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„Aber es ist doch für immer passiert“ kam zuerst als Theaterstück auf die Bühne.

Rödermark

Podcast über jüdisches Leben und Sterben

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Schüler:innen aus Rödermark führten ein Theaterstück über junge Menschen in Ghetto und KZ auf. Jetzt ist daraus ein Hörspiel über ein jüdisches Geschwisterpaar in Rödermark geworden.

Es ist ein besonderer Podcast, der in den vergangenen Wochen in Rödermark entstanden ist: Schüler und Jugendliche erzählen in 80 Minuten das Drama eines jüdischen Geschwisterpaares, das während der Nazizeit in Rödermark lebte. Die Geschichte vom Leben und Sterben junger Menschen in Ghetto und KZ wurde erst als Theaterstück aufgeführt, fiel dann den Corona-Restriktionen zum Opfer und erstand nun fast neun Monate später in abgeänderter Form als Hörspiel sowie als Buch mit zugehöriger CD wieder auf.

Am 28. Februar feierte das Theaterstück „Aber es ist doch für immer passiert“ in der Kelterscheune in Rödermark Premiere. Die Initiative Stolpersteine in Rödermark hatte es initiiert und war im Sommer 2019 in Schulen im Kreis Offenbach auf die Suche nach Freiwilligen gegangen. Nicht einmal zwei Wochen nach der Premiere setzte Corona dem Engagement ein jähes Ende: Die Covid-19-Bestimmungen ließen es nicht zu, dass die zwölf Schüler:innen aus vier Schulen gemeinsam auf der Bühne standen. „Ein abruptes Ende der Theaterserie“, sagt Oliver Nedelmann von der Initiative Stolpersteine, der selbst Schauspieler ist. „Wir hätten das Stück eigentlich bis in den Herbst hinein gespielt – unter anderem auch im Anne-Frank-Haus.“

Rosel Hecht (hinten links), jüdisches Mädchen aus Rödermark, wurde von den Nazis 1941 nach Minsk deportiert. Ein Podcast, ein Buch und ein Theaterstück erzählen jetzt ihre Geschichte.

Deshalb überlegte er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, was man „aus dem Geist des Stückes machen kann“. Die Jugendlichen schlugen einen Podcast vor. „Es ist ja wieder in Mode, Hörspiele zu hören“, sagt Nedelmann.

Das Grundgerüst des Theaterstücks war dabei Gold wert: Nedelmann legte Wert darauf, zu erfahren, was die Jugendlichen von heute am Schicksal der Jugendlichen von damals bewegt. Die zwölf Schüler und Schülerinnen recherchierten vorab historische Hintergründe, stellten sich die Frage, was für einen Teenager damals wohl wichtig war. In das Theaterstück floss davon zwar wenig ein, in den Podcast danach umso mehr.

„Mit diesen Gedanken und Gefühlen der Jugendlichen sowie meinen Notizen ging es in einen Schreibprozess“, sagt der 56-Jährige. Unter seiner Feder entstanden acht fiktive Tagebucheinträge der Jüdin Rosel Hecht – einer realen Person, die schon im Theaterstück eine Rolle spielte. Sie wurde 1925 im Rödermarker Stadtteil Ober-Roden geboren und am 11. November 1941 ins Vernichtungslager Maly Trostinec bei Minsk deportiert.

Jakob „Jaky“ Hecht (2. v. li.) kam als Elfjähriger nach Palästina in ein Kinderheim und besuchte als Erwachsener seine Geburtsstadt.

„Die Schüler und Schülerinnen haben Redaktion gelesen, durften auch ankreuzen, was sie in den Texten interessiert“, sagt der Autor Nedelmann. So entstand für den Podcast die erdichtete Geschichte von Rosel in den Jahren 1941 und 1942 – bis das fiktive Tagebuch abbricht.

Nedelmann machte den Podcast noch eindringlicher, indem er Rosels Tagebucheinträgen Briefe ihres jüngeren Bruders Jakob „Jaky“ Hecht entgegen stellte, die dieser an seine Großmutter schrieb. Jaky entkam dem Holocaust, weil er 1939, im Alter von elf Jahren, mit einem Kindertransport nach Palästina auswandern konnte, das damals britisches Mandatsgebiet war. Als junger englischer Soldat besuchte er Ober-Roden und kam in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder in seine Geburtsstadt. Die Briefe im Hörspiel schildern die Gefühlswelt des Elfjährigen bis zu seinem Sterbetag im Alter von 74 Jahren.

„Wir haben keine Opferlamm-Geschichte geschrieben, sondern haben eine Widerstandsgeschichte gemacht“, sagt Nedelmann. Vier Jugendliche aus der Theatergruppe sprachen die Texte für den Podcast. Dazu kamen noch ein Kind sowie Altbürgermeister Roland Kern und CDU-Vorsitzender Ralph Hartung. „Diese Amateursprecher geben dem Podcast große Lebendigkeit“, sagt er.

Podcast über jüdisches Leben und Sterben

Der Podcast ist auf der Internetseite www.stolpersteine-in-roedermark.de abrufbar. Parallel dazu erschien das Buch mit CD „Aber es ist doch für immer passiert“, das für 10 Euro in den Rathäusern und Buchhandlungen Rödermarks sowie bei Theater & Nedelmann in Rödermark erhältlich ist. Unter post@stolpersteine-in-roedermark.de oder Tel. 06074/4827616 kann es auch bestellt werden.

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