn man mal am Frankfurter Flughafen zu lange warten muss." Am Vortag hatte ein heftiges Gewitter an Deutschlands größtem Airport den Betrieb stark beeinträchtigt.

Merkel kontert politischen Sticheleien

Auch die politischen Sticheleien von Hessens Vize-Regierungschef Tarek Al-Wazir von den Grünen konterte Merkel in ihrer typischen Art: Al-Wazir habe ihr auf dem Fest gesagt, dass Hessen durch eine stabile Regierung von CDU und Grünen glänze. "Ich darf zurückgeben: Von uns liest man das nicht jeden Tag. Aber wir tun mehr, als man denkt", betonte Merkel mit Verweis auf die mit den Ländern vereinbarten Vorhaben für Hochschulen und Forschung.

Direkt auf die Debatten über den Erhalt der großen Koalition in Berlin ging Merkel nicht ein. Die Führungskrise in der SPD war aber auch großes Tuschel-Thema auf dem Hessenfest. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, Teil eines Trios, das die Sozialdemokraten zunächst kommissarisch führt, war etwas legerer gekleidet auch in die Landesvertretung gekommen. Das Gespräch mit Merkel bei ihrem kurzen Besuch oder den Austausch mit CDU-Bundesvize Bouffier suchte er auf dem Fest jedoch nicht.

Rund um den Tisch des Ministerpräsidenten, der sich weiter vorsichtig zum Erhalt der GroKo äußert, blieb über den Abend nie ein Platz leer. Bouffier genoss sichtlich die vielen Gespräche wenige Wochen nach dem Start in den politischen Alltag nach seiner Reha, an seiner Seite stets Ehefrau Ursula. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihr Amtskollege aus dem Gesundheitsressort, Jens Spahn (beide CDU), kamen genauso zum Plaudern wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Auch Hessens ehemaliger Regierungschef Roland Koch (CDU) und der frühere hessische Umwelt- und spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) gesellten sich dazu.

Mehrere Trachtenpaare aus allen Landesteilen hatten die Gäste des 18. Hessenfests in Berlins begrüßt. Darunter waren eine Schwälmer Tracht aus Nordhessen, eine Marburger Evangelische Tracht sowie Solmsbachtaler, Landecker, Hersfelder und Odenwälder Trachten. An hessischen Spezialitäten gab es etwa Handkäs' mit Musik, Bio-Currywurst und Grüne Soße. Kanzlerin Merkel bekam von Bouffier und Ministerin Puttrich einen Präsentkorb mit den Leckereien des Landes überreicht. Darin waren auch mehrere, von Merkel besonders geschätzte Ahle Würschte aus Nordhessen enthalten.

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