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Mike Josef war auch mit dabei.

Gut gebrüllt

Politiker im Waldstadion: Frankfurt bezwingt Hessen

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Wenn die Politik spielt: ohne Pyros, ohne Beuth, aber mit sechs Toren. Die Kolumne aus dem Landtag.

Hurra, die Frankfurter Fußballer können noch siegen. Das hört sich am Tag der entscheidenden Begegnung nach einer guten Nachricht für den Bundesligisten Eintracht Frankfurt an, der sechs Spiele hintereinander in Liga und Europacup nicht gewonnen hat.

In dieser Woche aber konnten die Frankfurter einen Sieg im Waldstadion feiern. Doch darüber waren nicht alle in Hessen glücklich. Denn der Gegner kam aus demselben Bundesland, und es war ohnehin nicht die Eintracht, die auf dem Platz stand. Drei Tage vor der Begegnung Bayern vs. Frankfurt hieß es in dieser Woche vielmehr Frankfurt vs. Hessen. Am Ende stand es in einer hochklassigen Begegnung im Stadtwald 4:2 für die Gastgeber.

Die Parlamentsmannschaft der Stadtverordnetenversammlung maß ihre Kräfte mit denen der Landtagself. Kein Wunder, dass die Frankfurter nach dem Spiel unkten, ihr Sieg sei die Rache für die schlechte Behandlung der Mainmetropole beim Kommunalen Finanzausgleich.

Die Politiker spielten in dem Stadion, in dem die Eintracht Teams wie Benfica Lissabon und Inter Mailand aus dem Rennen geworfen hat. Anstelle von Kevin Trapp und Luka Jovic liefen jedoch Planungsdezernent Mike Josef, Jahrgang 1983, und der ehemalige Stadtverordnete Dieter Bürger, Jahrgang 1940, aufs Feld.

Der Klasse der Frankfurter hatte die neuformierte Hessen-Elf nicht genug entgegenzusetzen. Bei der Landtagswahl waren etliche zusätzliche Fußballer ins Parlament gewählt worden, die nun auf dem Platz standen. Doch auch CDU-Mann Michael Ruhl aus dem Vogelsberg, der nordhessische Sozialdemokrat Oliver Ulloth und Oliver Stirböck, FDP-Abgeordneter aus Offenbach, konnten die Niederlage der Landtagself nicht verhindern. Nicht nur die Eintracht hat mit ihren famosen Auftreten international für Aufsehen gesorgt, auch die Begegnung Frankfurt vs. Hessen fand europäische Beachtung.

Die Generalkonsulinnen der Ukraine und Griechenlands, Alla Polyova und Maria Zissi, nahmen den Anlass gerne wahr, den Politikern aus Deutschland mal in einem anderen Umfeld zu begegnen. Man würde gerne lesen, welche Erkenntnisse sie ihren Regierungen nach Kiew und Athen senden.

Der gravierendste Unterschied zur Bundesliga: Alle Zuschauer verzichteten auf das Abbrennen von Pyrotechnik. Dabei war der entschiedenste Pyro-Gegner, Innenminister Peter Beuth (CDU), diesmal gar nicht dabei. Er läuft sonst für die Landtagself im Sturm auf.

Für die Landtagsmannschaft war es die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel, und langsam wächst der Druck auf Teamchef Wolfgang Decker (SPD). Die nächste Chance auf einen Sieg bietet sich bereits am Mittwoch gegen eine Auswahl der soziokulturellen Zentren.

Doch Achtung, es ist Plenarwoche. Bis zum Anpfiff stecken den Abgeordneten Debatten über den „Ersten Staatsvertrag zur Änderung des Vertrages über die Errichtung des IT-Planungsrats“ und ähnlich aufreibende Themen in den Knochen. Das ist härter als jede Englische Woche in der Fußball-Bundesliga.

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