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Mit diesem Plakat wird nun in zehn Linienbussen der Stadt Offenbach auf die Soforthilfe bei Vergewaltigung hingewiesen. Foto: Privat
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Mit diesem Plakat wird nun in zehn Linienbussen der Stadt Offenbach auf die Soforthilfe bei Vergewaltigung hingewiesen.

Offenbach

Plakate in Offenbacher Bussen zu einem Tabuthema

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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In Offenbach gibt es seit 2015 medizinische Soforthilfe für Vergewaltigungsopfer. Jetzt wird das Angebot in und an den Bussen offensiv neu beworben.

Das Foto ist unspektakulär, zeigt das Konterfei einer hübschen jungen Frau. Die darüber platzierte Botschaft ist aber explosiv: „Wenn ein verstauchter Knöchel ein Notfall ist – was ist dann eine Vergewaltigung?“ Mit diesem Motiv machen die Stadt Offenbach und die Beratungsstelle Pro Familia ab sofort auf das Angebot der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung aufmerksam. Das Plakat hängt ein Jahr lang in zehn Offenbacher Linienbussen und prangt außerdem vier Wochen lang auf den Hecks von vier Bussen.

Akuthilfe in zahlen

Seit Anfang 2015 bis Ende 2020 haben sich 49 Vergewaltigungsopfer in den Offenbacher Krankenhäusern untersuchen lassen, ohne die Tat vorher der Polizei gemeldet zu haben.

In diesem Jahr wurden bereits sechs solcher Fälle registriert.

Die beiden Kliniken unterstützen die neue Plakataktion mit je 1000 Euro. Vom hessischen Sozialministerium kommen 5000 Euro für die Werbung auf den Heckflächen der Busse.

Bis Jahresende soll auch eine einfach gehaltene Website zur Soforthilfe bei Vergewaltigung online gehen. ann

Die Kampagne soll das Thema Vergewaltigung aus der Tabuzone holen und Opfer offensiv dazu auffordern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Das ist keine Angelegenheit, die nur Frauen betrifft, sondern sie muss auch jeden anständigen Mann betreffen“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). Bereits 2015 wurde die medizinische Soforthilfe auf Beschluss des Stadtparlaments im Sana-Klinikum und im Ketteler-Krankenhaus etabliert. Nun sei es an der Zeit, in den Bussen mit neuen Plakaten auf das Angebot aufmerksam zu machen, sagt die Frauenbeauftragte Inga Halwachs.

Die unkomplizierte Soforthilfe sichert betroffenen Frauen und Mädchen eine medizinische Erstversorgung – völlig unabhängig davon, ob sie bei der Polizei Anzeige stellen. „Die Opfer sollen sich zuerst einmal um ihren Körper kümmern“, sagt Schwenke. Auf Wunsch werden in den beiden Krankenhäusern die Spuren der Vergewaltigung vertraulich gesichert und bis zu einem Jahr in der Frankfurter Rechtsmedizin gelagert. So ist es auch nachträglich möglich, den Täter anzuzeigen. Entschließt sich das Opfer jedoch nicht dazu, werden die Materialien nach einem Jahr vernichtet. „Eine Frau muss sehr gefestigt sein, um eine Anklage oder ein Gerichtsverfahren durchzustehen“, sagt die Ärztin Bettina Witte de Galbassini von Pro Familia, wo die Frauen psychosozial begleitet werden. „Wenn sie jemand ernst genommen und untersucht hat, ist das ein erster Schritt zur Heilung.“

In den Kliniken sind standardisierte Kits mit allen Utensilien vorrätig. Die Ärzt:innen füllen Fragebögen aus und nehmen dort DNA-Abstriche, wo das Vergewaltigungsopfer berührt wurde. Sie dokumentieren in mehrseitigen Bögen jegliche Art von Verletzung – auch mit Fotos, die passwortgeschützt archiviert werden. Die Kleidung wird in Tüten asserviert, genauso wie Blutproben und Hautpartikel unter den Fingernägeln. Die Kits werden schließlich versiegelt in die Rechtsmedizin transportiert.

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