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Theater soll Schulfach werden.

Hessen

Plädoyer für Schulfach Theater in Hessen

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Wie können Kinder und Jugendliche im Zeitalter der virtuellen Kommunikation lebendige Begegnung erfahren? Kulturschaffende in Hessen machen Vorschläge und schildern eine Reihe von Problemen.

Alle Kinder und Jugendlichen sollen die Gelegenheit bekommen, sich selbst beim Theaterspielen auszuprobieren und Stücke von professionellen Theatern zu sehen. Die Forderung nach einem Schulfach Theater an allen Schulformen zieht sich durch zahlreiche Stellungnahmen von Kulturschaffenden an die hessische Landespolitik.

Zwar loben die Akteure und Verbände Landesprogramme wie „Tusch“, „Flux“ und den Kulturkoffer, die Schülerinnen und Schülern das Theater in Projekten näherbringen. Aber „nur ein Schulfach garantiert in unserem allgemeinbildenden Schulsystem, dass alle Menschen professionellen Zugang erhalten“, argumentiert Joachim Reiss von der Landesvereinigung Kulturelle Bildung.

Das Ziel sei erst erreicht, wenn die Darstellenden Künste in den Stundentafeln auftauchten und von Fachlehrkräften unterrichtet würden, formuliert Ruth Kockelmann, Vorsitzende des Landesverbands Schultheater in Hessen. Dafür sei es auch erforderlich, das Fach Theater/Darstellendes Spiel als Studiengang an einer hessischen Uni anzubieten. Bisher müssten die Studierenden dafür nach Hannover, Berlin oder Rostock ausweichen, beklagt Kockelmann.

Anhörung am Donnerstag

Der Landtag hat die Theaterleute und Vertreter der soziokulturellen Zentren für Donnerstag zu einer Anhörung eingeladen, um über ihre Situation zu berichten und Vorschläge zur Kulturpolitik zu unterbreiten. Vorab haben mehr als 30 Institutionen und Verbände bereits schriftliche Stellungnahmen abgegeben.

Darin beschreiben sie teilweise in eindringlichen Worten, warum Theater heute so eine große Bedeutung hat. „Gerade in diesem Zeitalter der virtuellen Kommunikation ist Theater ein einzigartiger, unentbehrlicher, unersetzbarer magischer Ort lebendiger Begegnung und unmittelbarer sinnlicher Erfahrung“, sagen Bettina Kaminski und Reinhard Hinzpeter vom Freien Schauspiel Frankfurt. „Alles ist hier und jetzt und wirklich. Ein soziales Erlebnis der besonderen Art, das die Menschen emotional zusammenführt und sich anders spüren lässt als Daheim allein vor dem Bildschirm.“

Die prekären Arbeitsverhältnisse und die schlechte Bezahlung an den Bühnen brennt vielen Beteiligten unter den Nägeln. Die Mindestgage liege laut Tarifvertrag bei 2000 Euro brutto monatlich, berichten sie. „Davon kann man in einer Stadt wie Frankfurt kaum auskommen“, heißt es in der Stellungnahme des Schauspiels Frankfurt. Das Haus sei bemüht, auch Anfängerinnen und Anfänger höher zu entlohnen. „Dies wird aber vermehrt immer schwieriger, da unser Träger, die Stadt Frankfurt, die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, die auch bei uns umzusetzen sind, nicht mehr umfassend übernimmt.“

Auf das gleiche Problem weist auch die Oper Frankfurt hin. Es stelle sich die Frage, „ob langfristig nicht wie in anderen großen Städten ein Finanzierungsmodell gefunden werden muss, an dem sich das Land Hessen verstärkt beteiligt, um die Oper vor gravierenden Einschnitten zu bewahren“, schreibt Achim Sieben, der persönliche Referent von Opernintendant Bernd Loebe. Mehrere Anzuhörende verweisen auf die geänderte Verfassung. Per Volksabstimmung war Kultur im vergangenen Jahr als Staatsziel in die hessische Landesverfassung aufgenommen worden.

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