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Plädoyer für den Hafen

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Von: Friederike Tinnappel

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Osthafenbrache in Frankfurt.
Osthafenbrache in Frankfurt. © FR/Arnold

Die Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße wird 15 Jahre alt. Viele Entwicklungen hat sie begrüßt, nun aber möchte sie manches gerne bremsen. Von Friederike Tinnappel

Hafen-Geschäftsführer Ralf Karpa hatte bei der Podiumsdiskussion über die "Entwicklung des Frankfurter Ostens" lange warten müssen. Dann aber legte sich Karpa, der auch für die städtischen Marktbetriebe zuständig ist, im neu geschaffenen Campus Oberhafen um so mehr ins Zeug: "Wir haben die Großmarkthalle gerne verkauft. Und wir haben 40.000 Quadratmeter für den geplanten Hafenpark abgegeben. Nun denke ich, reicht es auch."

Karpa, das wurde an diesem Abend, an dem es auch um das 15-jährige Bestehen der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße ging, fürchtet um die Existenz des Osthafens. "Die Wohnbebauung rückt immer näher." Er sei es leid, dass "jeden Monat der Hafen infrage gestellt" werde. Über 200 Millionen Euro seien in den vergangenen sieben Jahren in den Standort investiert worden. Es sei "ein Juwel" mit über 10.000 Arbeitsplätzen entstanden.

Die letzten Blaumänner

Im Hafen dürfte es die letzten Blaumann-Arbeitsplätze geben, die lange Zeit für das Frankfurter Ostend typisch waren. Stadtplaner Dierk Hausmann hat die Entwicklung verfolgt, seitdem die ersten Künstler in stillgelegte Fabrik-Etagen zogen. Erstaunliches sei geschehen, zumal die Hanauer Landstraße anders als die City West und das Westend "nie Gegenstand großer städtischer Betreuung" gewesen sei.

Nicht die Stadt, sondern Männer wie der Immobilienkaufmann Ardi Goldmann haben die Hanauer vorangebracht. Goldmann spricht an diesem Abend von einer individuellen, kleinteiligen Struktur, "viel interessanter und zukunftsträchtiger" als zum Beispiel die City West.

Dort und im Westhafen hat sich bisher der Unternehmer Jürgen Groß getummelt. Jetzt ist auch er im Osten angekommen, hat ein Grundstück in der Lindleystraße vom Hafenbetrieb übernommen und möchte am Danziger Platz einen "eigenen, kleinen Stadtteil" entstehen lassen. Damit wäre dann auch eine städtebauliche Verbindung zwischen Ostend und Innenstadt hergestellt.

Angst vorm Verkehrsinfarkt

Insgesamt aber werde das Tempo der Veränderung nachlassen, sagte Mario Blechschmidt von der Mercedes-Niederlassung. "Nach den bewegten Jahren kommen wir in die Konsolidierungsphase." Seine größte Angst, die von allen Ostend-Fans geteilt wird, ist die vor einem "Verkehrsinfarkt" auf der Hanauer. Durch die geplante neue Mainbrücke könnte die Hanauer entlastet werden, sagte Hausmann.

Im Frühling nächsten Jahres soll mit dem Bau der Europäischen Zentralbank auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle begonnen werden, erklärte Thomas Rinderspacher, der das Neubau-Projekt betreut. Zusammen mit dem Hafenpark werde das eine ganz "tolle Ecke". Ende 2011 werde man schon den Turm sehen. Für 2014 rechnet Rinderspacher mit dem Umzug der EZB. "Ich hoffe, die Banker sind nicht zu langweilig für diese Kreativmeile." Profitieren könnten sicherlich die Autohäuser.

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