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Poesie-Festival soll auch Jugend begeistern

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Pasquale Aleardi
Pasquale Aleardi © Privat

Programm für 2023 steht / Bundesweite Werbung, internationale Künstler sollen engagiert werden

BAD HOMBURG - Wie der Hans Sigl draußen vor der Spielbank stand, und als es losging, hat er sein Buch genommen und einfach losgelesen . . . Und Ben Becker in der Erlöserkirche - legendär! In 13 Jahren Poesie- und Literaturfestival gibt es für die Veranstalter unvergessene Momente mit den Schauspielern. Nach zwei bitteren Corona-Jahren, die noch immer nachwirken, erhoffen sie sich im nächsten Jahr neue Sternstunden.

Veranstalter Hermjo Klein ist ein alter Hase in der Branche; im kommenden Jahr werde er 60 Jahre lang im Geschäft sein, erzählt er. Als in der Pandemie die Theater schließen mussten, habe er „unglaublich gelitten“ und ans Aufhören gedacht - nach inzwischen 30 000 Veranstaltungen. Doch weil dieses Festival für ihn der Höhepunkt eines jeden Jahres sei und das Publikum so angenehm, mache er weiter.

Die Kurstadt unterstütze die Kultur trotz des Sparzwangs weiter, so OB Alexander Hetjes (CDU), „weil wir bei all den Nachrichten vom Krieg ein Recht auf Lebensfreude haben“.

Noch immer sei eine „unglaubliche Unordnung“ in der Branche, so der Künstlerische Leiter des Festivals, Bernd Hoffmann. Sie mache das Planen extrem schwierig. Drei abgesagte Termine können nachgeholt werden. Die Abende mit Christian Kohlund („Goya“) und Ronald Zehrfeld („Die Zeitmaschine“) fallen aus; Tickets werden erstattet.

In den nächsten fünf Jahren soll sich das Festival wandeln und seine Fühler ausstrecken, kündigt Hoffmann an. Schon beim Festival 2023 will man mit drei Veranstaltungen Menschen unter 35 ansprechen. „Die lesen keine dicken Bücher mehr“, meint Hoffmann. So taucht der Name einer „millionenfach geklickten“ Poetry-Slammerin neben denen der TV-Stars auf. Im Advent sollen Jugendliche aus der Region auf der Bühne stehen; eine weitere Veranstaltung soll an Homburgs Schulen laufen.

Durch einen neuen Ticket-Dienst wird künftig überall in Deutschland fürs Festival in Bad Homburg geworben. „Langfristig werden wir darüber nachdenken, ob man unsere Lesungen nicht auch wird streamen können“, so Hoffmann. Auch eine Ausweitung auf internationale Künstler kann er sich vorstellen. „Der Kern“ des Festivals - Stars lesen hohe Literatur, dazu die passende Musik - soll aber beibehalten werden, so Hoffmann. So kommen 2023 wieder bekannte Gesichter, auch ein paar neue - etwa Tobias Moretti, der seit fünf Jahren angefragt wird und nun endlich Zeit hat.

Moretti kommt mit Shakespeare-Projekt

4. Februar, 20 Uhr, Kurtheater: Benno Führmann und Sabin Tambrea lesen aus Fitzgeralds „Der große Gatsby“. Das im New York der 1920er Jahre angesiedelte Drama um Aufstieg, Reichtum, Feste, verlorene Liebe und vergebliche Illusionen spiegelt den amerikanischen Traum - und sein Scheitern. Der britische Crooner Alexander Stewart singt Swing.

3. Juni, 19.30 Uhr, Erlöserkirche: Tobias Moretti & wood sounds - „My Love is a Fever“. Der Österreicher kommt mit seinem neuen Shakespeare-Projekt. Moretti und das Ensemble, das auf historischen Barock-Instrumenten spielt, verweben Musik aus dem 16. Jahrhundert mit Texten von Shakespeare, Rilke, Celan in einem Programm, „das von wilden Leidenschaften kündet“.

4. Juni, 12 Uhr, Spielbank: Pasquale Aleardi (alias ARD-Kommissar Dupin) liest aus Maurice Leblancs „Arsene Lupin“, das ist ein in der Belle Epoque erfundener französischer Meisterdieb. „Sherlock Holmes à la francaise“.

8. Juni, 20 Uhr, Güterbahnhof: Matthias Matschke liest aus Bram Stokers „Dracula“. Nach Mary Shelleys „Frankenstein“ und Edgar Allen Poes „Unheimlichen Geschichten“ schlüpft er nun in die Rolle des blutsaugenden, rumänischen Vampir-Grafen.

9. Juni, 20 Uhr, Kurtheater: Julia Engelmann präsentiert ihr Programm „Lass mal an uns selber glauben“. Seit ihrem Internet-Hit „One Day“ sei die Poetin so etwas wie die Stimme ihrer Generation, so die Festival-Veranstalter.

10. Juni, 20 Uhr, Kurtheater: Peter Kurth und Jeanette Hain lesen aus Heinrich Manns „Professor Unrat/ Der blaue Engel“. Spießiger Gymnasialprofessor wird von einer obsessiven Leidenschaft für eine Kleinstadtkurtisane aus der gewohnten bürgerlichen Bahn geworfen - die Verfilmung mit Marlene Dietrich erlangte Weltruhm.

11. Juni, 17 Uhr, Kurtheater: Hans Sigl liest aus Alexandres Dumas’ „Der Graf von Monte Christo“. Nach der Französischen Revolution hat der Graf alles verloren, bricht aber aus dem Kerker aus und übt Rache - dazu gibt’s „wuchtige orchestrale Klassik“.

15. Juni, 20 Uhr, Kurtheater: Ben Becker mit seiner neuen Produktion „Apokalypse“, frei nach Joseph Conrads „Das Herz der Finsternis“. Captain Marlows Trip in Afrikas Dschungel und sein eigenes Herz - passend zur aktuellen Kolonialismus-Debatte.

18. Juni, 16 Uhr, Froschteich hinter der Orangerie (open air): Esther Schweins liest auf einem Brückchen im Teich „Märchen von Feen, Nixen und Wasserweibern“. Für Kinder geeignet, für Erwachsene gedacht.

10. Dezember 2023, 18 Uhr: Festliche Chormusik aus San Marco mit dem Bachchor, dem Schauspieler David Rott und Jugendlichen.

Die Preise, so Hoffmann, habe man nicht wesentlich erhöht; sie rangieren zwischen 24 und 71 Euro. Der Ticketverkauf startet am 7. Dezember - online und analog. Näheres unter https://bad-homburger-poesie-und-literaturfestival.com.

Julia Engelmann
Julia Engelmann © tz
Tobias Moretti veranstalter (3)
Tobias Moretti veranstalter (3) © tz

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